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Kritiker nennt Buchpreis für Mora "Fehlentscheidung"

Kritiker moniert Fehlentscheidung beim
Kritiker moniert Fehlentscheidung beim(c) EPA (ARNE DEDERT)
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Terézia Moras preisgekrönte Roman "Das Ungeheuer" sei "selbstquälerisch und weinerlich", meint ARD-Literaturkritiker Denis Scheck.

Am Montagabend erhielt Terézia Mora in Frankfurt den Deutschen Buchpreis für den besten Roman des Jahres. Herbe Kritik an der Jury-Entscheidung gab es am Dienstag von ARD-Literaturkritiker Denis Scheck, der in der ARD das Büchermagazin "Druckfrisch" betreibt: Mora für ihren Roman auszuzeichnen, sei eine "unglaubliche Fehlentscheidung", sagte Scheck im Radiosender Deutschlandfunk. "Das Ungeheuer ist die Autorin", so der Kritiker in Anspielung auf den Buchtitel. Der 700-Seiten-Roman sei selbstquälerisch und weinerlich und treibe das Mitleid in eine neue Dimension. Man dürfe aber Literaturpreise nicht zu ernst nehmen.

Zweiter Teil einer Trilogie

In ihrem knapp 700-seitigen Buch "Das Ungeheuer" erzählt die aus Ungarn stammende Autorin die tragische Geschichte von Darius Kopp, dessen Ehefrau Flora Selbstmord begangen hat. Der Witwer macht sich zu einer Reise nach Ungarn, in die Heimat seiner Frau auf, mit ihrer Asche im Kofferraum.

Mora führt in ihrem aktuellen Roman die Geschichte von "Der einzige Mann auf dem Kontinent" (2009) weiter. Geplant ist eine Trilogie mit dem Protagonisten Darius Kopp.

Die sieben Juroren begründeten ihre Entscheidung für Mora so: Der tief bewegende und zeitdiagnostische Roman sei "ein stilistisch virtuoser, perspektivenreicher Nekrolog und eine lebendige Road-Novel aus dem heutigen Osteuropa. Terézia Mora findet eine radikale Form, der verstorbenen Flora und ihrem Leiden, das sie Darius nicht mitteilen konnte, eine Stimme zu geben." Auch "Presse"-Literaturkritiker Nober Mayer lobte "Das Ungeheuer".

Zuer Person

Terézia Mora wurde am 5. Februar 1971 in Sopron in Ungarn geboren. 1990 kam sie nach Berlin. Sie studierte Hungarologie und Theaterwissenschaften.

Ihr Debüt, der Erzählungsband "Seltsame Materie", erschien 1999. Für die Erzählung "Der Fall Ophelia" erhielt sie im selben Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2004 erschien ihr erster Roman "Alle Tage".

Mora hatte im Vorfeld der Vergabe neben Clemens Meyer mit seinem gewaltigen Panorama der Rotlicht-Szene in Deutschlands Osten ("Im Stein") als Favoritin gegolten. Insgesamt waren sechs Neuerscheinungen in der Endausscheidung für die begehrte Auszeichnung nominiert. Außer Mora und Meyer gehörten dazu Mirko Bonne ("Nie mehr Nacht"), Reinhard Jirgl ("Nicht von euch auf Erden"), Marion Poschmann ("Die Sonnenposition") und Monika Zeiner ("Die Ordnung der Sterne über Como"). Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Die Jury hatte mehr als 200 neue Romane von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesichtet. Eine erste Longlist aus 20 ausgewählten Titeln war im September auf sechs Romane reduziert worden. Von den vier Österreichern auf der Longlist, Daniel Kehlmann, Norbert Gstrein, Thomas Stangl und Thomas Glavinic, hat es keiner auf die Shortlist geschafft.

Der Deutsche Buchpreis hat eine hohe Publikumsresonanz. Oft schaffen es die Sieger auf die Bestsellerliste.

(APA/dpa)