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Erster Nur-WU-Absolvent wird Anwalt

Oliver-Christoph Günther
Oliver-Christoph Günther(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Oliver-Christoph Günther, 31-jähriger Jurist aus Wien, ist der Erste, der ausschließlich mit einer juristischen Ausbildung an der WU Rechtsanwalt wird.

Wien. Als die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) ab Beginn der Nullerjahre das Bachelor-Studium Wirtschaft und Recht anbot, war von einer Ausbildung für die juristischen Kernberufe Anwalt, Richter und Notar noch keine Rede. Erst als mit Herbst 2006 das neu konzipierte Wirtschaftsrecht gestartet wurde, war klar, dass mit dem aus Wirtschafts- und Rechtswissenschaften zusammengesetzten Studium samt aufbauendem Master der Zugang zu den Kernberufen geöffnet war. Trotzdem hat es länger gedauert, bis der Erste dort ankommen ist.

 

Paralleles Wirtschaftsstudium

Und zwar bis jetzt: Mit dem 31-jährigen Wiener Oliver-Christoph Günther wird in einigen Wochen erstmals ein Rechtsanwalt angelobt werden, der seine juristische Ausbildung ausschließlich an der WU bezogen hat. Günther hat das Bachelor-Studium Wirtschaftsrecht gleich zu dessen Start inskribiert. Schon im Oktober 2008, als er auch ein betriebswirtschaftliches Studium an der WU abgeschlossen hat, hat er das Masterstudium aus Wirtschaftsrecht begonnen. Um es 2011 mit einem Master of Laws (LL.M.) abzuschließen.

Seither arbeitet Günther in der internationalen Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer in Wien. „In einer solchen Kanzlei ist der wirtschaftsrechtliche Bezug ein großer Benefit“, sagt Günther zur „Presse“. Das Wissen, wie das Geschäft des Mandanten funktioniert, sei sehr wichtig. „Nur so ist eine Beratung sinnvoll möglich“, sagt Günther. Spätestens für eine Angelobung als Anwalt Anfang Juli hat er die nötige fünfjährige praktische Ausbildung hinter sich; die Anwaltsprüfung hat er bereits im Jänner 2015 abgelegt.

Würde er, Günther, das Studium Wirtschaftsrecht für den Anwaltsberuf empfehlen? Man müsse sich zu Beginn des Studiums fragen, in welche Richtung man gehen wolle, sagt er. Wer einen wirtschaftsnahen Bezug wünsche, dem sei die WU zu empfehlen; für einen klassischen Strafverteidiger oder einen Familienrechtler passe (in Wien) das Juridicum besser.

 

Studienplan wird umgestellt

Die WU hat indessen ihren Studienplan umgestellt, nachdem die Studierenden es in mehrfacher Hinsicht kritisiert haben: So kommt die Einführung in die Rechtswissenschaften erst jetzt in die Studieneingangs- und Orientierungsphase (sodass sich die Studierenden früher klar werden, ob Jus überhaupt das Richtige für sie ist). Die Anrechnung von Auslandssemestern wird vereinfacht. Der Privatrechtblock, von vielen als größte Hürde empfunden, soll besser strukturiert und vermittelbar werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2016)