Essen mit Habibis und Hawaras

FLUeCHTLINGE BETREIBEN RESTAURANT 'HABIBI & HAWARA'
David Kreytenberg (L), Martin Rohla (R) und Katha SchinkingerAPA/GEORG HOCHMUTH

Im neuen Habibi und Hawara kochen ab kommender Woche Geflüchtete. Spannend ist das Projekt aber auch wegen seiner Finanzierung.

Nach außen hin ist es eine ganz normale Lokaleröffnung – sprich: Wenige Tage vor dem Opening herrscht Baustelle. Aber Martin Rohla ist entspannt: Bis Mittwoch geht sich alles aus, auch wenn im ehemaligen Gasthaus Börse, dort, wo früher das Traditionsrestaurant Fadinger residierte, noch gewerkt wird und gescherzt, wenn eben erst die alten Tische und Stühle mit kreativ-simplem Designkonzept modernisiert werden und man unter all den jungen Männern gar nicht erkennt, welcher denn der junge Syrer ist, der hier mitwirkt.

Genau das – selbstverständliches Miteinander – ist auch das Ziel des Habibi und Hawara in der Wipplingerstraße gegenüber des Holmes Place. Österreicher und Geflüchtete (dieses Wort mag man hier lieber als Flüchtlinge) sollen hier kochen und die Geschäfte schupfen, für 80 Gäste (und 35 im Schanigarten) soll es Gulasch und Lammeintopf, Blunzenradln neben Hummus geben, Gegrilltes und Veganes, mittags vier Menüs und abends Platten zum 19-Euro-Fixpreis. Was simpel klingt, hat ein großes Ziel: Man wolle mit dem Projekt zeigen, dass „wir uns auch wahnsinnig wissende Menschen reinholen, mit viel Know-how, die für uns auch abseits des Kulinarischen eine Bereicherung sein können“, sagt etwa Mitinitiator David Kreytenberg (jener Umtriebige, der eigentlich den Jessas Elektronikclub im Keller des ehemaligen Theater Garage X aufmachen wollte, was wegen Unstimmigkeiten mit dem Verpächter nicht zustande kam, worauf er im 7. Bezirk in der Marktwirtschaft, einem im leicht exaltiert „kuratierten“ Lebensmittelmarkt, das Restaurant Die Liebe eröffnete.) „Wir wollen Angst nehmen“, sagt also Kreytenberg. „Es wurden in den letzten Jahrzehnten viele Fehler gemacht, in der Integration ist einiges schiefgelaufen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, es besser zu machen. Es ist ja kein kleiner Teil an Menschen, die da kommen.“

Entstanden ist die Idee zum Lokal aus der „Hosten statt Posten“-Aktion der Stadtflucht Bergmühle. Deren Gründer Martin Rohla folgt dem Ansatz, mit dem zu helfen, was man am besten kann – und in seinem Fall sei das eben: „Unternehmen gründen und auf die Beine bringen.“ In der Vergangenheit hat er das etwa mit der Wohlfühlwelt rund um die Saint-Charles-Apotheke unter Beweis gestellt.

 

Die EU investiert mit

Seit einiger Zeit ist Rohla auch eine Art Business Angel im Dienst der EU – als Engel im European Angel Fund. Statt Förderprojekte von zentraler Stelle aus zu analysieren hat der Fond diese Aufgabe quasi ausgelagert: an ausgesuchte Investoren, die selbst in innovative, nachhaltige Projekte investieren – bei denen der Angel Fund dann automatisch mit dem gleichen Betrag mitgeht. „Das bedeutet, ich kann entweder meinen Hebel verdoppeln oder mein Risiko halbieren“, sagt Rohla.

Sechs Monate sei er dafür durchleuchtet worden, immerhin ist er seither quasi mit Blankoscheck unterwegs. Europaweit sollen erst knapp 20 Leute diese Vollmacht haben. Wenn das Habibi und Hawara funktioniert, sagt Rohla, würde man das Konzept gern im Franchise-System weitergeben. Auch Kreytenberg sagt, er habe mit seiner Jessas-Agentur schon weitere Ideen in der Schublade. Und das Lokal selbst – das soll möglichst bald von einem Mitarbeiter übernommen werden.

AUF EINEN BLICK

Das Habibi und Hawara in der Wipplingerstraße 29 soll ab 4. Mai Menschen mit positivem Asylbescheid Beschäftigung bieten, gekocht wird österreichisch und orientalisch, Sprache ist (vorerst) Englisch. Dahinter stehen u. a. Martin Rohla, David Kreytenberg und die PR-Frau Katha Schinkinger. Die nötigen 250.000 Euro kommen von Good Shares und der EU, aber auch von einigen Privatinvestoren, darunter Christian Konrad, Matthias Krön (Groszer Wein) oder der Familie Mayer-Heinisch. Als Slogan dient „The Austrian Oriental Friends & Food Fusion“.