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Bank Run: Österreicher profitieren

BULGARIA ECONOMY BANKING
Besorgte Bürger heben ihre Ersparnisse ab.APA/EPA/STRINGER
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Um einen Kollaps des bulgarischen Finanzsystems zu verhindern, genehmigt die EU eine Kreditlinie in Milliardenhöhe. Von der Situation profitieren Bank Austria und Raiffeisen.

Wien. Wie fragil das Finanzsystem in Osteuropa ist, zeigt die Situation in Bulgarien: Kriminelle haben über Internet und anonyme SMS-Botschaften die Bürger aufgerufen, ihr Geld bei den Banken abzuheben, weil die Institute nicht sicher seien. Daraufhin setzte in dem Land ein noch nie da gewesener Banken Run ein.

Betroffen waren die Großbanken First Investment Bank (Fibank) und die Corporate Commercial Bank (CCB). Beide haben bulgarische Eigentümer. Die CCB gehört unter anderem dem Oligarchen Zwetan Wassilew, der lange Zeit über gute Kontakte zur Politik verfügte. Bulgarischen Medien zufolge soll sich Wassilew unterdessen in Wien aufhalten, weil es für ihn in seiner Heimat zu gefährlich geworden ist.

Der Kundenansturm auf einige Banken nahm bedrohliche Ausmaße an. Der Präsident, Rossen Plewneliew, gab nach einem Krisentreffen mit der Notenbank und Vertretern politischer Parteien eine Garantie für alle Sparguthaben ab. Die Banken seien stabil und würden gut beaufsichtigt, versicherte der Präsident. Trotzdem wurde für 5. Oktober eine vorgezogene Parlamentswahl einberufen. Am Montag genehmigte die EU Staatshilfen für den bulgarischen Finanzsektor. Es geht um eine Kreditlinie von 1,7 Milliarden Euro.

 

Ausländern wird vertraut

Trotz der Staatsgarantie bildeten sich am Montag erneut Schlangen vor Banken, die bulgarische Eigentümer haben. Die Sparer trugen ihr Geld zu Instituten, die sich im ausländischen Besitz befinden. Davon profitieren laut „Presse“-Informationen die Bank Austria und die Raiffeisen Bank International. Beide Institute wollten sich am Montag nicht zu Bulgarien äußern, um die Lage nicht weiter anzuheizen.

Die Bank Austria ist dort mit einem Marktanteil von 14,8 Prozent auf Platz eins, Raiffeisen liegt mit einem Anteil von sieben Prozent auf Rang sechs.

 

Auch deutsche Sparer zittern

Auch tausende Deutsche bangen um ihre Sparguthaben. Denn die bulgarische Fibank ging in Westeuropa auf Kundenfang. Das Institut warb in der Vorwoche mit einem Zinssatz für Sparguthaben von 3,3 Prozent für dreijähriges Festgeld. In Deutschland gab es einen Finanzvermittler, der Sparer geholfen hat, ein Konto bei der Fibank zu eröffnen. Auch Österreicher, die sich immer wieder in Bulgarien aufhalten, haben ein Konto bei einer dortigen Bank. Schließlich sind in vielen osteuropäischen Ländern die Zinsen wesentlich höher als in Österreich oder in Deutschland. Bulgarien ist eines der ärmsten Länder in der EU. Immer wieder rief die EU-Kommission das Land zu einem härteren Kampf gegen die Korruption auf.

Wie in Bulgarien Banken und Politiker vernetzt sind, zeigt der Aufstieg des Oligarchen Wassilew. Dieser hat sich im Jahr 2000 bei der Corporate Commercial Bank (CCB) eingekauft. Das Institut etablierte sich unter den bulgarischen Regierungen als bevorzugter Partner des Balkanstaates. Laut der Tageszeitung „Trud“ begann alles mit dem Auftrag zur Verwaltung der Gelder der staatlichen Lottogesellschaft. Schließlich wurde die CCB die Hausbank von 19 der 40 mehrheitlich staatlichen Unternehmen. Wassilew besaß über einen Geschäftspartner auch Zugang zur Medienmacht.

Im Vorstand der Lottogesellschaft war damals Irena Krastewa, die Mutter des später mächtigen Politikers Deljan Peewski, der auch zum wichtigsten Geschäftspartner Wassilews wurde. Die CCB finanzierte zahlreiche Ankäufe von Zeitungen und einer Fernsehstation von Irena Krastewa. Als Peewski im vergangenen Frühling zum Geheimdienstchef ernannt werden sollte, trieb das zehntausende Bulgaren zu Dauer-Demos auf die Straßen. Peewski, der in der Politik Karriere gemacht hat, gilt vielen als Inbegriff der korrumpierten politischen Kaste.

Wassilew und das Medienimperium der Familie Peewski haben sich lange gut ergänzt: Die Blätter lieferten die Propagandamusik vor allem während der Zeit der Regierung des medienaffinen Bojko Borissow. Im Vorjahr dürften sich die beiden Geschäftspartner aber verkracht haben.

AUF EINEN BLICK

Aufgrund von Gerüchten über mögliche Bankenpleiten kam es in Bulgarien zu einem Ansturm auf die Finanzinstitute. Die bulgarische Nationalbank verlangt nun eine Gesetzesänderung. Demnach sollen Kriminelle, die falsche Informationen über Banken verbreiten, zwischen zwei und fünf Jahre ins Gefängnis wandern. Der bulgarische Präsident gab nach einem Krisentreffen eine Garantie für alle Sparguthaben ab. Doch das Misstrauen der Bürger ist groß. Auch am Montag bildeten sich vor einigen Banken lange Schlangen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2014)