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Burg-Ensemble spricht Hartmann Misstrauen aus

(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Misstrauensvotum auch gegen Holding-Chef Springer. Das Ensemble lehnt die alleinige Schuldzuweisung an die Ex-Geschäftsführerin ab.

Wien. Freitag Nachmittag hat im Foyer des Wiener Burgtheaters eine Versammlung des Ensembles stattgefunden, an der auch Mitarbeiter von Technik, Kostüm, Maske und Administration teilgenommen haben. Man traf sich, um darüber zu beraten, welche Stellung das Ensemble zu der aktuellen Situation im Haus beziehen soll.

Der Hauptgrund der Zusammenkunft dürfte weniger die Entlassung der Hartmann-Stellvertreterin und früheren kaufmännischen Direktorin Silvia Stantejsky gewesen sein, sondern das Budgetdefizit. Der Aufsichtsrat der Burg hatte es am Montag nach seiner Sitzung in seiner Aussendung auf 8,3 Millionen Euro eingeschätzt. Dazu ist noch eine Steuernachzahlung zu erwarten, die bis zu fünf Millionen Euro betragen kann. Sie soll auf Versäumnisse der kaufmännischen Direktion zurückzuführen sein.

Die Frage, wie es zu einem derart hohen Budgetloch kommen konnte, stellten sich auch die Anwesenden. Die bisherigen Äußerungen und Erklärungen seitens der Direktion und der Bundestheater-Holding dürften die Mitarbeiter jedenfalls nicht zufrieden gestellt zu haben.

„Anstatt die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass finanzielle Misswirtschaft von allen Verantwortlichen stattgefunden hat, wird stattdessen uns MitarbeiterInnen des technischen und künstlerischen Personals seit Amtsantritt von Matthias Hartmann die jederzeitige Kündigung als Sparmaßnahmen-Rute ins Fenster gestellt, was einer unwürdigen und unproduktiven Angstpolitik entspricht“, heißt es in einem Schreiben, über das bei der Versammlung die Mitarbeiter mit künstlerischem Vertrag abstimmten. Es ist an Kulturminister Josef Ostermayer gerichtet.

„Finanziell desaströser Zustand“

Darin wird dem künstlerischen Direktor Matthias Hartmann und dem Chef der Bundestheaterholding und Aufsichtsratsvorsitzenden, Georg Springer, auch das Misstrauen ausgesprochen. Man sehe sich nach Bekanntwerden des finanziell desaströsen Zustandes des Betriebes und der alleinigen Schuldzuweisung an die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin „nicht in der Lage, dieser Darstellung Glauben zu schenken“, heißt es dazu in dem Schreiben.

Die Abstimmung brachte folgendes Ergebnis: 116 Stimmen wurden insgesamt abgegeben. 83 sprachen sich für das Misstrauensvotum aus, 31 dagegen, zwei Teilnehmer enthielten sich ihrer Stimme.

Ensemblemitglied Johannes Krisch: „Ich bin sehr froh, dass diese Abstimmung stattgefunden hat. Das Resultat spricht eine klare Sprache.“ Es sei die Pflicht der Mitarbeiter des österreichischen Nationaltheaters, „im Interesse des Publikums und des Steuerzahlers zu den Missständen in diesem Haus Stellung zu beziehen“. Jetzt sei es an der Politik, zu handeln und die richtigen Weichen zu stellen. „Ich gehe davon aus, sie wird dieses Votum nicht ignorieren“, so Krisch. Er sei sicher, "dass Kulturminister Ostermayer für unsere Anliegen ein offenes Ohr hat“. Unterschrieben hat den Brief an den Minister „das Ensemble des Burgtheaters“.

Hartmann erinnert an die Geschäftsordnung

"Die Tatsache, dass ich vielen Ensemble-Mitgliedern des Burgtheaters nicht in ausreichender Form meine unausgesetzten Bemühungen zur Bewältigung dieser schweren Krise hinreichend klar machen konnte, macht mich betroffen, und ich nehme das sehr ernst", sagt Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann im "Kurier" (Samstag-Ausgabe) zum Misstrauensvotum seines Ensembles. Er verstehe auch, dass in "unserem ruhmreichen Ensemble des Burgtheaters" nicht allen die Geschäftsordnung bekannt sei. Diese trenne die kaufmännischen und künstlerischen Bereiche klar. Der Burgtheaterdirektor weiter:"Ich werde auch weiter alles in der Macht stehende tun, um mit Hilfe der neuen kaufmännischen Geschäftsführung, der Holding und der Politik die Krise zu überweinden und unseren künstlerischen Höhenflug wieder in den Focus richten." Das Ensemble verdiene vor allem höchsten Respekt, und bald werde das Theater wieder gemeinsam stehen, so sein hoffnungsvoller Nachsatz. Auch Aufsichtsratsvorsitzender Georg Springer gab gegenüber dem ORF noch am Freitag Abend in der ZIB 2 ein Statement ab: Er habe "alles andere als eine Freude" am Misstrauensvotum des Burgtheater-Ensembles, sagte der Holding-Geschäftsführer. Er verstehe "die Irritation und die Unsicherheit", nicht jedoch den Standpunkt des Ensembles, einer Lagebeurteilung, die nicht von ihm oder Hartmann, sondern "von externen Prüfern" stamme, keinen Glauben zu schenken.

Kulturminister Josef Ostermayer will abwarten

Kulturminister Josef Ostermayer, der ja der Adressat des Schreibens des Ensembles ist, will trotz der prekären Situation einen kühlen Kopf bewahren und weiterhin abwarten, bis der Endbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vorliegt. Das soll Ende Februar der Fall sein. Die Sorge und Verunsicherung des Ensembles könne er aber gut nachvollziehen, so der Minister.