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Die Verlierer von TTIP

Überschwemmt billiges Rindfleisch aus den USA den heimischen Markt? Die Angst davor gibt es jedenfalls.
Überschwemmt billiges Rindfleisch aus den USA den heimischen Markt? Die Angst davor gibt es jedenfalls.(c) Bloomberg (Carla Gottgens)
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Das Handelsabkommen mit den USA nützt Österreich, schadet jedoch der Landwirtschaft.

Wien. Gerhard Drexel ist nicht gerade der größte Freund des Transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP. Der Chef der Handelskette Spar überreichte Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter bereits vor zwei Jahren ein „Manifest zur Erhaltung der österreichischen Qualitäts-Landwirtschaft“, das sich gegen das Abkommen mit den USA richtete. Am gestrigen Mittwoch hat Spar nun gemeinsam mit Bio Austria und Greenpeace eine Studie präsentiert, die TTIP erneut in ein schiefes Licht rückt. Die mit der Untersuchung beauftragten Institute IHS und ÖFSE sind denn auch zu folgendem Ergebnis gekommen: TTIP kostet Österreich nicht nur Arbeitsplätze, sondern beschleunigt zudem das Bauernsterben.

Zwar würde TTIP der heimischen Volkswirtschaft auf lange Sicht positive Wertschöpfungseffekte im Volumen von rund 360 Mio. Euro bringen. Doch für die Landwirtschaft gelte dies nicht. Dort würden in einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren Verluste von rund 56 Mio. Euro anfallen. Hinzu kommen negative Auswirkungen auf die Nahrungsmittelbranche, die sich auf 46 Mio. Euro summieren. Das träfe auch die Zahl der Beschäftigten. Unter dem Strich gingen in Österreich durch TTIP rund 1120 Arbeitsplätze verloren. Während aber im Metallbereich und bei Sachgütern mehr Menschen in Beschäftigung geraten, tritt in den Sektoren Landwirtschaft und Nahrungsmittel der umgekehrte Effekt ein. Langfristig komme es dort zu einem Abbau von rund 4670 Jobs. Letzten Endes stünden den langfristigen Beschäftigungsverlusten jedenfalls keine markanten Wertschöpfungsgewinne gegenüber, wie es heißt.

Grund für die Schlechterstellung des Agrarbereichs sind unter anderem bestehende Handelshemmnisse, die durch TTIP entweder teilweise oder zur Gänze wegfallen könnten. Davon betroffen sind etwa sanitäre Standards und Zölle, die in Europa deutlich höher sind. Hinzu kommt, so die Studienautoren, dass relativ produktivere Unternehmen wachsen, während weniger wettbewerbsfähigere schrumpfen. Die heimische Landwirtschaft hätte durch TTIP zwar die Chance, ihre Exporte in die USA um mehr als 100 Prozent zu steigern, doch die USA würden mit einem Zuwachs von 530 Prozent viel stärker profitieren.

Die Angst vor US-Rindern

Besorgt blickt man vor allem auf die Marktöffnung des amerikanischen Rindfleischsektors. Spar-Chef Drexel zufolge wird US-Rindfleisch größtenteils mit Wachstumshormonen erzeugt. Zudem würden die Tiere früher auf die Schlachtbank geführt, was die Produktionskosten erheblich nach unten drücke.

Daran aber würde die heimische Landwirtschaft zugrunde gehen, warnt Drexel. Oder aber man senke die hierzulande geltenden Standards. „Es ist eben eine Tatsache, dass 30 bis 40 Prozent der Konsumenten auf den Preis achten müssten“, sagt Drexel. Stehe das billige US-Fleisch in Konkurrenz zu heimischer Ware, die dann auch noch teurer sei, werde dem Rind aus Amerika wohl der Vorzug gegeben – und das nicht nur im Massengeschäft.

Nikolaus Morawitz, der in der Landwirtschaftskammer für Internationale Beziehungen zuständig ist, warnte Drexel „eindringlich vor Stimmungsmache“. Er stellte zudem klar, dass die Einfuhr von Antibiotika-Rindfleisch aus den USA schon durch bestehende Abkommen nicht möglich sei. Wie andere Studien auch gezeigt hätten, hätten die USA durch TTIP potenziell bessere Chancen, räumt Morawitz ein. Dies hänge aber sehr davon ab, wie das Freihandelsabkommen am Ende ausgehandelt werde. (nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2016)