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Asylwerber in Notquartieren: Zeltstädte füllen sich

Am Freitag bezogen erste Flüchtlinge ZZelte am Gelände der Landespolizeidirektion in Linz.
Am Freitag bezogen erste Flüchtlinge ZZelte am Gelände der Landespolizeidirektion in Linz.APA/FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUMMAYR
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Die ersten Asylwerber haben die Notquartiere bezogen. Die Zelte und das Quartier in Erdberg sollten noch im Lauf des Wochenendes ausgelastet sein. Ministerin Mikl-Leitner kritisiert einmal mehr die Länder.

Pritschen mit Decken, daneben Heurigenbänke und versperrbare Spinde – auch wenn die meisten ohnehin nicht viel Besitz dabeihaben („Wir sind mit dem gekommen, was wir am Leib trugen“): So sieht die Ausstattung der Zelte aus, in denen die ersten Asylwerber inzwischen angekommen sind.

Kaum waren die Zelte fertig aufgebaut, bezogen schon die ersten Schutzsuchenden (Not-)Quartier. In Linz und Thalham kamen noch in der Nacht auf Samstag insgesamt 72 Menschen vor allem aus Syrien und dem Irak an, es werden laufend mehr. In Salzburg sind die ersten 30 Asylwerber aus dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen am frühen Samstagabend angekommen, auch aus Thalham kamen neun Personen.

Inzwischen hängt in Linz das wenige Ersatzgewand der ersten Asylwerber schon gewaschen auf Leinen zwischen den zwölf weißen Zelten, in denen jeweils acht Personen Platz haben. In den Notquartieren sind nur Männer untergebracht. Mit Essen versorgt werden die Flüchtlinge aus der Polizeikantine, in der sie zweimal am Tag eine Mahlzeit bekommen. Jeden Abend gibt es ein Lunchpaket.

Ein Dach über dem Kopf

Noch im Lauf des ersten Tages soll die Zeltstadt auf dem Linzer Polizeisportplatz ausgelastet sein, insgesamt finden hier 96 Asylwerber Platz. Im Innenministerium geht man davon aus, dass sich alle insgesamt 36 Zelte in Linz, Thalham und Salzburg im Lauf des Wochenendes füllen werden. Allein am Freitag seien 224 neue Asylanträge gestellt worden.

„Ein Dach über dem Kopf“, das ist der Wunsch vieler, die derzeit in den Zelten einquartiert sind. Wann das Wirklichkeit wird, ist allerdings offen. Eigentlich sollen die Zelte eine Übergangslösung sein. Geplant ist, dass die Asylwerber nur ein paar Tage bleiben, bis fixe Quartiere gefunden sind. Um solche wird derzeit gerungen.

Wie lang die Zelte insgesamt stehen sollen, ist nicht klar. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die am Samstag die Zeltstädte in Linz und Thalham besuchte, erinnerte einmal mehr die Länder an ihre Pflichten. Derzeit übernehme das Innenministerium deren Aufgaben. Sobald die Bundesländer die Asylwerber selbstständig vor der Obdachlosigkeit schützen könnten, „sind die Zelte sofort wieder weg“, so die Ministerin. Nachsatz: „Bis jetzt gibt es aber nur Sprüche und keine Quartiere“, so die Ministerin.
„Das ist offenbar die Zeit der großen Sprücheklopfer“, wies Mikl-Leitner auch Behauptungen zurück, wonach es noch freie Quartiere gebe. Solche Aussagen – etwa von Caritas-Präsident Michael Landau – findet sie „bemerkenswert“. Denn beim Krisengipfel am Freitag habe kein einziges Quartier verifiziert werden können, das ohne Widerstand von Ländern oder Bürgermeistern sofort beziehbar wäre.

Auch zur Übernahme der mehr als 1000 minderjährigen Flüchtlinge gebe es großteils nur Absichtserklärungen. „In der Zwischenzeit platzt Traiskirchen aus allen Nähten.“
Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) prüfe derzeit die Möglichkeit, Kasernen für Asylwerber zu öffnen, sagte die Innenministerin. „Ich erwarte am Montag eine Antwort. Selbstverständlich stehen fixe, feste Quartier an oberster Stelle.“

Ausweichquartier in Wien-Erdberg wieder aufgesperrt

Nicht nur die Zelte in Linz, Thalham und Salzburg – auch das Ausweichquartier in Wien-Erdberg, das die Stadt Wien jetzt wieder aufgesperrt hat, könnte sich noch im Lauf des Wochenendes füllen. Im Innenministerium rechnet man damit, dass die Kapazitäten des Großquartiers – es bietet Platz für 300 Flüchtlinge – bis Sonntagabend ausgeschöpft sein werden.

Dem Bürgermeister vom Thalham, Ferdinand Aigner, versicherte die Ministerin bei ihrem Besuch jedenfalls, dass in Thalham keine zusätzlichen Zelte mehr aufgestellt werden. Zudem sollen, sobald weitere Quartiere zur Verfügung stehen, die bestehenden Zelte noch vor jenen auf den Polizeiliegenschaften in Linz und Salzburg abgebaut werden

Arbeiten und lernen

Die Flüchtlinge in der Zeltstadt in Linz hoffen inzwischen auf eine bessere Zukunft. „Ich will hier nicht herumsitzen“, sagt Munser, ein aus Syrien geflohener Berufstaucher. „Ich will arbeiten, ich will lernen, ich kann bei der Feuerwehr helfen.“ Er wünscht sich, seine Mutter nach Österreich holen zu können. Sein Zeltnachbar erzählt, dass er aus Afghanistan gekommen ist und sich zu Fuß durchgeschlagen habe. Seine Hoffnung: „Eine Wohnung.“

(APA/beba)