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Schäuble: "Abschottung ließe uns in Inzucht verfallen"

Der deutsche Finanzminister sieht in Zuwanderern "enormes innovatorisches Potenzial". Europa müsse mehr in die Entwicklung Afrikas investieren.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Europa angesichts immer größerer Hürden für Migranten eindringlich vor einer Einigelung gewarnt. "Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit".

In Deutschland trügen Muslime zu Offenheit und Vielfalt bei: "Schauen Sie sich doch mal die dritte Generation der Türken an, gerade auch die Frauen. Das ist doch ein enormes innovatorisches Potenzial."

Zugleich forderte er einen grundlegenden Wandel im Umgang mit der arabischen Welt und Afrika: "Afrika wird unser Problem sein, wir müssen diese Aufgabe annehmen."

Mehr Unterstützung für Afrika

Angesichts der vielen Flüchtlinge aus den Krisenzonen des Mittleren Ostens und Afrikas folgert Schäuble, dass mehr finanzielle Unterstützung für die Länder nötig sei: "Eines ist doch klar für die Zukunft: Wir werden mehr im Irak investieren müssen, in Syrien und in Libyen, und dann werden wir in der Subsahara mehr für deren Entwicklung bezahlen müssen."

Zudem sollte Europa endlich seine Märkte für Produkte aus diesen Regionen öffnen. "Die Nordafrikaner verlangen das jetzt von uns, wenn sie Flüchtlinge zurückhalten. Aber die haben doch auch recht", sagte Schäuble. In der globalisierten Welt sei es notwendig, "noch einmal eine maßvolle Revolution, einen grundlegenden Wandel ohne Übertreibung zu schaffen". Eigentlich brauchten die reichen Länder gar nicht mehr so viel Wachstum. "Lasst uns doch lieber die aufstrebenden Ökonomien des Südens stärker fördern", sagte Schäuble.

>>> Interview in "Die Zeit".

(APA/dpa)