ÖIAG-Chef Kemler will die Gerüchteküche zusperren

Kemler
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

ÖIAG. Der Boss der Staatsholding dementiert Machtkampf in der OMV.

Wien. Die Staatsholding war seit jeher für Spekulationen gut. Wer wird Vorstand? Wer wird abgesägt? Wann kommt die Reform? Oder wird das Beteiligungsvehikel doch komplett abgeschafft? In diesem Labyrinth gab es für die meisten der ÖIAG-Chefs nur eine Strategie: Schweigen. Jetzt muss der Druck aber zu groß geworden sein: Zuerst kommt die Holding wegen des Syndikats der Telekom Austria mit America Movil unter Beschuss, dann wird Putin-Freund Siegfried Wolf neuer Aufsichtsratspräsident. Kurz danach verlässt Brigitte Ederer das Kontrollorgan. Dann streitet die Regierung wieder einmal über die Neuausrichtung der ÖIAG. Und am Dienstag bringt OMV-Vorstand Jaap Huijskes mit seinem vorzeitigen Abgang das Fass zum Überlaufen.

„Es gibt keine Machtkämpfe rund um die OMV“, leitete Kemler am Donnerstag seine überraschend ausführliche Replik auf das Rumoren der vergangenen Tage ein. Und: „Ich habe keinerlei Ambitionen auf die Funktion des OMV-Chefs.“ Als hätte das jemand ernsthaft angenommen, zumal sich Gerhard Roiss so einfach das Zepter beim Ölkonzern nicht aus der Hand nehmen lassen dürfte.

Tatsächlich kracht es in der OMV gewaltig – und das weiß auch Kemler. Roiss selbst hat ihm, wie „Die Presse“ exklusiv berichtete (13. 8.) einen Brief geschrieben, in dem er einen Großumbau des Konzerns fordert. Kemler wiederum hat den für Exploration und Produktion zuständigen Huijskes als seinen Favoriten für die Nachfolge von Roiss bezeichnet.

 

Konsens mit der Ipic

„Wir müssen das Unternehmen rasch und konsequent auf die Anforderungen der Zukunft ausrichten“, betonte Kemler nun. In Bezug auf Personalentscheidungen gebe es seitens der Ipic aus Abu Dhabi, die mit der ÖIAG syndiziert ist, „keine losgelöste Meinung“. Die Zusammenarbeit zwischen der ÖIAG und IPIC laufe „ausgezeichnet“. Es gebe auch „keine Pläne oder Absprachen irgendwelcher Art, die Borealis an die Ipic zu verkaufen“. Die OMV hält am Kunststoffhersteller 36 Prozent, die Ipic den Rest.

Er fühle sich in seiner jetzigen Rolle äußerst wohl und sei damit zeitlich mehr als ausgelastet, schließt der ÖIAG-Chef, der auch OMV-Aufsichtsratspräsident ist. Klingt ein wenig so, als müsste sich Kemler selbst Mut machen. Einen Wunsch nimmt man ihm aber auf jeden Fall ab: „Es wäre daher dringend notwendig, die Gerüchteküche zuzusperren.“ (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2014)