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Kapsch: "Schadet keinem, wenn er zwölf Stunden arbeitet"

Kapsch, President of the Federation of Austrian Industry addresses a news conference in Vienna
Kapsch(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Mehr Flexibilität sei notwendig, um die Konkurrenzfähigkeit Österreichs zu erhalten, sagt IV-Präsident Kapsch. Die Steuerreform müsse daher auch eine Senkung der Lohnnebenkosten enthalten.

Wien. Auf 1,2 Prozent senkte die EU-Kommission am Dienstag ihre Prognose für das heimische Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr. Ein Minus von 0,6 Prozentpunkten gegenüber der letzten Erwartungsrechnung aus dem Frühjahr. Und auch für die gesamte Union sind die Aussichten deutlich düsterer als zuletzt.

Für Georg Kapsch, den Präsidenten der heimischen Industriellenvereinigung (IV), kommt dies nicht überraschend: „Wir müssen in Europa endlich aufwachen und fragen: Was tun wir?“, so Kapsch am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Während in anderen Weltgegenden der Hunger nach einer wirtschaftlichen Verbesserung groß sei, machten sich in Europa Saturiertheit und Besitzstandswahrung breit. Dies treffe nicht zuletzt auf Österreich zu, das bei den jüngsten Arbeitslosenzahlen auch den europäischen Spitzenplatz an Deutschland verlor.

Kapsch für mehr Freiheit

Es bräuchte daher dringend Reformen, die mehr Flexibilität und mehr Freiheit für Menschen und Firmen bringen. Nur so könnten innovative Ideen im Rahmen von Unternehmen umgesetzt und somit Jobs geschaffen werden. Als Beispiel für zu viel Regulierung nennt Kapsch das heimische Arbeitszeitgesetz laut dem etwa nicht länger als zehn Stunden pro Tag gearbeitet werden darf. „Es schadet keinem Menschen, wenn er dann und wann zwölf Stunden arbeitet“, so Kapsch. Natürlich nicht immer und mit entsprechendem Zeitausgleich. Eine solche Flexibilisierung der Arbeitszeit würde jedoch die Abarbeitung von Auftragsspitzen deutlich vereinfachen.

Dass die Gewerkschaft diese Regelung mit der leichteren Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche verknüpfen will, sei „Nonsens“. Denn es gehe ja darum, die Kosten zu senken und somit die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Eine Kostensenkung erwartet sich Kapsch auch durch die Steuerreform im kommenden Jahr. „Es kann nicht sein, dass die fünf Mrd. Euro nur zur Senkung der Lohn- und Einkommensteuer verwendet werden. Es muss auch bei den Lohnnebenkosten etwas passieren.“ Ein Drittel der Gesamtsumme sollte die Abgaben der Arbeitgeber senken.

Keine Tipps möchte Kapsch der Politik bei der Neugestaltung der ÖIAG geben. Nur so viel: „Es muss gewährleistet sein, dass im Aufsichtsrat der ÖIAG keine Politiker oder Vertreter von Kammern oder Verbänden sitzen. Die ÖIAG soll kein Sozialpartner-Stelldichein werden.“ (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2014)