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App Uber kommt nach Wien: Der Kampf um die Straße

App Uber kommt nach Wien: Der Kampf um die Straße
App Uber(c) Stanislav Jenis
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Mit Uber kommt eine App der Stunde nach Wien – und öffnet den Mietlimousinenmarkt für jeden Smartphonebesitzer. Auf der Straße wird es langsam eng.

Es ist noch keine 15 Jahre her, dass Anleger an der Wall Street und rund um die Welt ihr Geld einer jeden Firma hinterhergeworfen haben, deren Name auf „com“ endete. Die erste Internet-Börsenmanie hat nachträglich nicht umsonst den Namen Dotcom-Bubble erhalten. Der Aufprall auf dem Boden der Realität war damals brutal.

Aber jetzt, da die erste mit dem Netz groß gewordene Generation erwachsen wird, scheinen sich die Versprechungen der Neunzigerjahre tatsächlich zu bewahrheiten. Eine Branche nach der anderen wird vom Internet durchgeschüttelt – und der Auftritt von Smartphones und Highspeed-Internet unterwegs hat dieser Entwicklung einen weiteren Schub verliehen.

Nehmen wir Uber. Das junge Unternehmen aus San Francisco ist vor zwei Wochen auch in Wien gelandet. So wie zuvor schon in mehr als 70 anderen Städten. Was macht Uber? Es ist im gröbsten Sinn eine Taxi-App, gratis, international und in einem ziemlich hippen Matrix-Stil gestaltet. Die Idee: Man drückt einen Knopf – und ein paar Minuten später kommt ein Wagen, wie Patrick Studener erklärt. Der gebürtige Wiener lebt als International Launcher von Uber ein Nomadenleben, er geht immer dorthin, wo seine Firma gerade ein neues Büro aufgemacht hat.


Keine Taxi-App. Er sagt „Wagen“, weil Uber nicht mit einer Taxi-App verwechselt werden will. Dabei hieß die Firma einmal Ubercab – bis Taxibetreiber das „Cab“ per Klage verboten haben. Es war der Beginn eines bis heute tobenden Konflikts zwischen Uber und den lokalen Taxifahrern in vielen Städten, die ihr Geschäft von der App bedroht sehen. Dabei betreibt Uber selbst kein einziges Auto und hat keine Chauffeure unter Vertrag. „Uber verbindet Fahrgäste mit Mietwagenstrukturen. Die kennt man bisher hauptsächlich vom Transfer zum Flughafen“, erklärt Johannes Wesemann, der lokale Uber-Chef in Wien. „Mietwagen“, so heißt das Limousinengewerbe in Wien – nicht zu verwechseln mit einem Mietwagen, den man selbst steuert. Kurz gesagt: Wer sich per Uber ein Auto bestellt, bekommt kein Taxi, sondern in der Regel eine Mecedes-E-Klasse-Limousine in Schwarz, deren Fahrer eine Krawatte trägt. Die Autos dürfen nicht älter als fünf Jahre alt sein. „Wir versuchen, dem Fahrgast ein Gesamtkonzept zu vermitteln, das bisher so nicht vorhanden war“, so Wesemann. Genau genommen war es natürlich vorhanden, in der Regel aber Firmenkunden vorbehalten. „Die Idee, Leute zu transportieren, ist nicht neu“, sagt Patrick Studener.


Vorteile und Nachteile. Die Vorteile von Uber gegenüber Taxis: Die Autos sind in der Regel neuer, die Bezahlung erfolgt automatisch per Kreditkarte, die App informiert einen über das Rating des Fahrers, die Anfahrzeit und natürlich den Preis. „In New York ist ein Auto inzwischen binnen zwei Minuten da“, sagt Studener. Die Nachteile von Uber: Die Preise sind in der Regel ein bisschen höher als die von Taxis – was das gehobene Service reflektieren soll. Die Flughafenpauschale in Wien beträgt beispielsweise 50 Euro. Dazu muss man in Wien, wo das Service noch neu ist, derzeit noch eher zwölf als zwei Minuten warten – weil es noch ein Unterangebot an Wagen gibt.

Wie viele bereits verfügbar sind, wollen Studener und Wesemann nicht verraten. Aber je länger Uber in einer Stadt etabliert ist, desto kürzer seien die Wartezeiten. Aber in Wien würde das Service positiv angenommen. „Wir sehen sehr gute Wachstumsraten in Wien“, sagt Benedetta Arese Lucini, seit einem Jahr Uber-Chefin in Mailand, die vergangene Woche zum Ende der Testphase in Wien war.


Bizarre Gesetze.
Lucini kennt auch den Widerstand gegen ihre Firma aus erster Hand. Am Donnerstag streikten die Taxifahrer in Mailand und marschierten durch die Stadt. Es war der wahrscheinlich erste Protestmarsch gegen eine Smartphone-App in der italienischen Stadt. In Paris ist es sogar schon zu Übergriffen gekommen, dort haben Taxifahrer sogar die Reifen von Uber-Autos aufgeschlitzt. Die Gewerkschaft hat die Stadtregierung von Paris sogar dazu überredet, ein völlig bizarres Gesetz zu erlassen, demzufolge Limousinenchauffeure ihre Kunden mindestens 15 Minuten warten lassen müssen, bevor sie sie vom Flughafen abholen. Uber selbst geht auf den Widerstand gar nicht ein – und konzentriert sich auf leicht verständliche Botschaften: „Wenn ich einkaufen fahre, lass ich meine Sachen auch einmal im Auto. Wenn ich nachts nach Hause fahre, begleitet mich der Chauffeur zur Tür. Für eine Frau kann das wichtig sein“, sagt Lucini.


Google-Investment. In Wien ist es bisher nicht zu Protesten der Taxifahrer gekommen – obwohl diese auch schon von den inzwischen allgegenwärtigen blau-weißen Smarts von Car2Go unter Druck gesetzt werden. Aber ganz generell ist der Widerstand etablierter (und oft geschützter) Gewerbe wohl ein Hinweis darauf, dass das Internetbusiness den Kinderschuhen mit Smartphones und Apps endgültig entwachsen ist. Nicht nur Uber hat mit Widerstand zu kämpfen.

So hat die Privatzimmer-Plattform AirBnB in vielen Städten mit der Hotellobby zu kämpfen. Dass aber mit Google einer der wahren Giganten des Netzes in Uber investiert hat, ist schon ein Hinweis darauf, dass die Firma so schnell nicht wieder verschwinden wird.

In Zahlen

700

Mitarbeiter hat Uber inzwischen rund um den Globus – in mehr als 70 Städten. In New York sind es inzwischen schon 30, in Wien startet Uber mit bisher drei.

258

Millionen Dollar hat Google im August 2013 über seinen Investmentarm Ventures in Uber investiert.

20

Euro Gutschrift bekommt jeder Neukunde, wenn er den Bonuscode „Hallowien“ eingibt.

Uber-Leben

Uber wurde 2009 von Garrett Camp und Travis Kalanick in San Francisco gegründet. Die Idee wurde geboren, als die beiden sich darüber unterhalten haben, dass es zu schwierig sei, in San Francisco ein Taxi zu bekommen. Uber ist die amerikanisierte Form des deutschen „über“ und bedeutet so viel wie „super“.

Die App ist seit 2010 für iOS und Android erhältlich. Seit zwei Wochen gibt es Uber auch in Wien. Eine Fahrt kostet eine Grundgebühr von vier Euro plus 40 Cent pro Minute und 1,50 Euro pro Kilometer. Die Mindestkosten für eine Fahrt liegen bei neun Euro. Die App funktioniert auch im Ausland.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2014)