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Nordkorea: Hollywood geht vor Diktator Kim in die Knie

(c) REUTERS (KEVORK DJANSEZIAN)
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Nach anonymen Morddrohungen gegen die Besucher der Premiere von „The Interview“ beendet ein weiteres US-Filmstudio die Arbeit an einem Film über Nordkorea.

Washington. Vor einigen Jahren ließen Zeitungen weltweit die Finger von der Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed, weil islamistische Gewalttäter ihnen mit Mordanschlägen gedroht hatten. Nun scheint es dem nordkoreanischen Regime gelungen zu sein, die Meinungsfreiheit in liberalen Gesellschaften zu knebeln.

Nach der Ankündigung von Sony Pictures, die für den Christtag geplante Premiere der Komödie „The Interview“ vorläufig ersatzlos zu streichen, gab die Produktionsfirma New Regency („Twelve Years a Slave“, „Fight Club“, „Gone Girl“) am Donnerstag bekannt, ihre laufenden Arbeiten am Nordkorea-Thriller „Pyongyang“ abzubrechen. Der Grund dafür sei die Entscheidung des Filmstudios Twentieth Century Fox, dieses Werk nicht in den Vertrieb aufzunehmen.

 

„Ein trauriger Tag für die Kreativität“

„Ich finde es ironisch, dass Angst die Möglichkeit vernichtet, Geschichten zu erzählen, die unsere Fähigkeit zur Überwindung von Angst darstellen“, sagte Gore Verbinski, der Regisseur von „Pyongyang“, am Donnerstag. „Ein trauriger Tag für die Kreativität“, verkündete der Schauspieler Steve Carell, der darin die Hauptrolle eines westlichen Bürgers hätte spielen sollen, der ein Jahr in der nordkoreanischen Diktatur verbringt.

Diese Entscheidung, die Finger von einem regimekritischen Film zu lassen, ist eine Folge der von Nordkorea aus lancierten Angriffe auf Sony Pictures, einen der weltgrößten Filmkonzerne. Das Regime hatte im Juni „The Interview“, eine nicht immer ganz geschmackssichere Hollywood-Komödie, in der Seth Rogen und James Franco zwei Talkshowgestalten mimen, die im Auftrag des US-Geheimdienstes CIA Nordkoreas Diktator Kim Jong-un umbringen sollen, als eine Kriegserklärung der USA bezeichnet und mit Gegenschlägen gedroht.

Monatelang tat man dies als leere Drohgebärde ab, am 24. November wurde aus dem Spaß Ernst. Anonyme Computerhacker, die sich den Namen „Wächter des Friedens“ gaben, brachen in Sonys Datensysteme ein und stahlen Unmengen an Daten: von den Kreditkarten- und Sozialversicherungsdaten aller Sony-Pictures-Mitarbeiter über peinliche E-Mails der Studiobosse bis zum Drehbuch des nächsten „James Bond“-Films.

 

USA: Nordkorea hinter Hackerangriff

Vergangene Woche legten die anonymen Erpresser nach: Sie drohten für den Fall, dass „The Interview“ wie geplant am 25. Dezember in amerikanischen und kanadischen Kinos anläuft, mit Mordanschlägen. „Erinnert euch an den 11. September 2001“, hieß es in der in krudem Englisch verfassten Drohbotschaft mit Anspielung auf die Terrorangriffe der al-Qaida in New York und Washington.
Dann ging es schnell: Nach und nach erklärten die größten US-Kinobetreiber, den Film aus Rücksicht auf die Sicherheit der Besucher nicht zeigen zu wollen.

Den unwiderlegbaren Beweis dafür, wer in Sonys Computer eingebrochen ist, haben Amerikas Behörden noch nicht. Am Mittwoch erklärten allerdings mehrere US-Geheimdienstbeamte, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die im Jahr 1998 gegründete „Einheit 121“ des nordkoreanischen Militärs ihre Finger im Spiel hat.

Amerikas Filmschaffende sind über die Selbstzensur der Hollywood-Studios erzürnt. „Was ist, wenn sich eine anonyme Person durch etwas beleidigt fühlt, was ein Coca-Cola-Manager gesagt hat? Werden wir dann alle aufhören, Cola zu trinken?“, donnerte Regisseur Judd Apatow auf Twitter. „Es ist wirklich schwer zu glauben, dass das die Antwort auf eine Bedrohung der Meinungsfreiheit hier in Amerika ist“, erklärte Schauspieler Ben Stiller.

Weitere Infos: www.diepresse.com/sony

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2014)