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Pokémon Go: Fans machen selbst vor Minenfeldern nicht Halt

Pokémon-Go-Spieler in Sydney.
Pokémon-Go-Spieler in Sydney.APA/AFP/WILLIAM WEST
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Bereits kurz nach dem Start der Augmented Reality App sind Alt und Jung dem Pokémon-Go-Wahnsinn verfallen. Behörden reagieren mit Verhaftungen und Verboten.

Als vor 20 Jahren Pokémon in Form von Gameboy-Spielen auf den Markt kam, glaubte wohl kaum jemand, dass die blauen und grünen Ungeheuer bald die Welt erobern würden. Aber innerhalb kürzester Zeit bewies der Hersteller Nintendo, dass die Jagd auf die Pocket-Monster weltweit ein vielfältiges Publikum begeistern würde.

Pokémon löste sogar eine der größten Merchandising-Wellen aus: Jedes beliebige Produkt, wie Regenschirme, Trinkflaschen oder Plüschtiere, ist in einer Pokémon-Edition erhältlich. Es folgten unter anderem eine Fernsehserie, ein Kinofilm und ein Sammelkartenspiel. Selbst die, die nicht aktiv Pokémon gespielt, oder Sammelkarten getauscht haben, kennen zumindest Pikachu, das kleine gelbe Monster mit den roten Backen.

Der damals achtjährige Paul Male erzählt heute noch von seiner Amerikareise, als er auf der Suche nach Ash Ketchums Handschuhen war. Pokémon-Trainer Ash aus der japanischen Fernsehserie trägt grüne Handschuhe, die für das Pokémon-Einfangen besonders wichtig sind. Die Suche nach seltenen Fan-Artikeln ist sozusagen ein Vorreiter für die neue Geo-Catching-App Pokémon Go.

Pokémon-Fans blockieren Verkehr

Seit 6. Juli können Pokémon-Fans auf der ganzen Welt die virtuellen Monster nun auch in Parks, auf der Straße oder am Strand einfangen. Mit der App können Spieler die Pokémon trainieren und gegeneinander kämpfen lassen. An beliebigen Standorten können die Spieler zum Beispiel Pokémon-Lockmodule oder Turnieraufforderungen platzieren, um sich mit anderen Pokémon-Jägern zu duellieren. Der Hype um die Pocket-Monster ist zurück.

Die Augmented Reality App, die reale und virtuelle Welt verbindet, schafft es jetzt schon seit einigen Tagen mit den skurrilsten Geschichten in die Medien. Die App, die durch Standortermittlung und die Smartphone-Kamera eine virtuelle Pokémon-Welt schafft, hat schon zu unzähligen Unfällen, Überfällen, aber auch interessanten Funden geführt.

Im New Yorker Central Park sichteten Spieler unlängst ein seltenes Aquana, ein fischartiges Pokémon mit Flossen und Kiemen. Ein Youtube-Video zeigt, wie die Menschenmassen auf das Pokémon zuliefen. Wie ferngesteuert, ohne Rücksicht auf die Umgebung, brachten die selbst erklärten Monsterjäger den Verkehr zum Stillstand, um mit ihrem Smartphone das Pokémon zu fangen.

In Encinitas im US-Bundesstaat Kalifornien stürzten zwei Anfang 20-Jährige, bei dem Versuch, ein Pokémon zu fangen, eine 30 Meter hohe Klippe herab. In Auburn, New York, fuhr ein 28-jähriger, der Pokémon Go spielte, gegen einen Baum. Sie überlebten, doch nicht alle hatten so viel Glück.

In einem anderen US-Bundesstaat fand eine 19- Jährige statt eines Pokémons eine Leiche: Auf der Jagd nach den kleinen Ungeheuern stieß sie bei einem Flussufer auf einen toten Mann. Kriminelle in Missouri setzten eine virtuelle Turnieraufforderung auf einen verlassenen Parkplatz und warteten bewaffnet auf einen Spieler, um ihn dann auszurauben. Andere Spieler wurden des Drogenhandels verdächtigt, da sie nachts alleine im Park unterwegs waren und so einige haben sich schlichtweg verirrt.

Neues Geschäftsmodell

Drei jungen Männern in Saudiarabien droht nun sogar eine Haftstrafe. Sie waren auf dem Flughafen der Stadt Dschasan im Südwesten des Landes auf der Suche nach den kleinen Monstern. Laut einem Rechtsgutachten aus dem Jahr 2001 ist Pokémon in dem arabischen Land verboten. Nach Ansicht des Ständigen Komitees für Rechtsfragen handelt es sich um ein Glücksspiel, was im Islam grundsätzlich untersagt ist.

Neuerdings können Spieler auch Pokéstops, also Orte, an denen verschiedene Utensilien für die digitalen Kreaturen gesammelt werden, und Arenen für Turniere, bei dem Software-Entwickler Niantic beantragen. Gedacht war diese Funktion ursprünglich für ländliche Umgebungen, denen es noch an Spielorten mangelt. Viele Unternehmen aber nutzen den Vorteil und locken Kunden mit Pokéstops in ihre Geschäfte.

Kreativ war etwa ein Düsseldorfer: Er hatte die Idee, ein Pokémon-Taxi anzubieten, um die Spieler für 20 Euro die Stunde zu den verschiedenen Arenen und Pokéstops der Stadt zu fahren.

Vom Tinder- zum Pokémon-Go-Match

Außerdem hat sich auf der Monstersuche offenbar schon das eine oder andere Pärchen gefunden: Auf Twitter berichteten bereits viele Spieler und Spielerinnen über ihre romantischen Pokémon-Verabredungen. Früher suchten junge Menschen noch nach einem sogenannten Match auf der Dating-App Tinder, mittlerweile lernen sie sich beim Pokémon-Go-Spielen kennen.

 

Die Spieler machen vor nichts und niemandem Halt. Der Slogan heißt ja auch, "Gotta catch'em all!" ("Komm, schnapp sie dir!") Nicht umsonst baten einige Krankenhäuser, Gedenkstätten und Kirchen, wie der Stephandsdom, bereits darum, das Spielen in ihren Einrichtungen zu unterlassen. In Bosnien sorgen die Pokémon-Fans bei den Behörden für besonderes Unbehagen: Nachdem App-Nutzer auf Monsterjagd mit Minen verseuchte Gebiete betreten hatten, forderte die Regierung ausdrücklich dazu auf, die gefährlichen Regionen zu meiden.

Auch das Betreten privater Grundstücke ist übrigens strengstens verboten - genauso wie das Spielen während dem Autofahren. Die Verkehrsbehörde im US-Bundesstaat Arizona sah sich bereits gezwungen, Autofahrer in einem Verkehrsschild zur Vorsicht zu mahnen: "Pokémon Go ist während dem Fahren ein No-Go".