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Millionen trauern in Gotteshäusern

Reuters
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In den Kirchen, Moscheen und Synagogen Südafrikas wird des verstorbenen Helden Mandela gedacht. Es ist der Auftakt einer Reihe von Erinnerungsfeiern.

Drei Tage nach dem Tod ihres Nationalhelden und Ex-Präsidenten Nelson Mandela haben Millionen Südafrikaner in den Gotteshäusern des großen Anti-Apartheid-Helden und nationalen Versöhners gedacht. Der aktuelle Präsident Jacob Zuma hatte seine Landsleute aufgerufen, den Sonntag als nationalen Tag der Trauer und des Andenkens an "den größten Sohn der Nation" zu begehen.

Mandelas Tod sei "ein beispielloser Verlust für unser Land", sagte Zuma am Sonntagmorgen bei einem Gottesdienst der Methodisten-Kirche von Bryanston, einem überwiegend weiß geprägten Vorort von Johannesburg. Der Präsident wurde von Mandelas Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela und Mandelas Enkel Mandla Mandela begleitet.

Nicht nur in christlichen Kirchen, auch in Moscheen und Synagogen wurde der erste schwarze Präsident Südafrikas gewürdigt, der das Land nach dem rassistischen Apartheidsystem von 1994 an in die Demokratie und zur Versöhnung der zerrissenen Gesellschaft führte. Mandela, der wegen seines Kampfes gegen die Apartheid 27 Jahre im Gefängnis verbracht hatte, war nach langer, schwerer Krankheit am Donnerstagabend im Alter von 95 Jahren gestorben.

Angst vor Gewaltausbruch

Vor Mandelas Haus in Johannesburg legten die Menschen Blumen, Ballons und Briefe an den 95-Jährigen nieder, der ein Symbol für das friedliche Zusammenleben von Schwarz und Weiß in dem Land mit seinen 52 Millionen Einwohnern ist. Südafrikas größte katholische Kirche in Soweto füllte sich mit Trauernden, die für Mandela und die Zukunft des Landes beteten. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass das Land nach dem Tod des Mannes, der für seinen Kampf gegen die Rassentrennung fast drei Jahrzehnte hinter Gittern verbracht hatte, in Gewalt versinken könnte.

Unter der Regierung von Präsident Zuma ist Südafrika so zerrissen wie lange nicht. Armut, Kriminalität und Arbeitslosigkeit nahmen zu. Damit ist Südafrika weit entfernt vom "Regenbogen-Staat" mit sozialem Frieden und gleichmäßig verteiltem Wohlstand, wie ihn Mandela bei seiner triumphalen Entlassung aus dem Gefängnis 1990 als Ziel proklamiert hatte.

Gedenkfeier im Stadion

Zahlreiche ausländische Staatsgäste haben inzwischen ihre Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten in dieser Woche zugesagt. Darunter befinden sich UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, US-Präsident Barack Obama mit Ehefrau Michelle sowie die ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton, der französische Staatschef Francois Hollande, der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sowie Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff. Ob Bundespräsident Heinz Fischer teilnehmen wird, ist noch offen.

Die Gedenkfeier findet am Dienstag im FNB-Stadion in Johannesburg statt, in dem mehr als 90.000 Menschen Platz finden. Von Mittwoch an soll dann Mandelas Leichnam drei Tage lang vor einem Regierungskomplex in der Hauptstadt Pretoria öffentlich aufgebahrt werden. Beigesetzt werden soll der Friedensnobelpreisträger (1993) am kommenden Sonntag in Qunu am Ostkap, wo er aufgewachsen war. Hier werden etwa 9000 Trauergäste erwartet. Die Staatsgäste können nach Angaben der südafrikanischen Regierung selbst entscheiden, an welchen der Trauerfeierlichkeiten sie teilnehmen möchten.

(APA/dpa)