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Stunden zu zählen bringt nichts: Wer kürzer arbeitet, schafft mehr

Frau macht Überstunden
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Wer viele Stunden arbeitet, leistet in seiner Arbeitszeit deutlich weniger als "Kurzarbeiter", zeigt die Statistik. In Europa sitzt etwa niemand so lange in den Büros wie die Griechen.

Ein bezahlter Mittagsschlaf und das Ende der Stechuhr: Glaubt man manchen Experten, sieht so die Zukunft der Arbeitswelt aus. Denn eines hat die Erfahrung gezeigt: Leistung lässt sich nicht immer in Stunden messen. Wäre es so, hätten sich in Europa die Griechen längst ihr wirtschaftliches Wunderland geschaffen. Mit über 2000 Stunden im Jahr arbeitet ein Grieche im Schnitt so lange wie kaum ein anderer Bürger dieser Erde. Warum das Volk dennoch nicht auf dem wirtschaftlichen Olymp angekommen ist, lässt sich an nebenstehender Grafik ablesen. Griechen waren zwar oft und lange in der Arbeit. Dafür haben sie in jeder einzelnen Stunde deutlich weniger geleistet als viele andere Völker.

Umgekehrt sind just die Arbeitnehmer jener Länder, in denen eher kürzer gearbeitet wird, in ihrer Arbeitszeit besonders produktiv. So hat ein Norweger etwa 500 Stunden weniger gearbeitet als ein Grieche, in jeder einzelnen verbliebenen aber mehr geleistet.

Ganz neu ist die Erkenntnis nicht. Ökonom Adam Smith wusste schon im 18. Jahrhundert: Wer so moderat arbeitet, dass er es konstant tun kann, bleibt nicht nur gesund, sondern erbringt über die Jahre auch die größte Leistung. Das gilt freilich nur dann, wenn die Arbeitszeit so flexibel gestaltbar ist, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter dann zur Arbeit rufen können, wenn es auch etwas zu tun gibt, und umgekehrt bei Auftragsflaute niemand von neun bis fünf Uhr im Büro Bleistifte spitzt, nur um sich seines Lohns sicher zu sein. Zu Spitzenzeiten macht heute jeder zweite Europäer (teure) Überstunden. Im Normalbetrieb sitzt er laut einer Studie von Proudfoot hingegen von acht Stunden drei sinnlos herum. Das macht weder produktiv noch glücklich.

DiePresse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2014)