Morgenglosse

Die Lohnverhandler sollen sich bitte endlich einigen

Die Chefverhandler auf Gewerkschaftsseite Karl Dürtscher (GPA) und Reinhold Binder (PRO-GE) am Montag, 2. Oktober 2023, zu Beginns der Verhandlungen in der Metalltechnischen Industrie in der WKÖ in Wien.
Die Chefverhandler auf Gewerkschaftsseite Karl Dürtscher (GPA) und Reinhold Binder (PRO-GE) am Montag, 2. Oktober 2023, zu Beginns der Verhandlungen in der Metalltechnischen Industrie in der WKÖ in Wien. APA / Comyan / Helmut Fohringer
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Eine breite Streikbewegung ist das Letzte, was Österreich jetzt braucht. Vielleicht ist es nun an der Zeit, dass die Sozialpartner-Spitzen ein Machtwort sprechen.

Um die heurige Lohnrunde in der metalltechnischen Industrie auszuhalten, braucht man schon einen recht langen Atem. Am heutigen Montag treffen sich die Vertreter von Gewerkschaft und Arbeitgebern bereits zum siebenten Mal, um über einen neuen Kollektivvertrag zu verhandeln, der eigentlich schon ab 1. November gelten sollte. Voriges Jahr kam man mit vier Verhandlungsrunden und ohne Streiks aus. 2021 gab es Warnstreiks. Im Corona-Jahr 2020 brauchten die Verhandlungspartner gar nur wenige Stunden, um ein Ergebnis zu verkünden. Heuer läuft es zäh wie schon lang nicht mehr.

Und bis zu einem gewissen Grad ist das auch verständlich, denn die Voraussetzungen sind schwierig wie lang nicht. Die Gewerkschaft will für die Arbeitnehmer die hohe Teuerung abgeglichen haben, die Unternehmervertreter verweisen auf die Rezession und sehen ihre Position im internationalen Wettbewerb in Gefahr. Beides ist völlig nachvollziehbar.

Die Gewerkschaft hat sich eingemauert

Aber es ist schon auffällig, dass sich die Gewerkschaften bisher keinen Zentimeter bewegt haben. Sie beharren auf einer Lohnerhöhung um 11,6 Prozent, obwohl die Inflation längst rückläufig ist (dass die Löhne traditionell für die Vergangenheit verhandelt werden, ist der Redaktion bekannt). Die Arbeitgeber boten ursprünglich läppische 2,5 Prozent plus 1050 Euro Einmalzahlung. Es ist nur logisch, dass die Gewerkschaften dies als Provokation aufgefasst haben. Wenngleich die darauf folgenden Kraftausdrücke dem Verhandlungsklima sicher nicht gerade zuträglich waren.

Mittlerweile haben die Arbeitgeber ihr Angebot aber nachgebessert: Sie bieten gestaffelte Lohn- und Gehaltserhöhungen von durchschnittlich sechs Prozent (2,7 Prozent und 130 Euro monatlicher Fixbetrag) plus 1200 Euro Einmalzahlung.

Die Gewerkschaft hat sich gleichzeitig einigermaßen eingemauert, indem sie von vornherein die Abgeltung der Inflation von 9,6 Prozent zur Ultima Ratio erklärt hat. Im Nachhinein war das vielleicht nicht die schlaueste Strategie. Gleiches gilt für das zunächst sehr niedrige Angebot der Arbeitgeber.

Aber Lohnfindung ist immer ein Kompromiss, und das wissen auch alle Beteiligten. Vielleicht ist es nun an der Zeit, dass die Sozialpartner-Spitzen Wolfgang Katzian (ÖGB) und Harald Mahrer (WKÖ) ein Machtwort sprechen. Österreich steckt in der Rezession, die Welt im Krisenmodus. Eine breite Streikbewegung, die nun droht, ist das Letzte, was das Land gerade braucht.

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