Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Werner Faymann, König des Boulevards

Die Presse (Bruckberger)
  • Drucken

Der Verkehrsminister und die „Kronen Zeitung“ – das ist eine Beziehung der ganz innigen Art. Werner Faymann kann eigentlich nichts falsch machen. Die Liebe von Österreichs größtem Boulevard-Blatt ist ihm gewiss.

Die vergangenen Wochen hatten es in sich. SPÖ-Infrastrukturminister Werner Faymann (SPÖ) war wirklich fleißig: Nicht nur hat er sich der drei Asfinag-Vorstände Christian Trattner, Franz Lückler und Mathias Reichhold lang vor dem Ablaufen ihrer Verträge entledigt. So nebenbei hat er auch „Licht am Tag“ zu Grabe getragen sowie Rasern, Trinkern und Telefonierern unter Österreichs Autofahrern den Kampf angesagt.

Gottlob wissen das auch manche zu würdigen. Wolf Martin zum Beispiel. Der ist Haus-Poet der „Kronen Zeitung“, Österreichs größter Boulevard-Zeitung. Also dichtete Herr Martin am vergangenen Sonntag:

 

Wem, wenn nicht Faymann,

sollt's gelingen,

den Tod auf Straßen zu

bezwingen?

Genug der Worte, hehr

und schön!

Nun lasst uns endlich

Taten sehn!


Wenn das nicht motivierend ist. Obwohl es der „Krone“-Dichter auch durchaus freundlicher kann. Im Juli, beispielsweise, wenige Wochen, nachdem Faymanns Aufräumarbeiten in der Asfinag bekannt wurden. Vom Gros der Medien gab es Kritik an der teuren Ablöse des Vorstands-Trios. Wolf Martin hingegen schrieb:

Man sollte sich darauf besinnen:

Auch tüchtige MinisterInnen

gibt es in der Regierungs-Crew.

Manch kluge Frau gehört dazu

und mancher tüchtiger

Parteimann.

Doch keiner ist wie Werner

Faymann.

Unaufgeregt, präzis, dezent

zeigt er uns: Er ist kompetent.


Das holpert zwar ein bisserl, kommt aber zweifellos von Herzen. Womit sich unschwer erkennen lässt: Die Beziehung zwischen Werner Faymann und Österreichs großem Kleinformat – die ist schon etwas Besonderes. Und dauerhaft.

Einen guten Draht zu Österreichs auflagenstärkster Zeitung zu haben – davon träumt hierzulande wohl jeder Politiker. Für Faymann ist der Traum schon vor Jahren in Erfüllung gegangen: 1994 wurde er Wohnbaustadtrat in Wien, somit Herr über 220.000 Gemeindebau- und 100.000 Genossenschaftswohnungen. Und damit hoch geschätzter Geschäftspartner der „Krone“ – immerhin standen dem jungen Stadtrat im Jahr rund eine Million Euro Werbebudget zur Verfügung. Die „Krone“-Leser schienen dafür die perfekte Zielgruppe zu sein.

Zwischen Faymann und „Krone“-Herausgeber Hans Dichand entstand bald eine tiefe Freundschaft. „Da stimmt einfach die Chemie“, meinen die einen. Andere sagen sogar, dass Faymann über die Jahre „für Dichand zu einer Art Adoptivsohn geworden ist.“ Der in die Jahre gekommene Zeitungszar habe schon lange die Angewohnheit, Menschen schlicht in „gut“ und „böse“ einzuteilen. Und Faymann gehöre für ihn eindeutig zur ersten Kategorie.

Über die Jahre haben die beiden auch gemeinsam einige Städtereisen unternommen. Auch das verbindet zweifellos.

Aus beruflicher Sicht ist Werner Faymann eindeutiger Gewinner dieser Freundschaft. Er ist unangefochtener „Darling“ des Boulevards. Und lange schon quasi „Krone“-Stammgast. Vor Jahren etwa bekam er eine regelmäßig erscheinende „Krone“-Kolumne mit dem sinnigen Titel: „Der direkte Draht zum Stadtrat“, in der er sein Wirken für den Wiener Wohnbau umfassend darstellen durfte. Unter seinen Wiener Parteikollegen wurde das nicht unbedingt wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dass Faymann zu den begabtesten und geschicktesten Politikern des Landes zählt, mussten freilich selbst seine Neider zugeben.

Zumal es Werner Faymann auch gelungen ist, die (für ihn) bewährte „Krone“-Kolumne auch als Minister fortzuführen: Heute erscheint in der „Krone“ jeden zweiten Freitag eine Doppelseite unter dem Titel „Unsere Bahn“. Ein wesentliches Element dabei: „Sie fragen – der Minister antwortet.“ Dass es sich dabei um eine bezahlte Anzeige handeln könnte, ist nicht ersichtlich.

So stellt man sich halt gute Zusammenarbeit vor. Und so kommt es auch, dass sich Faymanns und Dichands Wege immer wieder irgendwie kreuzten: In der Geschäftsführung der Gratiszeitung „Heute“ (von der Dichand schwört, keine Anteile zuhalten) sitzt die Schwiegertochter des „Krone“-Herausgebers, Eva Dichand. Und der ehemalige Pressesprecher Faymanns, Wolfgang Jansky. Österreich ist halt ein Dorf.

Der Zufall will es auch, dass Faymann seit einem halben Jahr eine Pressesprecherin hat, die ebenfalls Verbindungen zur „Krone“ hat: Angelika Feigl ist Lebensgefährtin von „Krone“-Chronik-Chef Claus Pandi. Der wiederum eng mit Faymanns Kabinettschef Josef Ostermayer befreundet ist – Ostermayer bevorzugt die Definition „ein guter Bekannter“. Nachsatz: „So wie viele andere Journalisten auch.“

Ein Ministeriums-Mitarbeiter berichtet: „Als die Frau Feigl zu uns kam, ist es den meisten schon komisch vorgekommen.“ Zumal Feigl aus ihrer privaten Beziehung kein Hehl machte und Faymann mit Thomas Landgraf schon einen langjährigen, erfahrenen Sprecher hatte. Feigl hingegen konnte eine einjährige Tätigkeit als Pressesprecherin eines Verlages vorweisen.

Landgraf hat jedenfalls per 1. September das Ministerium verlassen – nachdem er sieben Jahre für Faymann gearbeitet hat. Und Feigl bemüht sich derweil, „nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass es bei uns eine Bevorzugung der Kronen Zeitung geben könnte.“ Mutmaßungen, wonach das Büro Faymann Themen mit der „Kronen Zeitung“ vorab sondiere, bevor die Öffentlichkeit damit behelligt wird, dementieren Feigl und Ostermayer ganz entschieden. Ostermayer: „Wir diskutieren und beraten uns grundsätzlich mit vielen Journalisten.“

Dass die Berichterstattung über den Minister aber gerade in der „Kronen Zeitung“ besonders wohlwollend ausfällt, will Pressesprecherin Feigl allerdings gar nicht in Abrede stellen. Das habe aber andere Gründe, meint sie. Faymann habe halt, wie die „Krone“ auch, das Ohr am Volk. „Da sind beide ganz auf einer Linie.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2007)