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Fotos von MH17-Wrack weisen auf Raketen-Treffer hin

Die Boeing der Malaysian Airlines stürzte in ein Feld in der Ostukraine. Trümmerteile geben Hinweise auf einen möglichen Raketenabschuss eines Buk-Systems.
Die Boeing der Malaysian Airlines stürzte in ein Feld in der Ostukraine. Trümmerteile geben Hinweise auf einen möglichen Raketenabschuss eines Buk-Systems.(c) REUTERS
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Ein Experte der "New York Times" wertete Fotografien eines Wrackteils aus, das viele kleinere Löcher ausweist. Eine Überschallrakete könnte der Urheber sein.

Die Absturzursache der malaysischen Boeing 777 ist  ungeklärt. Experten aus aller Welt treffen in diesen Tagen in der Ostukraine im Ort Grabovo ein, um zu klären, wie es zur Tragödie kommen konnte. Die "New York Times" will in einem kleinen Wrackteil ein Indiz dafür gefunden haben, dass eine Rakete das auslösende Element gewesen sein könnte. Ein Fotograf der Zeitung machte Detailaufnahmen mehrerer Wrackteile, die er drei Kilometer entfernt von jener Stelle schoss, wo der Hauptteil der Boeing vom Himmel fiel.

Schrapnell-Spuren seien ein Hinweis darauf, dass das Flugzeug durch eine Rakete mit Überschallgeschwindigkeit zerstört wurde, sagten Experten des Verteidigungs-Fachverlags "IHS Jane's" nach Auswertung der Fotos. Als Schrapnell wird ein Explosionskörper bezeichnet, der mit Metallkugeln gefüllt ist. Kurz vor dem Ziel werden die Kugeln durch eine Treibladung gelöst und dem Zielobjekt entgegengeschleudert. Auch der abgeplatzte Lack an der Außenseite des vom Flugzeugrumpf stammenden Wrackteils seien ein Beleg dafür.

Die zitierten Experten vermuten, dass das Flugzeug der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord am Donnerstag durch die Rakete eines russischen "Buk"-Flugabwehrsystems getroffen wurde. Die USA verdächtigen prorussische Separatisten, die Zivilmaschine mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen zu haben. Zu ähnlichen Schlüssen kommen Experten von "Spiegel Online", staatliche russische Nachrichtenagentur "Ria Novosti" und "Financial Times", die Militärexperten in London zu Bildern der Wrackteile befragten.

Archivbild eines russischen Buk-M1-Raketensystems. Das System gilt als Hauptverdächtiger in dem Fall, was die Boeing der Malaysian Airlines in der Ostukraine getroffen haben könnte.
Archivbild eines russischen Buk-M1-Raketensystems. Das System gilt als Hauptverdächtiger in dem Fall, was die Boeing der Malaysian Airlines in der Ostukraine getroffen haben könnte.(c) APA/EPA/YURI KOCHETKOV

Am Montag wurde eine UN-Resolution beschlossen, die der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO die Hauptverantwortung für die Untersuchung überträgt. Auch Russland erkennt die Resolution an. Erste Ergebnisse dieser Untersuchungen werden Gewissheit bringen. Die Blackbox wurde von den Seperatisten geborgen und nach längerem Hin und Her an malaysische Vertreter übergeben. "Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören", sagte Alexander Borodaj, einer der Anführer der Aufständischen in der Ostukraine.

Propaganda-Krieg und Verschwörungstheorien

Der Propagandakrieg zwischen Russland und der Ukraine hat sich in den Tagen seit dem Absturz weiter ausgewachsen. Während die ukrainische Führung weiterhin pro-russische Rebellen beschuldigt, mithilfe von durch Russland gestellte Buk-Abwehrraketen die malaysische Passagiermaschine mit 298 Menschen an Board abgeschossen zu haben, lenkte Moskau den Verdacht am Montag auf einen ukrainischen Kampfjet.

Ein Abfangjäger vom Typ Suchoi-25 sei auf die Boeing 777 zugeflogen, sagte Generalleutnant Andrej Kartopolow vom russischen Generalstab. "Die Entfernung der Su-25 zur Boeing lag zwischen drei und fünf Kilometern." Das ergebe sich aus Aufzeichnungen der russischen Flugüberwachung. So ein Kampfjet sei mit Luft-Luft-Raketen bewaffnet, der auf diese Entfernung ein Ziel hundertprozentig zerstören könne. Die Ukraine solle Auskunft über dieses Flugzeug geben, forderte er.

Zudem legte Russland am Montagabend als erster Staat Satellitenaufnahmen vom Absturztag vor. Auf den Satellitenbildern war nach Angaben des Generalstabs auch die Stationierung von ukrainischen Flugabwehrsystemen des Typs "Buk" im Separatistengebiet zu sehen. Moskau verlangte von Kiew eine Erklärung dafür, weshalb dort solche Waffen aufgestellt würden, obwohl die Aufständischen keine Flugzeuge hätten.

Die Bilddiskussion um die Buk-Raketen

Das Flugabwehrsystem Buk M1 ist ein in der Sowjetunion entwickeltes Raketensystem. Eine Buk-Batterie besteht aus vier Raketenwerfern namens "Telar", einem Radar- und einem Kommandofahrzeug, ist also ein recht großer Komplex. Das System ist außer in Russland auch in Nordkorea, China, Syrien, Venezuela, Indien und Finnland  teil der militärischen Ausrüstung - und eben auch in der Ukraine.

Nach dem Absturz der Boeing der Malaysian Airlines tauchten Fotos auf, auf denen eines der "Buk"-Werferfahrzeuge einer angeblich von der ukrainischen Armee gestohlenen Batterie in einer Ortschaft nahe des Absturzortes, auf der Straße zwischen Torez und Snizhne, zu sehen sein soll. Diese Batterie könnte den Abschuss durchgeführt haben. Auch ein Youtube-Video soll den Transport des Systems auf der Straße zwischen Torez und Snizhne zeigen.

Ein Startfahrzeug (mit Planen abgedeckt) der von den Rebellen erbeuteten Buk-Batterie, die für den Abschuss verantwortlich sein könnte.
Ein Startfahrzeug (mit Planen abgedeckt) der von den Rebellen erbeuteten Buk-Batterie, die für den Abschuss verantwortlich sein könnte.(c) Jane's Defence

Russland spricht von "Manipulation"

Russland weist eine Deutung der Bilder als Schuldzuweisung an die Seperatisten aber zurück. Neben einem weiteren Bild eines möglichen Buk-Fahrzeugs auf der Seite des russischen Nachrichtendienstes itar-tass, sagt ein hochrangiger russischer Militär:  "Das ist eine klare Manipulation", zitiert die russische Nachrichtenagentur itar-tass Andrei Kartapolov, einen Leutnant-General der russischen Armee. Die Bilder seien in Krasnoarmeisk aufgenommen worden, das zeige eine Reklametafel für einen lokalen Autohändler. Krasnoarmeis sei aber seit 11. Mai unter der Kontrolle des ukrainischen Militärs. Russland hätte weder Buk-Systeme noch andere Waffen an die Milizen in der Ostukraine übergeben.

Und schließlich gibt es da noch jene Theorie, dass der russische Präsident Wladimir Putin Ziel eines Anschlags werden sollte. Diese These verbreitete zumindest das russische Fernsehen "Russia 24" kurz nach dem Absturz. Russlands Flugzeug sei ebenso wie Flug MH17 zur selben Zeit in der Region unterwegs gewesen. Für diese Theorie gibt es allerdings keinerlei Hinweise.

>> Zum Artikel in der "New York Times"

>> Zum Artikel von itar-tass

(APA/dpa/klepa)