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112 Klassen ohne Fünfer: Zentralmatura zeigt Unterschiede auf

(c) APA
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In 107 Klassen waren mehr als 50 Prozent der Maturanten in Mathematik negativ. Forscher kritisiert "Spiel mit Lebenschancen".

Die Ergebnisse der Zentralmatura sind insgesamt erfreulich. Das zu betonen wird Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) nicht müde. Diese Ansicht stützt die Ministerin unter anderem damit, dass es eine zentrale Matura auch international gebe - und im Schnitt etwa 90 Prozent der Schüler positiv abschneiden würden. Da könne sich Österreich im Vergleich sehen lassen, im Angstfach Mathematik hätten nach den Kompensationsprüfungen immerhin nur 6,9 Prozent ein Nicht Genügend.

Außerdem verweist die Ministerin immer wieder darauf, dass es in Österreich eine sehr große Streuung gebe. Das belegt etwa ein Beispiel der schriftlichen Mathe-Klausur: Es gab 112 Klassen, in denen kein einziges Nicht Genügend verteilt wurde. Dagegen aber 107 Klassen, in denen mehr als 50 Prozent negativ waren. Das zeige die Bandbreite, so Hammerschmid. Auch regional gab es starke Schwankungen: In Vorarlberg schaffte ein Drittel der AHS-Maturanten die Mathe-Klausur nicht, in Oberösterreich waren es nur 13 Prozent. 

Mathe-Beispiele waren in Ordnung

Die Qualität der Fragen sei "jedenfalls in Ordnung" gewesen. Man müsse nun schauen, wo die Defizite liegen und zuerst einmal Schwächen analysieren. Bei Lehrern, bei Schülern und doch auch bei der Fragestellung im Fach Mathematik. Denn, so die Ministerin im Ö1-Morgenjournal in Hinsicht auf mögliche Verbesserungen für die die Zentralmatura im nächsten Jahr: "Überall hinschauen, überall optimieren - und dann erhoffe ich mir bessere Resultate." Es dauere eben, das System so grundlegend umzustellen.

Dass die Fragen nicht zu schwer gewesen seien, sagte auch Jürgen Horschinegg, der Direktor des Bundesinstituts Bifie, das die Zentralmatura abwickelt. Dafür habe das Bifie schon im Vorfeld mit breit angelegten Feldtests gesorgt. Bei den Tests wurden auch jene Fragen gestellt, die dann bei der Matura kamen - und offenbar gut gelöst.

"Spiel mit Lebenschancen"

Weitaus kritischer steht Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann zur Matura. Man spiele mit den Schul- und Lebenschancen junger Menschen", sagt er gegenüber Ö1. Die großen Unterschiede bei den Ergebnissen sieht er zum Teil als "normal", etwa bei den Oberstufengymnasien. Deshalb dürfe eben so ein zentraler Test keine so entscheidende Rolle spielen.

"Das Entscheidende wäre wegzugehen von dieser primär zentralen Lösung hin zu einer teilzentralen Lösung." Vorleistungen sollten dabei eine Rolle spielen und lediglich Grundkompetenzen abgefragt werden. Aber es sei eben einfacher, an den zentralen Schrauben zu drehen als sich tatsächlich auf die Unterschiede der Schulen einzulassen.

Unterschied zum Vorjahr zeigt "Lotterie"

Weniger locker sehen die Grünen die Unterschiede beim Vergleich mit dem Vorjahr:  Bei der Zentralmatura seien die "Maturanten derzeit offenbar einer Lotterie ausgesetzt". Ansonsten sei es nicht denkbar, dass sich von einem Jahr auf das andere die Zahl der negativen schriftlichen Leistungen in Mathematik mehr als verdoppelt. "Derzeit sind wir bezüglich der Ursachen für die eklatanten Leistungsunterschiede auf Vermutungen angewiesen", bedauert Bildungssprecher Harald Walser.

Schüler sehen kein "erfreuliches Ergebnis"

Im Gegensatz zur Ministerin sind die Schüler bei 22 Prozent Fünfern in der Mathematik-Klausur gar nicht erfreut. Die Ergebnisse der Matura würden "ganz klar zeigen, dass die Matura noch keineswegs perfekt ist." Die Schülerunion fordert eine teilzentrale Matura und eine Angleichung der Hilfsmittel: „Die Verfechter des derzeitigen Zentralmatura-Systems brüsten sich mit Schlagworten wie Vergleichbarkeit und Fairness. Es ist aber keineswegs vergleichbar und fair, wenn die Spannweite bei Taschenrechnern beispielsweise von simplen Taschenrechnern bis hin zu Computerprogrammen reicht."

 

(rovi)