Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Reaktionen: Schaden erwartet Vertragsauflösung

Das Festspielkuratorium bei einer Sitzung am 22. Mai.
Das Festspielkuratorium bei einer Sitzung am 22. Mai.(C) APA/NEUMAYR/MMV
  • Drucken

Der Bürgermeister betonte die Unvereinbarkeit zwischen Salzburg und Mailand. Die Lega Nord protestiert: "Heute wurde die Scala getötet."

In einem ersten Kommentar sagte Heinz Schaden (SPÖ), Bürgermeister von Salzburg und Mitglied des Festspielkuratoriums, er sei enttäuscht darüber, dass Festspielintendant Alexander Pereira bereits vor seiner zweiten Saison in Salzburg seinen Abgang nach Mailand fixiert habe. "Die Entscheidung ist jetzt also gefallen, sie lag ohnehin seit Langem in der Luft. Aber zugleich bin ich froh und erleichtert, dass jetzt auch Klarheit herrscht. Und ich kann definitiv ausschließen, dass die Intendanz in Mailand und in Salzburg parallel gemacht werden können. In Salzburg gibt es keine Nebenbei-Festspiele", argumentierte Schaden, der dem Konzept und der Person Alexander Pereira häufig kritisch gegenübergestanden ist.

Es gehe jetzt darum, den Abschied zivilisiert über die Bühne zu bringen, sagte Schaden. "Ich will ihm absolut keine Steine in den Weg legen, wir werden nicht wie die Wilden miteinander umgehen. Ich sehe auch kein Problem darin, dass er den Festspielsommer 2013 abwickelt. Da ist ohnehin alles auf Schiene. Außerdem gibt es eine Präsidentin, einen Schauspiel- und einen Konzert-Chef. Aber 2014 kann ich mir schwer vorstellen. Denn man darf nicht vergessen: Pereiras Arbeit für Mailand beginnt genau jetzt", so Schaden, der dem Kuratorium "nicht vorgreifen" will, aber von einer Vertragsauflösung ausgeht.

Haslauer: "Doppelfunktion geht nicht"

Das tut auch Wilfried Haslauer (ÖVP), vom Fremdenverkehrsfonds ins Kuratorium entsandter Festspielkurator, der dem Aufsichtsgremium der Festspiele in Zukunft wahrscheinlich in der Funktion eines Landeshauptmannes angehören wird. "Eine Doppelfunktion geht nicht. Entweder oder, aber sicher nicht beides. Wenn es Pereiras Wunsch ist, in Mailand zu arbeiten, freue ich mich für ihn. Er hat in Salzburg viel Positives bewegt. Ich sehe das Ganze wenig dramatisch, die Festspiele gibt es seit mehr als 90 Jahren. Wir müssen und werden jetzt leidenschaftslos ein neues Kapitel aufschlagen", so Haslauer, der wie Schaden davon ausgeht, dass die Suche nach einem neuen Salzburger Festspiel-Intendanten im Sonderkuratorium am 11. Juni erörtert und festgelegt werden wird.

Das umstrittene und bis jetzt nicht genehmigte Budget für das Jahr 2014 soll laut Bürgermeister Schaden jetzt den Vorgaben des Kuratoriums entsprechen und nicht mehr  als 61 Millionen Euro betragen. "Die Präsidentin (Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, Anm.) hat mir mitgeteilt, dass das Budget von ihr und Pereira unterschrieben ist und im vorgegebenen Rahmen bleibt. Damit sind wir einen großen Schritt weiter, jetzt gilt es, die Personalfrage zu lösen", erklärte Schaden.

Keinerlei Kommentar zur aktuellen Entwicklung will Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) abgeben. Ihr Sprecher verwies gegenüber der Austria Presse Agentur darauf, dass am 11. Juni im Kuratorium alles Weitere besprochen werde.

Gratulation aus Italien

Italiens Vize-Kulturministerin, Ilaria Borletti, hat Pereira zu seinem neuen Posten gratuliert. "Der Beschluss des Mailänder Bürgermeisters Giuliano Pisapia und des Scala-Aufsichtsrats bezeugt den Willen, Kompetenz und Manager-Erfahrung Priorität einzuräumen, was für die Zukunft der Scala entscheidend ist. Denn das Opernhaus, wie viele ähnliche Einrichtungen in Italien, hat mit den Bilanzen zu kämpfen", betonte Borletti.

„Ich bin sicher, dass der neue Intendant mit seiner Erfahrung bei den Salzburger Festspielen und beim Zürcher Opernhaus der Scala, einem Symbol Mailands und Italiens, eine kompetente und zukunftsreiche Verwaltung sichern wird“, sagte Borletti. "Er werde einen Kompromiss finden müssen zwischen der öffentlichen Kulturförderung der Oper und der Notwendigkeit, private Ressourcen aufzutreiben. "Die Scala soll zu einem Beispiel für alle Kulturinstitutionen werden und beweisen, dass öffentliche und private Finanzierung zum Schutz unseres Kulturerbes zusammenwirken können", betonte die Vize-Kulturministerin.

Auch Konkurrenz lobt

Der Intendant des Piccolo Teatro in Mailand, Sergio Escobar, der als aussichtsreichster Konkurrent Alexander Pereiras im Rennen um die Führung der Scala gehandelt wurde, lobt die Wahl des Österreichers zum neuen Intendanten des Mailänder Opernhauses. "Pereira ist eine Persönlichkeit mit großer Erfahrung. Ich kenne ihn, seitdem er in Zürich arbeitete und ich Intendant in Bologna war", kommentierte Escobar.

"Ich bin sicher, dass unter Pereiras Leitung die Scala eng mit dem Piccolo Teatro zusammenarbeiten wird. Lieber Pereira, ich hoffe, Dich bald zu sehen und wünsche Dir das Beste", wurde Escobar in einer Presseaussendung zitiert.

Harnoncourt sieht keine Unvereinbarkeit

Überaus positiv reagierte Dirigent Nikolaus Harnoncourt auf die Nachricht, dass Alexander Pereira die Intendanz der Mailänder Scala übernimmt. "Da kann sich jedes Opernhaus die Finger abschlecken", meinte der Dirigent, der in der Intendanz von Pereira am Zürcher Opernhaus etliche Neuproduktionen dirigierte. Dass Pereira in seiner ersten Scala-Saison eigentlich noch die Salzburger Festspiele zu leiten hätte, hält Harnoncourt für kein Hindernis: "Bis jetzt hat noch jeder Intendant in seinem letzten Jahr noch etwas anderes gemacht."

Harnoncourt sieht in Salzburg, wo Pereira zuletzt teils heftiger Kritik ausgesetzt war, "Maulwürfe am Werk", denen es nicht um die Qualität der Festspiele ginge: "Die haben ganz andere Pläne." Ob nun auch eine von ihm dirigierte Neuproduktion an der Scala in den kommenden Jahren in den Bereich des Möglichen rücke, wehrte der 83-Jährige schmunzelnd ab: "Ich bin ja schon im Grab..."

Lega Nord protestiert

Die Ernennung Alexander Pereiras zum neuen Intendanten der Mailänder Scala stößt bei der rechtspopulistischen Partei Lega Nord auf Protest. „Heute wurde die Scala getötet. Sie ist dem reinen Geschäft geopfert und an ausländische Lobbys verschenkt worden. Wer Mailand und die Musik liebt muss gegen diesen Beschluss protestieren“, betonte der Europaparlamentarier der Lega, Matteo Salvini.

Die Lega Nord, deren Parteichef Roberto Maroni als Präsident die Region Lombardei mit der Hauptstadt Mailand regiert, hatte sich zuletzt wiederholt für die Wahl eines Italieners zum Nachfolger des Franzosen Stephane Lissner an der Spitze der Scala ausgesprochen.

(APA)