Die Attraktivität des Westklubs Nato

Die Allianz mag Probleme haben: Für die Staaten Ost- und Südosteuropas hat sie nichts an Anziehungskraft verloren.

Als die Nato-Granden vor zehn Jahren in Washington das 50-jährige Bestehen der Allianz begingen, war vielen nicht zum Feiern zumute. Das Bündnis führte gerade Krieg – ohne Aussicht auf ein rasches Ende und ohne Exit-Strategie. Serbiens Machthaber Milo?evi? hatte entgegen aller Annahmen nicht nach wenigen Tagen Nato-Luftangriffen eingelenkt und das Rambouillet-Abkommen für Kosovo unterschrieben. Stattdessen vertrieben seine Truppen hunderttausende Kosovo-Albaner nach Mazedonien und Albanien. Und die stärkste Militärallianz der Welt vermochte den Exodus vorerst nicht zu stoppen.

Vor zehn Jahren bedeutete Balkan für die Nato vor allem eines: Einsätze mit Kampftruppen – ob in Bosnien oder im Kosovo. Heute, bei der 60-Jahr-Feier des Bündnisses, sitzen mit Albanien und Kroatien erstmals zwei Staaten aus der Region mit am Tisch. Serbien beteiligt sich – trotz schlechter Erinnerungen – an der Nato-Partnerschaft für den Frieden. Und Mazedoniens Mitgliedschaft in der Allianz scheitert derzeit nur am Namensstreit mit Griechenland.

Bei allen Problemen, mit denen die Nato zu kämpfen hat: In Ost- und Südosteuropa hat sie nichts an Attraktivität eingebüßt. An Attraktivität als politischer Klub, bei dem man dabei sein will, um auch endlich zum „Westen“ zu gehören. Und um die Chancen auf die Mitgliedschaft in einem weiteren Klub zu erhöhen: der Europäischen Union.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2009)