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Die unbekannten Wähler

Wahlen
Wahlen(c) Clemens Fabry
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Wählen Menschen mit geringem Einkommen anders? Diese Frage stellen Meinungsforscher nicht.

Gute Fragen erkennt man (auch) daran, dass sie nicht leicht zu beantworten sind. Wie bei jener Aufgabe, die Erwin Wurm mit uns für diese Ausgabe bewältigen wollte: Klischees zu überprüfen. Ihn interessierte unter anderem ein Bereich: Wen wählen Menschen, die keine Lohnsteuer zahlen? Und wen die, die viel zahlen?

<b>Wer wählt wie?</b>

Die Wahrheit ist: Es gibt nicht genügend empirische Daten in Österreich, um diese These zu widerlegen oder zu bestätigen. Einen gesicherten Zusammenhang zwischen geringem Einkommen beziehungsweise Arbeitslosigkeit und dem Wahlverhalten ist nicht zu belegen. Zumindest in den Meinungsforschungsinstituten hält man sich zurück – eine seriöse Beantwortung der Frage sei ohne Studie nicht möglich. „Man müsste schon eine hohe Anzahl an Arbeitslosen befragen, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen“, sagt Michael Nitsche, Geschäftsführer des Österreichischen Gallup Instituts. Er schließe zwar nicht aus, dass Parteien in der eigenen Lade eine solche Studie verschlossen halten. Bekannt sei ihm allerdings nichts. Eine Untersuchung wäre aber nicht nur wegen der hohen benötigten Anzahl an Befragten aufwendig. Problematisch sei auch, dass „die Arbeitslosen“ keine homogene Gruppe seien. Dass man eine Zeit lang keinen Job habe, könne heutzutage jeden treffen – auch einen üblicherweise gut bezahlten Manager. Laut Nitsche muss man davon ausgehen, dass eine Vielzahl von Faktoren das Wahlverhalten beeinflusst. Abseits der Steuerlast.

Geringe Beteiligung. Auch in Deutschland lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen dem Faktor „kein Einkommen“ und der Parteipräferenz nicht belegen: „Am deutlichsten ist der Effekt, dass Arbeitslose im Vergleich zu Erwerbstätigen seltener wählen“, sagt der Politikwissenschaftler und Wahlforscher Thorsten Faas in einem „Zeit“-Interview. Peter A. Ulram, Dozent für Politikwissenschaft an der Uni Wien, wagt dennoch eine vorsichtige Einschätzung der Lage: Als Basis dient ihm eine Studie aus dem Jahr 2014, bei der die Befragten unter anderem das Haushaltseinkommen in vier Kategorien einordnen sollten. Bei jenen, die dies angaben oder schätzten, ergab sich folgendes Bild: „Bei den Freiheitlichen ist auffällig, dass sie mit 34 Prozent bei der Gruppe mit Haushaltseinkommen zwischen 2100 und 3000 Euro relativ stark vertreten sind.“

Bei den besonders niedrigen Einkommen sei der Wert hingegen durchschnittlich. Das ergebe sich wohl daraus, dass viele Facharbeiter die FPÖ wählen würden. Auch die SPÖ liege im Durchschnitt der Einkommen. „Auffällig ist vor allem eines“, sagt Ulram: „Wie wenig es zu diesem Thema gibt.“


[KP9UJ]