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Hochegger: Der Mann, der die Millionen verschob

Hochegger Mann Millionen verschob
Peter Hochegger(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Der Lobbyist Peter Hochegger machte die Telekom Austria zum größten Bankomaten der Republik. Am Donnerstag sitzt er erstmals auf der Anklagebank.

Wien. Ganz kann er es nicht lassen. Sicon Unternehmensberatung und -beteiligung GmbH heißt die Firma, in der Peter Hochegger laut Firmenbuch seit Ende 2012 als Gesellschafter und Geschäftsführer tätig ist. Eine Firma, drei Einträge, that's it. Das war nicht immer so. 21ehemalige Funktionen verzeichnet das Firmenbuch unter dem Namen jenes Mannes, der die Telekom Austria zum größten Bankomaten der Republik machte und dem Staat damit den Stempel des „Korruptionsstadels“ aufdrückte.

Am Donnerstag sitzt Hochegger, dessen Name nicht nur in der Telekom-Affäre für Schlagzeilen gesorgt hat, sondern auch beim Skandal um den Buwog-Verkauf, bei der Vermietung des Terminal Tower in Linz und bei Kampagnen für den Flughafen Wien – um nur ein paar Fälle zu nennen –, erstmals auf der Anklagebank.

Für Zündstoff mitten im Wahlkampf ist gleich doppelt gesorgt. Denn erstmals werden zwei Verfahren – Geldflüsse an die FPÖ über den Werber Gernot Rumpold sowie an das BZÖ unter anderem über die Agentur Schmied – zusammengelegt. Und zum anderen dürfte sich Hochegger auch vor Richter Michael Tolstiuk kein Blatt vor den Mund nehmen. So wie er vor mehr als einem Jahr im parlamentarischen U-Ausschuss die Liste mit jenen 30 Ex-Politikern, Kabinetts- und Parteimitarbeitern sowie Funktionären aller Couleurs preisgab, die zwischen 2000 und 2010 auf seiner Payroll standen, so könnte er auch im Gerichtssaal weitere Informationen auspacken.

 

Ermittlungen gegen 40 Personen

Denn das Netz, das der 64-Jährige gebürtige Steirer zwischen Politik und Wirtschaft geflochten hat, ist noch lange nicht komplett ausgeleuchtet. Gegen 40 Beschuldigte ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien allein in der Causa Telekom. Zehn Jahre lang flossen 30, 40 oder vielleicht sogar 60 Millionen Euro über verschlungene Kanäle und Scheinrechnungen in die Taschen von Politikern, Managern und Parteien, wobei FPÖ und BZÖ besonders häufig bedacht worden sind.

Bei dieser Millionenshow führten drei Männer Regie, die sich als kongeniale Partner erwiesen: Rudolf Fischer, von 1998 bis 2008 Chef der Telekom-Festnetzsparte, Gernot Schieszler, bis 2009 Telekom-Controller und nun Kronzeuge, und der PR-Spezialist Hochegger, über dessen Firma Valora die meisten Deals gelaufen sind.

Hochegger, der 1988 mit seinem Bruder Paul die mittlerweile liquidierte PR-Agentur HocheggerCom gegründet hatte, wurde Mitte der 1990er-Jahre offiziell PR-Berater der Telekom-Tochter Mobilkom. Die Telekom, die traditionell gute Kontakte zur SPÖ hatte, wollte nach der schwarz-blauen Wende auch bei der neuen Regierung punkten. Da bot sich Hochegger an, der 1998 eine richtungsweisende Bekanntschaft gemacht hatte: Er lernte Walter Meischberger kennen, der ihn wiederum mit dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser bekannt machte.

Die Tür war geöffnet – und Hochegger verstand es, diese Chance zu nützen. Für die Telekom, aber auch für andere Konzerne wie die ÖBB, den Flughafen und den Baukonzern Porr. Und für sich selbst, denn dass die eigene Tasche nicht leer blieb, verstand sich von selbst.

Die „Erfolgsquote“ war hoch – Hochegger war aus Sicht der Auftraggeber sein Geld wert, zumal er auch das oberste Gebot der Diskretion erfüllte. Dies galt auch für die Provision von knapp zehn Millionen Euro, die Hochegger und Meischberger beim Buwog-Verkauf kassierten. „Ich war dumm und gierig“, sagte Hochegger im Vorjahr in einem ORF-Interview. Jetzt sind Penthouse und Jaguar nur mehr Erinnerung. Der einst umschwärmte PR-Star, den niemand mehr kennen will, kommt jetzt mit 1000 Euro im Monat aus. Sagt er. Muss er.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2013)