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Nach Kritik: Gymnasien dürfen neue Oberstufe verschieben

(c) Die Presse (Fabry)

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erlaubt den AHS, den Start der neuen Oberstufe um bis zu zwei Jahre zu verzögern.

Die Elternvertreter orteten erst kürzlich eine „hohe Verunsicherung“ und „einige Baustellen“ bei der Umstellung der Gymnasien auf die sogenannte neue Oberstufe. Selbst die AHS-Administratoren warnten vor einem Wechsel auf das neue System. Nun lenkt das Bildungsministerium, wie „Die Presse“ erfahren hat, ein. Die neue Oberstufe soll nicht wie geplant ab Herbst 2017 verpflichtend sein. Die Schulstandorte dürfen den Start autonom um bis zu zwei Jahre nach hinten verschieben. Erst im Herbst 2019 soll es die neue Oberstufe, auch als modulare Oberstufe bekannt, dann in ganz Österreich geben.

„Das Bildungsministerium schlägt eine entsprechende Gesetzesänderung vor, die noch vor dem Sommer beschlossen werden könnte“, hieß es gegenüber der „Presse“. Die Möglichkeit zur Verschiebung soll allerdings nur für die Gymnasien gelten – und nicht für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), an denen die neue Oberstufe ebenso eingeführt wird. Von BMHS-Seite habe es keine Signale, dass eine Verschiebung gewünscht werde, gegeben.

Mit der neuen Oberstufe wird sich ab der zehnten Schulstufe so einiges ändern – de facto wird damit nämlich das Sitzenbleiben weitgehend abgeschafft. Der Lernstoff wird in je ein Semester umfassende Module unterteilt. Das hat zur Folge, dass bei einem Nicht genügend in einem Fach nicht die ganze Klasse wiederholt werden muss, sondern nur das jeweilige Modul. Dieses kann zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Mit bis zu zwei Nicht genügend kann ein Schüler aufsteigen. Spätestens bis zur Matura müssen aber alle Module positiv abgeschlossen sein.

Von der neuen Oberstufe sind 742 Schulstandorte betroffen. Derzeit werden an 200 Standorten Schulversuche zur neuen Oberstufe betrieben – wobei diese nur wenig mit einem „echten“ Modulsystem zu tun haben. Ein solches würde den Schülern deutlich mehr Flexibilität bringen. Es könnten einzelne Fächer abgewählt und anderen vertiefend belegt werden.

Mehr Schulabbrecher befürchtet

Doch selbst die nun geplante Light-Version machte in der Umstellung zuletzt Probleme. Die Eltern warnten davor, dass es mehr Schulabbrecher geben könnte. Schüler müssten ihre gesammelten negativen Module nämlich vor der Matura noch positiv abschließen – wenn sie sich eigentlich der vorwissenschaftlichen Arbeit und der Maturavorbereitung widmen sollten. Die AHS-Administratoren sahen wiederum Schwierigkeiten bei der durch das Modulsystem komplexer werdenden Schülerverwaltung.

Im Bildungsministerium zeigt man sich betont gesprächsbereit: „Die AHS-Schulleiter können am besten beurteilen, wie sehr die bisherigen Reformmaßnahmen an ihrer Schule bereits im Schulalltag verankert sind, und wann die Zeit reif für den nächsten Umsetzungsschritt ist.“ Umgesetzt wird nach und nach – also Schule für Schule.

(Von Julia Neuhauser)