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Österreichs Geschäfte in Sotschi

(c) REUTERS (ALEXANDER DEMIANCHUK)
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Die Planung von Großprojekten ist keine Stärke der Russen. Österreich steuerte, zumindest in Teilen, Effizienz und Nachhaltigkeit bei.

Wien. Die Tatsache, dass sich die Kosten für die Olympischen Spiele in Sotschi auf 50Mrd. Dollar verfünffacht haben, hat nicht nur mit dem Umstand zu tun, dass zusätzlich zu den olympischen Objekten auch die gesamte Infrastruktur von null auf errichtet werden musste. Sie hat neben der Korruption auch damit zu tun, dass vieles übereilt, unkoordiniert und eben auch schlampig angegangen wurde und deshalb teuer korrigiert werden musste.

Die Sprungschanzenanlage etwa. Überstürzt hatten die Russen diesen Hang ausgewählt und – abgesehen von der ortsüblichen Erdbebenaktivität – die geologische Instabilität des permanent wandernden Hanguntergrundes nicht berücksichtigt. Vor Kurzem stand der Betrieb überhaupt infrage und ist jetzt nur gesichert, weil Beton in Bohrlöchern hilft, das Erdreich zusammenzuhalten.

Damit nicht genug, hat der Chef der Schanzenanlage und Vizepräsident des Russischen Olympischen Komitees, Achmed Bilalov, im Frühjahr 2013 das Land fluchtartig verlassen. Angeblich nach einem Giftanschlag gegen ihn, sicher nach einem medienwirksamen Zornausbruch von Kremlchef Wladimir Putin darüber, dass Bilalov als Chef einer Investorengruppe mit dem Bau der Anlage im Verzug war und sich die Kosten für den Bau auf 245 Mio. Dollar versiebenfacht hatten.

 

Seilbahn für Autos

An anderen Stellen war es nicht zuletzt österreichischen Firmen zu verdanken, dass sich die Baukosten auch verringert haben. Konkret landete der Vorarlberger Seilbahnhersteller Doppelmayr einen Erfolg, der auch für das Unternehmen selbst zu einer Innovation führte. Und zwar nimmt Doppelmayr in Sotschi erstmals eine Seilbahn in Betrieb, die neben Menschen auch Autos transportiert. Der Testlauf ist diese Woche absolviert worden.

Der Hintergrund: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlangt aus irgendeinem Grund, dass es zwei unabhängige Zugänge zum Skigebiet Roza Khutor, auf dem die alpinen Wettbewerbe ausgetragen werden, geben muss. Es besteht nämlich die Regel, dass sich die Fahrzeuge für die Sportler im Zielbereich der Hänge befinden müssen. Für die Russen war klar, dass sie eine zusätzliche Bergstraße bauen müssen.

„Dann ist unser Mitarbeiter zu ihnen gegangen und hat gesagt: ,Die Straße kostet eine Milliarde. Wir lösen das mit der Seilbahn billiger‘“, sagt Michael Doppelmayr. „Am Ende hat der Präsident des Russischen Olympischen Komitees, Dmitri Tschernyschenko, in London erklärt, dass wir ihm eine Milliarde Dollar erspart haben.“

Auch auf dem gegenüberliegenden Berg, auf dem die Biathlon- und Langlaufwettbewerbe stattfinden und zu denen der Bau einer Bergstraße nicht möglich war, wurde von der österreichischen Masterconcept die Zusammenlegung der Sportstätten ausgearbeitet und die Zufahrt letztlich mit einer Seilbahn geregelt, die zur längsten 3-S-Bahn der Welt wurde. Nimmt man die Seilbahnkonzepte zu den Bobanlagen und anderen Sportstätten hinzu, so habe man in Sotschi als Ergebnis erzielt, dass während der zwei Wochen, in denen die Olympischen Spiele stattfinden, eine Million gefahrener Buskilometer vermieden werden können, erklärt Gernot Leitner, Chef von Masterconcept.

Nicht nur in den Bergen, sondern auch was die Eisenbahn aus dem Küstenort Sotschi zu den 40 Kilometer weiter gelegenen Wintersportanlagen im kaukasischen Gebirge betrifft, hat Österreich Effizienz beigesteuert. War die Bahn ursprünglich zweispurig geplant, so bewirkte die Engineering-Abteilung der Österreichischen Bundesbahnen, die im Auftrag der Russen auch die Personalstromanalysen für fünf Bahnstationen durchführten, die Reduzierung auf eine einspurige Routenführung.

 

Defizit bei Koordination

Eines der größten Probleme in Sotschi sei gewesen, dass Russland keine Tradition im vernetzten und koordinierten Planen von Großprojekten habe und stattdessen in linearen Strukturen arbeitet, erklärt Leitner: Es bestehe großes Interesse seitens der russischen Staatsholdings, dieses westliche Know-how auch bei künftigen Großprojekten zu erhalten.

Die für Umweltfragen zuständige Abteilung der Vereinten Nationen hat Masterconcept inzwischen beauftragt, einen Bericht über Planung und Realisierung der Bautätigkeiten in Sotschi vorzulegen.

AUF EINEN BLICK

Österreichische Firmen. Das Vorarlberger Unternehmen Doppelmayr errichtete eine Bergbahn, die nicht nur Personen transportiert, sondern auch Fahrzeuge. Eine echte Innovation, jubelt man bei Doppelmayr. Dies ersparte den Bau einer Bergstraße – und brachte eine Ersparnis von einer Mrd. Dollar. Die Firma Masterconcept arbeitete eine Zusammenlegung der Sportstätten aus, die Zufahrt wurde mit der längsten 3-S-Bahn der Welt sichergestellt. Damit würden laut Gernot Leitner bei Olympia eine Million Buskilometer vermieden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2014)