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Williamson: Kein Sendeverbot für Holocaust-Interview

Richard Williamson
(c) AP
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Der umstrittene Bischof der Pius-Bruderschaft wollte verbieten, dass sein Interview gezeigt wird. Seine Mitbrüder distanzieren sich von ihm. Dadurch hat der Papst mehr Spielraum.

Rückschlag für den umstrittenen Bischof Richard Williamson: Er scheiterte mit dem Versuch, die Verbreitung des Interviews mit seiner Gaskammern-Leugnung per einstweiliger Verfügung einzuschränken. Außerdem haben sich seine Mitbrüder von der Priesterbruderschaft St. Pius X. von ihm distanziert und ihn als Regens eines argentinischen Priesterseminars abgesetzt, wie nun offiziell bestätigt wurde. Dadurch hat Papst Benedikt XVI. kirchenintern und im Umgang mit Vertretern des jüdischen Glaubens mehr Spielraum.

"Die Äußerungen von Monsignore Williamson geben in keiner Weise die Position unserer Gemeinschaft wieder", erklärte die argentinische Sektion der Piusbrüder laut Medienberichten am Sonntag (Ortszeit). Sie berief den Holocaust-Leugner als Leiter des Priesterseminars im argentinischen La Reja ab.

Kein Sendeverbot für Holocaust-Interview

Williamson scheiterte außerdem mit dem Versuch, die Verbreitung des Interviews mit seiner Holocaust-Leugnung einzuschränken. Das umstrittene Interview des schwedischen Fernsehsenders SVT darf weiterhin weltweit ausgestrahlt werden.

Der Geistliche habe eine einstweilige Verfügung beantragt, die es dem Sender Sveriges Television AB verbieten sollte, das Interview außerhalb Schwedens auszustrahlen und es auf seiner Homepage zu zeigen, erklärte das Landgericht Nürnberg-Fürth am Montag. Dieser Antrag sei aber abgelehnt worden. In dem Interview mit dem schwedischen Fernsehen hatte Williamson im Jänner gesagt, er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern".

Williamson habe sich darauf berufen, dass er vor dem Interview nicht darauf hingewiesen worden sei, dass das Gespräch auch außerhalb Schwedens zugänglich sein werde. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Es entschied, dass eine Verwendung auf der Homepage und Ausstrahlung über Satellit üblich und erlaubt seien, sofern dies nicht vorher ausdrücklich ausgeschlossen worden sei.

Entspannung in Beziehung zum Judentum

Nach Wochen der Konfrontation deuten die Zeichen in der Beziehung zwischen Judentum und Vatikan auf Entspannung: Der Jüdische Weltkongress (WJC) zeigte sich nach einem Spitzentreffen im Vatikan optimistisch, dass die Affäre um Williamson bald geklärt sein dürfte und sie das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum nicht auf Dauer belasten werde. Der WJC sprach sich dafür aus, dass der Papst wie geplant in diesem Jahr Israel besucht.

Außerdem wurde am Montag der Präsident des Zentralrats der jüdischen Einrichtungen in Frankreich (CRIF), Richard Prasquier, im Vatikan empfangen. Prasquier sollte mit Kardinal Walter Kasper zusammentreffen, der im Vatikan für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständig ist. In einer Stellungnahme vor dem Treffen begrüßte er die Haltung von Benedikt XVI., der Williamson eindringlich zum Widerruf seiner Holocaust-Leugnung aufgerufen hatte. Die Worte des Papstes zeigten auf, wie der jüdisch-katholische Dialog wieder aufgenommen werden könnte und sollte, erklärte Prasquier.

Papst Benedikt XVI. hatte erst kürzlich die Exkommunikation Williamsons aufgehoben und damit für Empörung gesorgt. Der Vatikan betonte, der Papst habe das umstrittene Interview Williamsons vor seiner Entscheidung nicht gekannt.

(Ag./Red.)