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Schafft der China-Absturz die Goldwende?

THEMENBILD: 'GOLD'
Symbolbild GoldAPA/ROBERT JAEGER
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Das Edelmetall hat seit Jahresbeginn einen Zwischenspurt hingelegt, die echte Trendwende ist das aber nicht.

Der Absturz der Weltbörsen hat Gold wieder zum Glänzen gebracht: Erstmals seit Anfang November ist die Edelmetallnotierung, die zwischenzeitig ernsthaft auf einen dreistelligen Wert zusteuerte, wieder über 1100 Dollar je Feinunze gestiegen. Gold-Aficionados schwärmen jetzt schon wieder davon, dass das Edelmetall dabei sei, die Sichere-Hafen-Funktion wiederzuerlangen, die es in den vergangenen Jahren verloren hat.

Man muss den jüngsten Anstieg freilich ein wenig relativieren: Vor einem Jahr kostete die Feinunze noch fast 1300 Dollar, und gegenüber dem Höchststand im Spätsommer 2011 beträgt der Verlust immerhin fast ein Drittel. Vorläufig haben wir es also mit einer kleinen Gegenbewegung sehr weit unten zu tun – die schon am Freitag wieder eine kleine Pause einlegte.

Aber immerhin: Die Konjunktur läuft nicht gut, die Aktienmärkte stehen vor einem sehr schwierigen Jahr. Wenn das Gold noch der sichere Hafen in Krisenzeiten sein sollte, dann müsste jetzt eigentlich die Trendwende kommen.

Viele Marktbeobachter zweifeln freilich daran. Zwar ist die physische Nachfrage nach dem Edelmetall neuerdings recht groß, aber der Bestand von Papiergold (etwa in Form von Derivaten) beträgt ein Vielfaches der Goldbestände. Der Preis wird demnach maßgeblich nicht von der echten Edelmetallnachfrage bestimmt, sondern an den Börsen „gemacht“.

Dort regiert alles andere als Optimismus. Der Überhang jener Anleger, die auf Preisverfall spekulieren, war noch selten so hoch wie jetzt. Die Fundamentaldaten sprechen freilich dafür, dass die Notierung des Edelmetalls jetzt zumindest in der Nähe ihres Tiefpunktes angekommen sein könnte. Vor allem dann, wenn sich der zu Jahresbeginn gestartete China-Crash noch ausweitet und die Weltwirtschaft stärker in Mitleidenschaft zieht.

Für diesen Fall erwarten Marktbeobachter, dass die US-Notenbank Fed die eingeleitete Zinswende nicht nur stoppt, sondern die geldpolitischen Zügel auch weiter lockert. Das würde den stark gewordenen Dollar wieder schwächen – und dem Goldpreis nützen.

Ob das wirklich für eine nachhaltige Trendwende reicht, ist allerdings umstritten. Die Funktion als Krisenmetall scheint dem Edelmetall nämlich weitgehend abhandengekommen zu sein. Zumindest sieht es kurzfristig danach aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2016)