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Amoklauf in USA: Täter "lebte den amerikanischen Traum"

Sicherheitsbeamte
SicherheitsbeamteREUTERS
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Beide Verdächtige waren Muslime, die Frau stammte aus Saudi Arabien, sie hinterließen eine sechs Monate alte Tochter. Die Polizei schließt einen Terrorakt nicht aus.

Sie standen wie jeden Morgen gemeinsam auf und machten sich in aller Ruhe fertig, um aus dem Haus zu gehen. Dem sechs Monate alten Töchterchen gaben sie noch einen Kuss und ließen es in der Obhut der Großmutter zurück. "Wir haben einen Arzttermin", sagten sie zu der Frau.

Wenige Stunden später erschienen Syed Rizwan Farook (28) und seine Frau Tashfeen Malik (27) in Kampfanzügen und mit halbautomatischen Gewehren bei einer Weihnachtsfeier in einem Sozialzentrum in San Bernardino im US-Staat Kalifornien und eröffneten das Feuer. 14 Menschen starben und 17 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei erschoss die beiden Täter in ihrem schwarzen Geländewagen, in dem sie geflüchtet waren.

Farook, soll vor Kurzem nach Saudi-Arabien gereist und von dort mit einer neuen Frau zurückgekehrt sein, die er im Internet kennengelernt habe. Auch die 27-Jährige, Tashfeen Malik, wurde von der Polizei getötet. Das Ehepaar soll eine sechs Monate alte Tochter gehabt haben. Das berichtete die "Los Angeles Times" am Donnerstag unter Berufung auf Ex-Kollegen des Täters.

Farook arbeitete seit fünf Jahren als Umweltexperte für den Gesundheitsdienst der Stadt, deren Mitarbeiter am Mittwoch zu einer Weihnachtsfeier versammelt waren, erklärte Polizeichef Jarrod Burguan. Seine Kollegen zeigten sich schockiert darüber, dass Farooks Name in Verbindung mit der Bluttat steht. Er sei stets ruhig gewesen und habe keine Anzeichen von Groll gezeigt.

"Ich bin ein Muslim, der in den USA, in Kalifornien, lebt. Ich bin religiös, habe aber eine moderne, aus vier Personen - zwei weibliche und zwei männliche - bestehende Familie." So definierte sich Farook selbst auf der Internetseite iMilap.com. Er liebe es zu reisen, mit modernen und alten Autos zu arbeiten, religiöse Bücher zu lesen und ab und zu auswärts zu essen, schrieb er.

Kollegen: "Nie als Fanatiker vorgekommen"

Allem Anschein nach habe das Paar den "Amerikanischen Traum" gelebt, sagte der Gesundheitsinspektor Patrick Baccari, der sich mit Farook einen Büroplatz geteilt hatte. Man habe in den Jahren, in denen man zusammengearbeitet habe, nicht viel miteinander gesprochen. Aber der groß gewachsene junge Mann mit Vollbart sei durchaus beliebt gewesen.

Baccari und andere Ex-Kollegen berichteten weiter, Farook sei ein gläubiger Muslim gewesen, man habe in der Arbeit aber nur selten über Religion diskutiert. "Er ist mir nie als Fanatiker vorgekommen oder hat bei mir Verdacht erregt", sagte seine ehemalige Kollegin Griselda Reisinger. Sie habe außerdem gehört, dass im Büro eine Baby-Party für Farook veranstaltet worden und er auf Väterkarenz gegangen sei.

Tat offenbar im Voraus geplant

Die beiden Angreifer waren Mittwochvormitag während der Mitarbeiterfeier mit Sturmgewehren und Handfeuerwaffen in Militärkleidung gekleidet in die Sozialeinrichtung eingedrungen und hatten in einem Saal das Feuer eröffnet. Die Tat sei offenbar im Voraus geplant gewesen, sagte Polizeisprecher Burguan. Farook habe  die Veranstaltung verlassen und sei kurz darauf gemeinsam mit seiner Frau zurückgekehrt, um das Massaker anzurichten. Medienberichten zufolge war es auf der Feier auch zu einem Streit gekommen. 

Die beiden Täter entkamen anschließend in einem Geländewagen. Später wurden sie von der Polizei gestellt und bei einem Schusswechsel getötet.

Die Direktorin des Zentrums, Lavinia Johnson, berichtete gegenüber dem Sender CNN, von dramatischen Szenen. Sie habe mit ihren Mitarbeitern im Gebäude gewartet, bis sie von Polizisten nach draußen geführt worden sei. "Es war ein sehr traumatisches Ereignis für uns. "Angehörige warteten vor dem Gebäude voller Angst auf Nachrichten. "Es dauerte eine Stunde, bis ich erfuhr, dass es meiner Tochter gut geht", sagte eine 63-Jährige.

Einer Beobachtungsstelle zufolge war es bereits die 351. Massenschießerei in den USA in diesem Jahr, bei der mindestens vier Menschen angeschossen wurden.

Obama: „Ein Muster von Massenschießereien in diesem Land“

US-Präsident Barack Obama mahnte in einer ersten Reaktion auf die Ereignisse ein Mal mehr eine Verschärfung der laxen Waffengesetze an, um der Gewalt Einhalt zu gebieten: „Wir können Schritte machen, um die Chancen zu verbessern, dass sich diese Massenschießereien nicht so oft zutragen", sagte er dem Sender „CBS“. Es gebe „ein Muster von Massenschießereien in diesem Land, das es nirgendwo sonst auf der Welt gibt". Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton schrieb auf dem Onlinedienst Twitter: „Ich weigere mich, das als Normalität zu akzeptieren. Wir müssen handeln, um die Waffengewalt jetzt zu stoppen."

Nach einem Angriff auf eine Volksschule in Newtown, bei dem vor drei Jahren 20 Kinder getötet worden waren, hatte Obama erstmals versucht, die Waffengesetze zu verschärfen. Der Lobbyverband National Rifle Association (NRA) lief dagegen aber Sturm, der Vorstoß scheiterte wenige Monate später im Senat. Auch weitere Versuche Obamas liefen ins Leere. Das Recht auf Waffenbesitz ist in der US-Verfassung verbrieft, Schätzungen zufolge befinden sich rund 300 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz.

(APA/AFP)