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Verstößt Netrebkos Spende gegen EU-Sanktionen?

Oleg Zarjow steht auf der Sanktionsliste der EU, was Anna Netrebko nicht daran hinderte, ihm einen Scheck für die Donezker Oper zu überreichen.
Oleg Zarjow steht auf der Sanktionsliste der EU, was Anna Netrebko nicht daran hinderte, ihm einen Scheck für die Donezker Oper zu überreichen.(c) APA/EPA/STRINGER (STRINGER)
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Die Starsopranistin sorgt mit der Übergabe eines Schecks über 15.000 Euro an das Donezker Opernhaus für Aufregung. Sollte ein Verstoß gegen das Sanktionengesetz nachgewiesen werden, könnte ihr eine Geldstrafe drohen.

Zwischen den Aufrufen zum Boykott ihrer Konzerte gibt es auch Stimmen der Zustimmung: „Liebe Anna, würdest du für uns in der Donezker Oper singen?“, wird Anna Netrebko auf Twitter gefragt. Die Spende der österreichisch-russischen Sängerin von einer Million Rubel – umgerechnet 15.000 Euro – an das Nationale Theater- und Opernhaus in Donezk hat nicht nur in den sozialen Netzwerken für Aufregung gesorgt, auch das österreichische Außenministerium und die Fluglinie AUA, bei der die Sängerin noch bis vor Kurzem als Werbeträgerin unter Vertrag stand, distanzieren sich von ihr.

Netrebko hatte im Rahmen des Internationalen Kulturforums St. Petersburg am vergangenen Sonntag den Scheck an den Donezker Separatistenpolitiker Oleg Zarjow überreicht und neben der rot-blauen Flagge des nicht anerkannten Gebiets „Neurussland“ posiert. Die wohltätige Geldübergabe könnte unangenehme Folgen für Netrebko haben, denn die Separatisten in der Ostukraine – darunter Zarjow – sind mit EU-Sanktionen belegt. Falls ein Verstoß gegen das österreichische Sanktionengesetz nachgewiesen wird, könnte gegen die Sängerin eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro verhängt werden.

Auch das Wiener Außenamt kritisierte Netrebkos Engagement. Es sei „klar“, dass „derartige Fotos umgehend für Propagandazwecke missbraucht werden“, sagte ein Sprecher des Ministeriums auf Ö1. Die 43-jährige Netrebko verteidigte auf Anfrage der „Presse“ ihre Spende in einer schriftlichen Stellungnahme als „unpolitisch“: „Es geht mir nicht um Politik, sondern um Kunst. Ich möchte nur, dass die Kämpfe so bald wie möglich enden und Kunst und Künstler in dieser Zeit des schrecklichen Konflikts unterstützen.“ Sie habe selbst Freunde in Donezk, die ihr von der teilweisen Zerstörung des Theaters erzählt hätten, diese habe sie unterstützen wollen. In der Vergangenheit hatte Netrebko mit ihrer Unterstützung für Russlands Präsidenten, Wladimir Putin, für Kontroversen gesorgt. Sie war Teil eines Personenkomitees, das im Jahr 2012 für seine Wiederwahl warb.

Netrebko im Wortlaut

„Der aktuelle Konflikt besorgt mich sehr. Ich habe sowohl russische als auch ukrainische Wurzeln und die Kämpfe und Zerstörung brechen mir das Herz. Ich habe Freunde in Donezk, junge Musiker, die mir von der teilweisen Zerstörung des Theaters erzählt haben.

Ich wollte helfen und meine Künstlerfreunde mit einer Spende unterstützen, weil ich an die Kraft von Kunst in Zeiten von Konflikt und Krise glaube. Die Spende wurde an einen Offiziellen übergeben um sicherzustellen, dass sie ihr Ziel, das Theater in Donezk, auch sicher erreicht. Ich möchte aber klarstellen, dass diese Spende kein politischer Akt ist. Es geht mir nicht um Politik, sondern um Kunst. Ich möchte nur, dass die Kämpfe sobald wie möglich enden und Kunst und Künstler in dieser Zeit des schrecklichen Konflikts unterstützen. Wir Künstler müssen alle für kulturelle Werte und Frieden in der Welt aufstehen.“

Sichere Geldübergabe

Die Umstände der Geldübergabe erklärte sie wie folgt: „Die Spende wurde an einen Offiziellen übergeben, um sicherzustellen, dass sie ihr Ziel, das Theater in Donezk, auch sicher erreicht.“ Zum Posieren vor der Separatisten-Flagge gab Netrebko am Dienstagabend auf ihrer Facebook-Seite bekannt, dass dies ursprünglich nicht geplant war. Erst im Nachhinein habe sie erkannt, um welche Flagge es sich handelte.

Zarjow, der den Scheck im Namen des Opernhauses entgegennahm, war früher Abgeordneter der Partei der Regionen im Kiewer Parlament. Bekannt für seine betont prorussische Einstellung, wechselte er im Frühling 2014 auf die Seite der Donezker Separatisten. (som)

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2014)