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Oppositionslose Bergrepublik

Putin, Kadyrow
(c) EPA
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Nach den beiden Kriegen herrscht in der 1,3 Millionen Einwohner zählenden Republik Moskaus Statthalter Ramsan Kadyrow.

Wien/Grosny. Nach den Prachtbauten von Grosny zu urteilen ist in Tschetschenien alles eitel Wonne. Keine Spur mehr von den beiden Kriegen, die die Infrastruktur der kleinen Bergrepublik im Süden Russlands beinahe vollständig zerstört haben. Der von Moskau eingesetzte Statthalter, Ramsan Kadyrow, ist äußerst bemüht, „sein“ neues Tschetschenien aufzubauen. Es erinnert mehr an ein kaukasisches Dubai denn an eine ehemalige Sowjetrepublik. Im Inneren herrscht Kadyrow diktatorisch. Er hat jene Spleens entwickelt, wie sie autoritären Herrschern eigen sind: Auf seiner Instagram-Seite postet er mit Vorliebe Fotos von sich und seinen Autos auf der Überholspur. Unlängst ließ er bei einer Hochzeit 1000 Gäste verhören, da er bei dem Bankett sein Handy verloren hatte.

 

Nach wie vor Gefechte in den Bergen

In politischer Hinsicht gibt es in Tschetschenien heute keine Opposition mehr: Für Anhänger der säkularen Nationalbewegung, die im ersten Tschetschenien-Krieg (1994–1996) die (kurzzeitige) Unabhängigkeit erkämpfte, ist es in Tschetschenien zu gefährlich geworden. Mit der Machtübernahme von Kadyrows Vater Achmed ab dem Jahr 2000 und der Einigung mit Russland begann die islamistische Fraktion ihren Guerillakampf.

Der zweite Tschetschenienkrieg, eingeleitet vom damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin, dauerte von 1999 bis 2009. Doch bis heute kommt es noch zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und islamistischen Kämpfern. Terroranschläge gegen die russische Zivilbevölkerung gehören zum Repertoire der Islamisten, die nach dem Tod Doku Umarows der Dagestaner Ali Abu Muhammad anführt. Nach der Ausrufung des Kaukasus-Emirats haben sie ihren Kampf auf den gesamten Nordkaukasus ausgeweitet. Tschetschenien ist heute nicht mehr die „tödlichste“ der Republiken; die an das Kaspische Meer angrenzende Republik Dagestan führt die Opferstatistik seit Längerem an.

Insgesamt dürften in den beiden Kriegen mehr als 160.000 Menschen getötet worden sein. Zehntausende wurden heimatlos, die meisten flohen in westeuropäische Länder. Große Exilgemeinden gibt es heute in Polen, Frankreich, Belgien und Österreich. (som)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2014)