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Karin Bergmann: Kennerin von Theatergöttern und Bühnenwelt

Burgtheater Bergmann
(c) Burgtheater/Reinhard Werner
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Karin Bergmann übernimmt die interimistische Leitung des Burgtheaters. Hermann Beil wird als Berater tätig. Die Burg-Direktion ab 2015/16 wird ausgeschrieben.

„Tough" oder sollte man es lieber deutsch schreiben „Taff"? Das ist ein Wort, das für Karin Bergmann (60), die nun die erste Frau an der Spitze des Burgtheaters ist, passt. Mit manchen ihrer männlichen Vorgänger teilt sie das Schicksal, dass sie nicht unbedingt Burgtheaterdirektorin werden wollte, das geschah nur durch eine Verkettung von Zufällen: Die schwere Burg-Finanzkrise, die Entlassung des Direktors, ein neuer Kulturminister, der Akzente setzen, sich profilieren muss und will.

In Bergmanns Leben gab es öfter Zufälle. Das Arbeiterkind aus dem Ruhrgebiet wollte zur Kultur: Literatur lockte sie, Dramaturgin wäre sie gerne geworden. Claus Peymann förderte sie, er brauchte eine Helferin, die gelassen blieb, in den Stürmen, die er angefacht hatte. Bergmann folgte ihm an seine verschiedenen Stationen, in Wien wurde sie seine Pressesprecherin - und integrativ tätig nach innen und außen, wenn wieder einmal, und das war oft der Fall, ein Peymann-Skandal ausbrach. „Die Bergmann ist die einzige, von der er sich was sagen lässt", hieß es damals.

Danach war Bergmann Pressesprecherin des Intendanten der Wiener Vereinigten Bühnen, Rudi Klausnitzer. Mit Nikolaus Bachler, der heute die Bayerische Staatsoper in München leitet, kehrte sie als Vizedirektorin zurück ans Burgtheater. Er teilte sogar die Gage mit ihr.

Bergmann, die stille Kennerin von Theatergöttern und der Welt, dringt nun selber an die Spitze vor. Zu hoffen ist, dass sie klug verhandelt hat und sich nicht einwickeln ließ von den Schalmeien-Tönen der Politiker. Denn wie das Sparpaket jetzt ausschaut, so wird es bleiben, womöglich auch dann, wenn 2015/16 der nächste Chef oder die nächste Chefin antritt. Dieser, diese sollte dann eine Erhöhung der öffentlichen Mittel durchsetzen.

Bergmann ist bestens vernetzt, zuletzt berief sie der nun entlassene Burgchef Matthias Hartmann, von dem sie sich in frostiger Atmosphäre getrennt hatte, um im Oktober 2013 den Kongress aus Anlass des 125-Jahr-Jubiläums des Hauses am Ring zu organisieren, bei dem kaum ein Theater-Prominenter fehlte: Intendanten, Regisseure, Wissenschaftler, Literaten, Schauspieler usw. kamen im Burgtheater zusammen.

Von Bergmann kann man auch erwarten, dass sie der Institution Burgtheater mit Achtung begegnet und nicht leichtfertig schwerwiegenden Änderungen des Programms oder der Struktur zustimmt. Dazu kennt sie die Gesetze der Bühnenkunst und des Hauses zu gut. Meist blickt sie streng drein, sie kann aber auch sehr heiter wirken und herzlich lachen - und in Wahrheit ist sie längst ein wenig „eingewienert" mit einer gewissen gesunden Skepsis, die sich Deutsche gegenüber Österreich bewahren und mit einer bewusst gewahrten Distanz zur Kumpanei dieser Stadt.

Bergmann wird unterstützt von Claus Peymanns ehemaligem Ko-Direktor an der Burg und jetzigen Chef-Dramaturg des derzeit von Peymann geführten Berliner Ensembles. Der 72jährige gebürtige Wiener Beil wird einmal im Monat von Berlin eingeflogen, wie es heißt. Allerdings wird Beil in nächster Zeit ohnehin öfter in Wien sein. Bei den Festspielen in Reichenau inszeniert er heuer Schnitzlers „Weites Land".