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Wer könnte die Zielpunkt-Filialen übernehmen?

(c) Fabry
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Bei der Vergabe der 229 Standorte spielt die Bundeswettbewerbsbehörde eine gewichtige Rolle. Andere Branchen als Lebensmittel hätten größere Chancen, sagt Theo Thanner.

Nach der Insolvenz von Zielpunkt geht es nun um eine rasche Verwertung der 229 Filialen. Dabei geht es auch um die Nahversorgung in Wien, wo Zielpunkt derzeit noch mit mehr als 100 Standorten repräsentiert ist. Theo Thanner, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) schließt zwar nicht aus, dass der eine oder andere Standort von einem Mitbewerber aus dem Lebensmittelhandel übernommen werden könnte, aber für andere Branchen sieht er größere Chancen. "Eine Schuhandelskette, die mehrere Standorte übernehmen möchte, hätte kein Problem", sagte Thanner im "Ö1-Morgenjournal".

Für die drei Marktführer im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel (Rewe, Spar und Hofer), die den Markt zu mehr als 80 Prozent beherrschen, stehen die Chancen auf ein Ok der BWB also schlecht. Dies könnte jedoch der Nummer vier am Markt, dem Diskonter Lidl, Möglichkeiten für eine schnellere Expansion in Wien ermöglichen, wo mehr als die Hälfte der Zielpunkt-Standorte liegen. „In einer Stadt mit bald zwei Millionen Menschen haben wir Aufholbedarf“, hieß es in einem Gespräch mit der "Presse". Mit nur 27 von 203 Filialen sei der Diskonter in der Hauptstadt unterrepräsentiert.

Kartellrecht ändern?

Aber jeder einzelne Fall werde geprüft, so der BWB-Chef. Als gesetzliche Kriterien nennt er den Weg für die Konsumenten, die Entfernung zu den Mitbewerbern und die Platzierung der Standorte. Problematisch wird es vor allem, wenn ein Handelskonzern in einem Bezirk mehr als 30 Prozent Marktanteil hat - speziell im Osten Österreichs.

Nun wird jedoch der Ruf nach einer Änderung im Kartellrecht laut, sollten andere Lebensmittelhändler Filialen übernehmen. Aus Sicht des Geschäftsführers des Handelsverbands, Rainer Will, ist dazu nur eine Verordnung nötig, wie er am Mittwoch im Ö1-"Mittagsjournal" meinte. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) deutete gestern etwas in diese Richtung an, wobei hier offenbar nicht mit einer raschen Lösung zu rechnen ist. 

Kein Boom im Handel

Dass die Standorte möglichst rasch übernommen werden, liegt im Interesse aller Beteiligten, vor allem der 2700 Zielpunkt-Mitarbeiter. Zu großer Optimismus ist aber nicht angesagt. Der heimische Handel ist von einer Boomphase derzeit weit entfernt. Lebensmittelgeschäfte haben auch andere Anforderungskriterien an die Lage eines Standortes. Zudem könnten potentielle Interessenten aus anderen Branchen auch noch das bevorstehende Weihnachtsgeschäft abwarten.

Im Nachfolgespiel der Standorte kommt neben der BWB Zielpunkt-Masseverwalter Georg Freimüller eine wichtige Rolle zu. Erfahrung mit Handelinsolvenzen bringt Freimüller jedenfalls mit. Er war unter anderem schon bei der Pleite des Elektrohändlers Niedermeier Masseverwalter. Thanner betont, es sollten möglichst viele Filialen einen neuen Betreiber finden. Seine Behörde werde über Anfragen von Interessenten möglichst rasch und unkompliziert entscheiden.

>> Bericht im "Ö1-Morgenjournal"

(red./herbas)