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Türkei: Opposition wirft Ankara Massaker an Kurden vor

TURKEY-KURDS-UNREST
Proteste in Stadt Cizre/ Südostanatolien(c) APA/AFP/ILYAS AKENGIN (ILYAS AKENGIN)
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Kurdenpolitiker behauptet, Regierungstruppen hätten 60 Personen in einem Keller gezielt getötet.

Istanbul. Während die Welt gebannt auf die Krise in Syrien blickt, eskaliert der Krieg im türkischen Kurdengebiet. Bei den bereits seit Wochen andauernden Gefechten zwischen türkischen Sicherheitskräften und kurdischen Kämpfern in Südostanatolien sollen Soldaten jetzt ein Massaker an rund 60 Menschen verübt haben, die in einem Keller Schutz vor dem Beschuss mit schweren Waffen gesucht hatten.

Der Parlamentsabgeordnete Faysal Sariyildiz von der Kurdenpartei HDP berichtete von mehreren Dutzend verbrannten Leichen, die in einem Keller in der Stadt Cizre gefunden worden seien. Sariyildiz sprach gegenüber dem Nachrichtenportal „Diken“ von einer „fürchterlichen Grausamkeit“. Die Verantwortlichen gehörten vor das Kriegsverbrechertribunal gestellt.

Auch die säkularistische Oppositionspartei CHP spricht von einem schweren Verdacht einer außergerichtlichen Hinrichtung wehrloser Menschen. CHP-Vize Sezgin Tanrikulu verwies darauf, dass es in der Umgebung des Gebäudes zur fraglichen Zeit keine Gefechte gegeben habe. Er geht deshalb davon aus, dass die Menschen nicht bei Kämpfen umkamen, sondern gezielt getötet wurden. Tanrikulu forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle.

Doch dafür sieht die Regierung keinen Anlass. Sie dementiert die Berichte; Innenminister Efkan Ala tat die Vorwürfe mit der Bemerkung ab, der besagte Keller existiere überhaupt nicht. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu betonte, die Sicherheitskräfte bekämpften ausschließlich „Terroristen“ und seien sehr darauf bedacht, Zivilisten zu schonen. Zweifel an dieser Darstellung kamen unter anderem deshalb auf, weil die erste Meldung über die 60 Toten nicht von pro-kurdischen Medien kam, sondern vom regierungsnahen Staatssender TRT.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan kritisierte indessen die USA scharf, weil diese kurdische Kampftruppen in Syrien unterstützen. Er macht Washington für ein „Blutbad“ in der Region verantwortlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2016)