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Urbanes Jodeln und Platteln – vom Alsergrund bis in die Josefstadt

Regina Picker „in Action“. Sie ist Künstlerin und organisiert den „Performance Brunch“ im Volkskundemuseum.
Regina Picker „in Action“. Sie ist Künstlerin und organisiert den „Performance Brunch“ im Volkskundemuseum. Christopher Dickie
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Mit der freischaffenden Performance-Künstlerin Regina Picker unterwegs zwischen Volkskundemuseum und WUK.

Regina Picker strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie schnellen Schrittes das Volkskundemuseum in der Laudongasse im achten Bezirk betritt. Zehn Jahre ist es her, dass sie hier zum ersten Mal zum „Performance Brunch“ mit gemeinsamem Schmausen in Symbiose mit künstlerischen Vorführungen geladen hat. „Da wir uns mit Brauch und Traditionen beschäftigen, eignet sich das Museum perfekt für die Veranstaltung“, sagt Picker. Am Wochenende feiert das Format sein zehnjähriges Bestehen.

(Übergangs-)Phase im Volkskundemuseum

Von außen wirkt das Museumsgebäude schon etwas in die Jahre gekommen. Das soll nicht mehr lang so bleiben, denn wie auf den großzügigen Plakaten an der Hausfassade ersichtlich, befindet sich das Museum gerade in der (Übergangs-)Phase: „Before it gets better“, steht da geschrieben. Im Herbst 2024 beginnt die Generalsanierung. Und diese umfasst – unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes – neben der Sanierung des Daches und der Gebäudemauern auch „strukturelle Maßnahmen mit Signalwirkung“, um den inhaltlichen Paradigmenwechsel des Museums äußerlich sichtbar zu machen.

Before it gets better: das Volkskundemuseum steht vor der Sanierung.
Before it gets better: das Volkskundemuseum steht vor der Sanierung.Christopher Dickie

Elemente der Volkskultur auf neue, zeitgenössische Art zu interpretieren, das passiert auch bei Pickers Brunch-Format. Sie ist Performerin mit Leib und Seele, für ein Foto klettert sie sogar auf den Felsen inmitten des Brunnens, der sich im Park hinter dem Museum versteckt. Gerade der Heimatbegriff werde oft politisiert. „Ich sehe darin aber auch das Grundbedürfnis, anzukommen und daheim zu sein.“

Regina Picker posiert am Felsen im Park des Volksmuseums.
Regina Picker posiert am Felsen im Park des Volksmuseums.Christopher Dickie

Die Tanzallee im Alten AKH

Ein gewisses Heimatgefühl verbindet sie mit dem Campus des Alten AKH – der nächste Stopp. „Ich habe hier ums Eck gewohnt, das war sozusagen mein Garten.“ Und in diesem Park hat sie auch mit Kollegin Aline Kristin Mohl „Public ­Interventions“ durchgeführt. „Die Allee bietet sich dafür geradezu an. Im Rahmen eines Künstleraustauschs haben wir hier getanzt und sind auf die Bäume geklettert“, erklärt sie und demonstriert das Gesagte kurzerhand mit einem Handstand und einer intuitiven Tanzperformance.

Spontane Tanzperformance im alten AKH.
Spontane Tanzperformance im alten AKH.Christopher Dickie

Jodeln vor dem Graffiti

Beim Brunch wird sie diesmal nicht tanzen, sondern jodeln. „Beim Jodeln spüre ich eine irrsinnige Kraft, weil man sich auf diese plötzlichen Stimmwechsel einlässt. Ich komme ja aus der klassischen Musik, wo alles schön klingen muss. Dagegen ist das Jodeln sehr befreiend“, erzählt sie. Auch im Arne-Karlsson-Park im neunten Bezirk haben sie und Mohl schon gejodelt. Der Park ist von Kontrasten gezeichnet: Da ist einerseits die große Wiesenfläche unweit der Straße, andererseits der Spielplatz neben einer Graffiti-Wand. „Wir haben im WUK geprobt und sind dann hierher gekommen, um eine Performance zu starten. Da haben wir eine Schar an Kindern, die gerade im Park waren, eingeladen mitzumachen. Beim Performance Brunch zeigen wir ein Video, in dem man sieht, wie wir in einem großen Kreis schuhplatteln, jodeln und tanzen.“

Jodeln und schuhplatteln lässt es sich auch im Arne-Karlsson-Park.
Jodeln und schuhplatteln lässt es sich auch im Arne-Karlsson-Park.Christopher Dickie

Saniertes WUK: gespiegelt und barrierefrei

Letzte Station ist das WUK, seit 2006 frisch saniert und Pickers künstlerische Basis. Hier teilt sie sich mit 30 bis 40 anderen Künstlerinnen und Künstlern drei Proberäume und ein Büro. Eine der auffälligsten Veränderungen sind die Lifte im Innenhof, die sich trotz ihrer Modernität optisch ideal in die Atmosphäre einfügen. Sogar die mit wildem Wein bewachsene Fassade spiegelt sich jetzt darin. Im Inneren wurden auch Lifte geschaffen, wodurch das Gebäude neuerdings barrierefrei ist, mit der neuen Fotovoltaikanlage auf dem Dach wird ein Drittel des benötigten Stroms erzeugt. Die Proberäume sind leer, nur in den Gängen sind künstlerische Arbeiten zu sehen: „Wir können unsere Ideen in diesen Räumen voll entfalten“, erzählt Picker. „Hätte ich nicht die Möglichkeit, hier kreativ zu sein, wäre ich vielleicht nicht mehr in dem Bereich tätig.“

Zum Ort, zur Person

Der Arne-Karlsson-Park, mit einer Fläche von rund 12.500 m² eine der größten Grünflächen des neunten Bezirks, liegt an der Währinger Straße, ebenso wie das WUK. Der Bezirk verfügt über 44 Spielplätze und eine Grünflächenquote von sieben Prozent, im Vergleich zu nur zwei Prozent in der benachbarten Josefstadt. Letztere ist Standort des Volkskundemuseums im Palais Schönborn, wo die studierte Musik- und Bewegungspädagogin Regina Picker den Performance-Brunch organisiert. An diesem Wochenende unter dem Motto „ZEHN JOA“.

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