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Heute vor... im August: Weltfriedenskongress in Genf eröffnet

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Solange die Kinder im engsten Geiste eines Nationalismus erzogen werden, ist keine Besserung möglich, heißt es in der Eröffnungsrede.

Neue Freie Presse am 31. August 1926

Der fünfundzwanzigste Weltfriedenskongreß wurde von dem Präsidenten der Genfer Friedensgesellschaft, Favre, in der Viktoriahalle mit der berühmten Alabamaglocke eröffnet, die zum erstenmal beim ersten internationalen Schiedsgericht in einem Saale des Genfer Rathauses aus Anlaß des berühmten Streitfalles zwischen England und den Vereinigten Staaten benützt wurde. Der Rathaussaal trägt seither den Namen Alabamasaal. Nach den ausführlichen Begrüßungen der anwesenden Regierungsvertreter hielt Professor Rappard, der Rektor der Genfer Universität, eine Rede, in der er die Frage der Souveränität behandelte, die der Völkerbund als Bund der Regierungen natürlich nur als Staatssouveränität verstehen kann. Mit der Souveränität der Völker, sagte er, ist das durchaus nicht mehr identisch. Um die öffentliche Meinung wirklich zu beeinflussen, müßte man die Erziehung der Jugend reformieren, denn solange die Kinder im engsten Geiste eines Nationalismus erzogen werden, der nur seine eigenen Interessen kennt und die berechtigten Interessen anderer verletzen zu dürfen glaubt, ist keine Besserung möglich.

Als nach dem Vortrage Rappards der deutsche Reichstagspräsident Loebe unter den Zuhörern bemerkt wurde, ging der französische Abgeordnete Boyer auf Loebe zu und führte ihn unter dem stürmischen Beifall der Versammlung auf die Ehrentribüne. Am Schluß der Sitzung hielt der belgische Senator Lafontaine eine Rede, in der er unter starker Kritik am Völkerbunde erklärte, daß dieser Kongreß hauptsächlich finanziellen und ökonomischen Fragen gewidmet sein werde, während der letzte Genfer Friedenskongreß 1912 freilich mit geringem Erfolge gegen den politischen Imperialismus gewesen sei.

 

Hindenburg zum Generalstabschef ernannt

Der deutsche Kaiser macht den Generalfeldmarschall zum neuen Chef des Generalstabes der gesamten deutschen Feldarmee.

Neue Freie Presse am 30. August 1916

Der deutsche Kaiser hat den volkstümlichsten Feldherrn der deutschen Armee, den Generalfeldmarschall v. Hindenburg, der eine der größten militärischen Figuren ist, die sich in diesem Kriege hervorgetan haben, zum Chef des Generalstabes der gesamten deutschen Feldarmee ernannt. Der neue Chef des deutschen Generalstabes ist in Deutschland durch die Schlachten bei Tannenberg und an der Grenze zwischen Ostpreußen, Westpreußen und Rußland, in denen er die russischen Armeen aufs Haupt schlug und das Deutsche Reich vor dem Einbruch des Feindes beschützte, zur größten Volkstümlichkeit gelangt. Der neue Chef des deutschen Generalstabes hat sodann einen hervorragenden Anteil an dem Siegesfeldzuge des Jahres 1915 in Rußland gehabt.

Generalfeldmarschall v. Hindenburg steht im Alter von 69 Jahren. Er hat den Krieg des Jahres 1870 gegen Frankreich mitgemacht und ist im Frieden bis zum kommandierenden General aufgerückt. Mehrere Jahre vor Ausbruch des europäischen Krieges war er in den Ruhestand getreten und wurde einige Wochen nach Kriegsbeginn aus Hannover geholt, um den Befehl über die in Ostpreußen kämpfende deutsche Armee zu übernehmen. Nach seinen Erfolgen in Polen hat ihn der Kaiser zum Generalfeldmarschall ernannt.

 

Touristen in Italien unter Spionageverdacht

Französische Touristen wurde nahe der Grenze festgenommen.

Neue Freie Presse am 29. August 1926

Die Pariser Blätter berichten aus Marseille, daß in der letzten Zeit zahlreiche Klagen bei der dortigen Präfektur über schlechte Behandlung französischer Touristen in Italien einlaufen. In den letzten Tagen wurden Franzosen, die in einem Autobus aus Marseille über die französische Grenze gerieten, von Karabinieri festgenommen und nach einer Polizeiwache abgeführt, wo sie erst nach langer Untersuchungshaft freigesprochen wurden. Heute ereignete sich ein neuer, ernsterer Zwischenfall. Eine Gruppe von Marseiller Touristen, die sich dicht an der Grenze in der Sommerfrische befand, machten einen Ausflug nach einem italienischen Dorfe in unmittelbarer Nähe der Grenze. Einer von ihnen hatte einen photographischen Apparat bei sich. Kaum im Dorfe angelangt, wurden sie von Karabinieri festgenommen und unter der Beschuldigung des Spionageverdachtes nach einem Gefängnis gebracht, wo sie sich zurzeit in Haft befinden. Sie wandten sich telegraphisch nach Marseille an die Behörden, um ihre Freilassung zu erreichen.

 

Der Kriegseintritt Rumäniens

In diplomatischen Kreisen bestehe “gar kein Zweifel, daß die Gruppe der Mittelmächte auch mit dieser Schwierigkeit fertig werden wird.”

Neue Freie Presse am 28. August 1916

Gestern nachts ist der königlich rumänische Gesandte im Ministerium des Äußern erschienen, um eine Note zu übergeben, derzufolge sich Rumänien ab 27. August, 9 Uhr abends, als im Kriegszustande mit Österreich-Ungarn befindlich betrachtet.

Nach den Eindrücken in diplomatischen Kreisen, die uns bekannt geworden sind, wird die Lage ruhig und sicher beurteilt. Dort besteht gar kein Zweifel, daß die Gruppe der Mittelmächte auch mit dieser Schwierigkeit fertig werden wird. Das ist die Auffassung in den ernstesten politischen Kreisen.

 

Neue Steuern zur Finanzierung des Krieges

“Was früher als eine große Einnahme oder als eine bedeutende Ausgabe erschien, verschwindet heute gegenüber den in das Riesenhafte angewachsenen Bedürfnissen”, schreibt die “Presse”.

Neue Freie Presse am 27. August 1916

In der nächsten Zeit sind Erhöhungen der direkten und indirekten Steuern sowie sonstiger Abgaben in Aussicht genommen. Daß für den Staat früher oder später neue Einnahmsquellen erschaffen werden müssen, war zur Gewißheit geworden, nachdem sich, ebenso wie in allen anderen Ländern, die in den Weltkrieg verwickelt sind, auch in der Monarchie gezeigt hatte, daß er Kosten erfordert, deren Bedeckung nicht durch die bisherigen Zuflüsse erfolgen kann. Der Krieg hat ein neues Ziffernmaß geschaffen; was früher als eine große Einnahme oder als eine bedeutende Ausgabe erschien, verschwindet heute gegenüber den in das Riesenhafte angewachsenen Bedürfnissen. Der Finanzminister hat Milliarden zu beschaffen. Die Kriegsanleihen umfassen bisher 13 ½ Milliarden und ihr jährlicher Zinsendienst macht rund 748 Millionen aus, also einen Betrag, der nicht viel weniger als ein Viertel der gesamten Summe des österreichischen Budgets im letzten Friedensjahre ausmacht. (...)

Die Steuerträger würden die Opfer, die ihnen nun auferlegt werden, leichter ertragen, wenn sie glauben dürften, daß für absehbare Zeit die Steuern, die jetzt erhöht werden sollen, nicht mehr als neue Einnahmsquellen in Betracht kommen werden. Vielleicht wird es möglich werden, daß ein Ruhepunkt in der Ausgestaltung dieser Steuergattungen eintreten wird. Das ist eine Hoffnung, denn voraussehen lassen sich die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten ganz besonders in einer Zeit nicht, in der die Kriegführung ungeahnte Größen geschaffen hat. Die Bevölkerung hat sich allen Notwendigkeiten des Krieges opferwillig gefügt, und die Monarchie hat eine erstaunliche wirtschaftliche Kraft gezeigt.

 

Nihilisten-Nest ausgehoben

Fast hielt man die Nihilisten in Russland schon für ausgestorben.

Neue Freie Presse am 26. August 1886

Aus Odessa wird uns berichtet: Während man eine zeitlang die Nihilisten fast schon für ausgestorben hielt, wurde dieser Tage von der hiesigen Polizei wieder ein Nihilisten-Nest ausgehoben, wobei etwa dreißig junge Leute, Studenten, Schriftsetzer, Lithographen, sowie Beamte verhaftet wurden. Im Quartier dieser aus je 5 bis 6 Personen bestehenden Zirkel wurden Proclamationen, Exemplare der Narodnaja Wolja, sowie verschiedene verbotene Werke gefunden, welche darauf hindeuten, daß die Gesellschaft Propaganda unter den Arbeitern Süd-Rußlands machte, um dieselben gegen die Behörden aufzuwiegeln. Ein Accise-Beamter, welcher vor zwei Jahren selbst den geheimen Zirkel bildete, soll sämtliche Personen der Polizei denunciert haben, weil dieselben ihn von ihrer Vereinigung ausschlossen und selbständig operieren wollten. Sämtliche Verhafteten wurden sofort administrativ aus der Stadt gebracht, wie es heißt nach der Peter-Pauls-Festung in Petersburg.

 

Zeitungskolporteure genießen Mieterschutz

Der Kolporteur stelle einen neuen juristischen Begriff dar, urteilt ein Gericht.

Neue Freie Presse am 25. August 1936

In einem interessanten Urteil löste das Bezirksgericht Innere Stadt die Frage, was für eine juristische Qualifikation dem Inhaber eines Straßenkolportagestandes zukommt und wie er gekündigt werden kann. Die Buchhandlung Zeitungsbüro Morawa & Co kündigte einem Standinhaber in der Innern Stadt mittels rekommandierten Schreibens. Als Kündigungsfrist wurden dem Kolporteur vierzehn Tage zugebilligt. Der Kolporteur erhob durch Dr. Friedrich Stur gegen die Kündigung Einwendungen. Er stehe unter Mieterschutz und könne nicht außergerichtlich gekündigt werden. Tatsächlich erklärte das Gericht die Kündigung für unwirksam. In den Entscheidungsgründen führte der Richter Landesrat Dr. Löw aus, daß der Kolporteur einen neuen juristischen Begriff darstelle. Einerseits sei der Kolporteur Angestellter des Zeitungsuntenehmens, da er seine Wiesungen zu befolgen haben und insbesondere nur jene Zeitungen führen dürfe, die vom Zeitungsbüro zur Kolportage übernommen worden seien. Andererseits habe er gewissermaßen durch Errichtung des Zeitungsstandes ein Geschäft eröffnet und sei daher auf dem dem Zeitungsbüro von der Gemeinde überlassenen Platze eingemietet. Für den Zeitungskolporteur kommen daher auch die Bestimmungen des Mietengesetzes in Betracht. Aus allen diesen Grünen sei eine außergerichtliche Kündigung unzulässig.

 

Vier Jahre Zuchthaus für Karl Liebknecht

Der Marxist wollte durch Demos und mit Flugblättern "die deutsche Kriegsmacht schwächen".

Neue Freie Presse am 24. August 1916

In dem Verfahren gegen Karl Liebknecht begann heute morgen im Militärgerichtsgebäude in der Lehrterstraße die oberkriegsgerichtliche Hauptverhandlung. Das Gericht ist besetzt mit einem Fregattenkapitän als Vorsitzendem, einem Oberkriegsgerichtsrat, der die Verhandlung leitet, einem weiteren richterlichen Militärjustizbeamten, zwei Majoren, einem Hauptmann und einem Oberleutnant. Dem Angeklagten steht als von ihm erwählter Verteidiger wieder Rechtsanwalt Bracke aus Braunschweig zur Seite. Bei Beginn der Sitzung beantragte der Vertreter der Anklage den Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit, und wegen Gefährdung militärischer Interessen. Dem Antrage wurde seitens der Gerichts stattgegeben.

Das Oberkriegsgericht erkannte dahin, daß Liebknecht wegen versuchten Kriegsverrats, erschwerten Ungehorsams und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus, worauf ein Monat Untersuchungshaft anzurechnen ist, zur Entfernung aus dem Heere und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von sechs Jahren zu verurteilen sei. Die Verhängung einer schwereren Strafe als in erster Instanz erscheint trotz voller Würdigung der zugunsten des Angeklagten sprechenden Umstände gerechtfertigt, wenn man berücksichtigt, daß Liebknecht seine Pflichten als Soldat und Staatsbürger zur Kriegszeit zum Schaden des bedrohten Vaterlandes in schwerster Weise verletzt hat. Er hat auch selbst eingestanden, daß er durch Flugblattverteilung und durch Veranstaltung von öffentlichen Demonstrationen eine Schwächung der deutschen Kriegsmacht bezweckte. Ueberdies war Liebknecht früher wegen eines ähnlichen Vergehens mit einem Jahre sechs Monaten bestraft worden. Gegen das heutige Urteil steht Liebknecht das Rechtsmittel der Revision zu.

Anmerkung: Der Marxist und Antimilitarist Karl Liebknecht prägte ab 1915 gemeinsam mit Rosa Luxemburg die Linie der Gruppe Internationale. 1916 wurde er wegen „Kriegsverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt - Er hatte am 1. Mai in Berlin eine Antikriegsdemonstration angeführt. Schon nach zwei Jahren Haft kam er knapp drei Wochen vor dem Ende des Ersten Weltkrieges wieder auf freien Fuß. Am 9. November 1918 machte Liebknecht auf sich aufmerksam, als er vor dem Berliner Schloss eine „freie sozialistische Republik“ ausrief, wenig später gehörte er zu den Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands. Kurz nach der Niederschlagung des Berliner Januaraufstands wurden er und Rosa Luxemburg von Freikorps-Offizieren ermordet.

 

Wissenschaftliches über Blonde und Brünette

Die Augenfarbe und der Klang der Stimme - sie hängen zusammen.

Neue Freie Presse am 23. August 1876

Auf dem anthropologischen Congreß in Jena machte Geheimrath Schaafhauser von Bonn sehr interessante, auf statistischen Wahrnehmungen beruhende Bemerkungen über die Physiologie der Blonden und Braunen. Was die blaue (graue) und braune (schwarze) Farbe der Iris (Regenbogenhaut) betrifft, so führte er diese auf eine geringere Menge von Pigment (Farbstoff) in den Augen der helläugigen Individuen zurück, während die dunklen Irises dessen eine größere Menge besitzen. Er schreibt dieses Deficit in den „schönen blauen“ Augen einer schlechteren Ernährung und einer Schwäche der Organisation zu. Je geringer der Farbstoff ist, desto heller wird das Auge, bis es schließlich bei dem vollständigen Mangel daran durch das Hervortreten der Blutgefäße roth wird, wie bei den Albinos oder Katerlanen.

Was die Beobachtung betrifft, daß die Landleute vielfach hellere Augen besitzen, als die Bewohner der anliegenden Städte, so wird sich diese Differenz, abgesehen von typischen Racen-Eigenthümlichkeiten die wol manchmal so am Rhein, aber nicht immer anzunehmen sind, ebenfalls aus den geringeren Nahrungsmitteln, Gemüse und Kartoffeln gegen Fleisch und Bier mit erklären lassen. Außerdem aber wohnt dem braunen Typus eine größere Energie der Fortpflanzung bei, d.h. Bei Vermischung zwischen blonden und braunen Individuen pflegt das braune Element obzusiegen, und die Kinder nehmen die in dunklen Complexionen der Eltern an. So erklärt es sich, daß unter sonst normalen Verhältnissen die Kinder von im Typus gemischten Eltern gewöhnlich die somatischen Eigenschaften des braunen Geschlechts annehmen. Redner führt an, diese größere Feinheit der Organisation, die sich bei den Blonden zeige, übe auch ihren Einfluß aus auf die Physiologie des Kehlkopfes. Die Stimmritze sei bei ihnen im Allgemeinen enger, die Stimme feiner und höher. So finde er nach seinem gesammelten Material, daß die Sopransängerinnen und die Tenore meist heller Augen, hellen Teints sich erfreuten, während die meisten Altistinnen und besonders die Bassisten den dunkleren Schattirungen angehörten. Es wäre jedenfalls interessant, eine eingehende Statistik von Seiten der Künstlerinnen und Künstler darüber zu erhalten.

 

Zwei Kinder in einem Koffer erstickt

Die Augenfarbe und der Klang der Stimme – sie hängen zusammen.

Neue Freie Presse am 22. August 1906

Aus Graz wird uns gemeldet: In Tauplitz im Bezirke Gröbming hat sich ein merkwürdiger Unglücksfall ereignet. Während der Bauer Derber mit seinen Bediensteten auf dem Felde beschäftigt war, legten sich seine beiden Kinder im Alter von neun und fünf Jahren in einen Koffer, um dort zu schlafen. Als der Bauer nach Hause kam und seine Kinder nicht fand, suchte er überall nach ihnen. Endloch fand man sie eng umschlungen im Kaffer, dessen Deckel sie selbst zugemacht hatten, tot vor. Sie waren erstickt.

 
Die Robinson-Insel ist verschwunden

Einst diente sie Daniel Defoe als Inspiration, ist sie nun untergegangen?

Neue Freie Presse am 21. August 1906

Ein Telegramm aus Lima meldet, daß die Insel Juan Fernandez im Stillen Ozean bei den letzten furchtbaren Erderschütterungen verschwunden sei. Juan Fernandez war das Eiland, auf dem der Seemann Alexander Selkirk in den ersten Jahren des achtzehnten Jahrhunderts die ensiedlerische Existenz geführt hat, welche dem englischen Schriftsteller Daniel Defoe den Stoff zu seinem weltberühmten Roman „Robinson Crusoe“ geliefert hat.

 Juan Fernandez ist die Hauptinsel einer denselben Namen führenden Inselgruppe, die vulkanischen Charakter hat. Sie ist 565 Kilometer von Valparaíso entfernt. Im sechtzehnten und siebzehnten Jahrhundert war die Insel ein beliebter Zufluchtsort für Seeräuber. Gegenwärtig wird sie von den Dampfern als Wasserstation benützt. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts ist von Chile aus eine Besiedlung der Insel in Angriff genommen worden, und es war der Plan, daselbst eine zum Sommeraufenthalt bestimmte Kolonie anzulegen.

Anmerkung: Der Roman „Robinson Crusoe“ erzählt die Geschichte eines Seemannes, der als Schiffbrüchiger rund 28 Jahre auf einer Insel verbringt. Das Buch erschien 1719 und gilt als der erste englische Roman. Die Juan-Fernández-Inseln gehören zu Chile und befinden sich im südlichen Pazifischen Ozean. Sie stehen heute als Biosphärenreservat auch unter dem Schutz der Unesco.

 

Elektromagnete in der Kriegsmedizin

Ein Magnet konnte eine Stahlkugel von vier Millimeter Durchmesser aus einer Tiefe von 113 Millimeter heben.

Neue Freie Presse am 20. August 1916

Zur Entfernung von Eisensplittern aus den Körpern von Verwundeten werden gegenwärtig in Deutschland von Professor Dr. H. Sultan mit Erfolg Elektromagnete von großer Zugkraft angewendet. Ueber diese interessanten Versuche entnimmt die Wiener Zeitschrift „Elektrotechnik und Mechanik“ deutschen Quellen, daß ein nach Angaben des Professors Sultan hergestellter Magnet imstande war, eine Stahlkugel von vier Millimeter Durchmesser aus einer Tiefe von 113 Millimeter zu heben; selbst wenn man die Stahlkugel durch ein Bleigewicht beschwert, welches fünfzigmal so schwer ist als die Kugel selbst, wird sie von dem Magneten noch aus einer Tiefe von 26 Millimeter angezogen.

Die mit der Wunde in Berührung kommenden Teile des Magneten sind sterilisierbar; eine Reihe von Ansätzen passen sich den verschiedenen Wunden an. Je länger und spitzer die Ansätze sind, desto mehr nimmt die Zugkraft des Magneten ab. Vor dem Gebrauch wird über den ganzen Magneten ein mit einem Schlitz versehenes sterilisiertes Leinentuch gespannt, so daß er von dem Operateur selbst angefaßt und dirigiert werden kann. Es lassen sich auch lange Ansätze tief in die Wunden einführen, ohne die Asepsis zu stören. Aus einer Reihe von Versuchen sei der eine hervorgehoben, in welchem es gelang, einen kleinen Splitter von 0,9 Gramm Gewicht durch die unversehrte Gehirnmasse aus einer Tiefe von vier Zentimeter glatt herauszuheben, ohne daß der Magnetansatz die Hirnoberfläche berührte. (…) Professor Sultan hat den Elektromagneten bisher in 22 Fällen mit diesem Erfolge zur Anwendung gebracht.

 

So launenhaft kann nur das Wetter sein

Die Luftdruckmaxima und -minima machen es den Wetterpropheten schwer.

Neue Freie Presse am 19. August 1906

Die Launenhaftigkeit des Wetters lässt in diesem Sommer nichts zu wünschen übrig; der schlechtesten Witterung bei grauendem Morgen folgt der schönste Tag, und ist es vormittags schön, so trübt sichs oft nachmittags, und heitere und regnerische Tage wechseln reich ab. Aber nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich begegnen wir der verschiedensten Witterung. Gebiete schlechterer Witterung grenzen oft knapp an Gegenden mit schönstem Wetter und ebenso natürlich Gebiete niedriger Temperaturen an solche mit sehr hohen.

Diese Umbrüche machen es den Wetterpropheten wohl sehr schwer, allerorts richtige befriedigende Prognosen abzugeben. Es sind nicht wenige größere Gebiete höheren oder tieferen Luftdrucks, welche die Witterung des heurigen Sommers über Europa beherrschen, sondern mehrere kleinere Luftdruckmaxima und -Minima, die sich zumeist rasch bilden und ebenso rasch wieder auflösen. Es bildet sich zuweilen nördlich der Alpen in dem gegen Zentraleuropa vorgeschobenen Grenzgebiet eines im Westen Europas lagernden größeren Maximums ein kleineres, sekundäres Luftdruckmaximum aus, dessen absteigende Luftströmung nach trübem regnerischen Wetter eine Zerteilung der Wolken bewirkt. Doch die auf diese Weise von Westen her eingetretene Besserung der Witterung hält heuer gewöhnlich nicht lange an, denn die östliche Hälfte Europas zeigt heuer eine große Neigung zur Ausbildung kleinerer und größerer Luftdruckminioma, welche immer wieder eine allgemeinere, von Westen nach Osten gerichtete Luftströmung über Europa erzeugen und uns dadurch das unfreundliche Westwetter bringen.

 

Verfälschte schwarze Seide

Bevor man Seide kauft, sollte man ein Stück davon verbrennen.

Neue Freie Presse am 18. August 1896

Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Echte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. - Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden“ weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur echten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der echten Seide, so zersträubt sie, die der verfälschten nicht.

 

Ein Begräbnisplatz? Eine Opferstätte?

Ein anthropologischer Fund bei Leobersdorf gibt Rätsel auf.

Neue Freie Presse am 17. August 1876

Von fachmännischer Seite erhalten wir die folgende interessante Mittheilung: Seit einigen Jahren ist bereits das über 2000 Jahre alte Leichenfeld von Leobersdorf bei Vöslau, welches in der Schottergrube des Herrn Leopold Seitz neben der Roland-Mühle aufgedeckt wurde, bekannt. Zahlreiche Broncegegenstände und einige Thongefäße sind darin aufgefunden worden. Bisher lagen die Skelette in Einzelgräbern, 1 bis 2 Fuß tief unter der schwachen Humusdecke, in dem darunter aufstehenden Diluvial-Schotter eingebettet, jedes mit Gerölle beschwert.
Vor wenigen Tagen wurde nun beim Fortgange der Schottergewinnung ein Grab entdeckt, welches ganz abweichende merkwürdige Verhältnisse zeigte.

Dasselbe wurde nämlich gegen 4 Fuß tief und bestand aus einem aus großen Bruchsteinen anscheinend mit einer Art Mörtel gleichsam ausgemauerten, unter halbrunden Becken und war, wie sich herausstellte, ein gemeinsames Grab. Das unter einer fast 2 Fuß mächtigen Decke von großen Bruchsteinen liegende erste Skelet war mit dem Kopfe gegen Westen, mit den Füßen gegen Osten gerichtet und lag in gekrümmter Stellung. Unmittelbar unter demselben befand sich aber eine Bettung von fünf anderen Skeletten in umgekehrter Richtung, die Köpfe hart aneinander, wie die Quadern des Pflasters. Es ist gelungen, vier dieser Schädel in wohlerhaltenem Zustande zu Tage zu fördern. Einer dieser Köpfe zeichnet sich durch besondere Größe aus, die anderen sind kleiner. (…) Mit diesen Skeletten fand sich einzelne Zähne von Wölfen, Bären und andern kleinen Raubtieren in großer Zahl; alle diese Zähne zeigen ein kreisrundes Loch und haben offenbar einem Schmuckgegenstande angehört. (…) Ob man es hier mit einer Opferstätte oder mit einem Begräbnisplatze der im Kampfe gefallenen oder einer anderen Besonderheit zu thun habe, wird die weitere wissenschaftliche Untersuchung der aufgefundenen Objecte lehren.

 

Unbekannter Goethe-Brief aufgetaucht

“Möchten Sie immer von meiner aufrichtigen Anhänglichkeit überzeugt sein”, schrieb Goethe in einem Neujahrsglückwunsch.

Neue Freie Presse am 16. August 1916

Im Familienbesitz des Leipziger Buchhändlers Oswald Weigel befindet sich ein Brief Goethes, der bisher nicht bekannt geworden ist. Der Brief ist ein Neujahrsglückwunsch und lautet: “Mit den lebhaftesten Wünschen für Ew. Exzellenz Wohl trete ich ins neue Jahr. Möchten Sie immer von meiner aufrichtigen Anhänglichkeit überzeugt sein! Unser Leben hat sich so ineinander geschlungen, daß ich lieber das Ende des meinigen als des Ihrigen denken mag. Erhalten Sie mir die Gesinnungen, die mich so glücklich machen. W., d.1. Jan. 1808. Goethe”.

Der Adressat ist nicht genannt, und auch aus dem Tagebuch und den Briefsammlungen geht nicht hervor, an wen der Brief gerichtet sein könnte. Aber nach der Anrede “Ew. Exzellenz” und dem ganzen Ton des Briefes kann nur eine Persönlichkeit als Adressat in Frage kommen: es ist offenbar der sachsen-weimarsche Staatsminister Christian Gottlob v. Voigt. Voigt war der leitende Minister Weimars, nachdem Goethe, aus Italien zurückgekehrt, die eigentlichen Regierungsgeschäfte abgegeben hatte. Er wurde im Jahre 1777 von Allfredt nach Weimar berufen, und mit seiner Ernennung zum Geheimen Assistenzrat und Mitglied des geheimen Konzeils im Jahre 1791 beginnt seine achtundzwanzigjährige hervorragende Tätigkeit als Minister. Zu Goethe stand Voigt in sehr nahen Beziehungen; beide waren gemeinsam bestrebt, die wissenschaftlichen und Kunstanstalten des Landes, wie besonders die Universität Jena, zu fördern. Sie arbeiteten auch an mannigfachen anderen Gebieten zusammen, wie zum Beispiel dem Ilmenauer Bergwerk und dem weimarschen Hoftheater.

 

Roosevelt besorgt über Lage in Europa

Eine Politik der Herabsetzung von Zollschranken könnte einen Beitrag zum Frieden leisten, sagt der US-Präsident.

Neue Freie Presse am 15. August 1936

Präsident Roosevelt erklärte in einer Rede, daß der Friede Europas eine bedeutende Frage sei. Ich bin, sagte der Präsident, hinsichtlich der internationalen Entwicklung mehr beunruhigt als hinsichtlich unserer inneren Situation. Ich hoffe, daß die Politik der guten Nachbarschaft, die auf unserer Erdhälfte herrscht, unseren Nachbarn jenseits des Ozeans, mit denen wir gut stehen, als Beispiel dienen wird. Eine ständige Freundschaft zwischen den Nationen kann nur durch den tiefsten Respekt des gegebenen Wortes aufrechterhalten werden. Wir sind, erklärte Roosevelt, keine Anhänger einer Isolierung, ausgenommen insoweit, als wir uns vollständig vom Kriege zu isolieren trachten.

Der Präsident untersuchte sodann die Kriegsursachen und erklärte, daß eine Politik der Herabsetzung der Zollschranken dazu beitragen könnte, die wirtschaftliche Quelle des Krieges zu verschütten und dadurch einenBeitrag zum Frieden zu bilden. 

 

Friedensaktivisten in Berlin verhaftet

In Flugblättern wurde unter anderem zu Generalstreiks aufgerufen.

Neue Freie Presse am 14. August 1916

Vor kurzem wurde mitgeteilt, daß in Berlin durch anonyme Flugschriften der Versuch unternommen wird, für eine gewaltsame Herbeiführung des Friedens Stimmung zu machen, besonders durch Generalstreiks usw. Auch der sozialdemokratische Parteivorstand hat vor diesem gefährlichen Treiben im “Vorwärts” gewarnt. Wie nun der “Lokalanzeiger” erfährt, hat die Polizei in dieser Sache Hausdurchsuchungen vorgenommen und als Hersteller mehrerer anonymen Druckschriften eine hiesige kleine Druckerei ermittelt, deren Inhaber noch nebenbei in einer hiesigen Fabrik zu arbeiten pflegt, in der sonst das Anarchistenorgan “Der freie Arbeiter” gedruckt worden war. 

Als Auftraggeber dieser Drucksachen mit irreführenden Pressevermerken, wie Schweizerische Genossenschaftsdruckerei, Bern, wurde ein Redakteur des hiesigen sozialdemokratischen Pressebureaus und als Verbreiter ein Schriftführer des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend festgenommen, die beide auf dem Boden der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft stehen. Der Drucker, der Besteller und der Verbreiter sind nach eingehenden Feststellungen dem Staatsanwalt zugeführt worden und sehen strenger Bestrafung entgegen.

 

Österreichs Straßen in entsetzlichem Zustand

Auch bei noch so großer Besteuerung der Automobile könne die Instandsetzung der Straßen auf diesem Wege nicht erfolgen.

Neue Freie Presse am 13. August 1926

Auf Einladung des Österreichischen Touringklubs fand gestern abend eine Enquete über die Straßenmisere in Österreich statt. An der Beratung nahmen Vertreter des Handelsministeriums, der Landesregierung, des Magistrats der Stadt Wien, des Hauptverbandes der Industrie, der österreichischen Kaufmannschaft, des Ingenieur- und Architektenvereines, der Handelskammer, des Verkehrsamtes der Polizeidirektion, der Vereinigung der Wiener Hotelbesitzer usw. teil. Der Vorsitzende, Kommerzialrat Kreidl, leitete die Debatte mit dem Hinweis auf den unhaltbaren Zustand der österreichischen Bundesstraßen, die von Tag zu Tag immer weniger befahrbar werden, ein.

Kommerzialrat Koch betonte, daß das Problem in erster Linie ein kommerzielles sei. Die beiden Hauptfeinde der Straßen, das Regenwasser und der Vollgummi der Transportautos, haben die Bundesstraßen in einen entsetzlichen Zustand gebracht. Die Fünf- und Zehn-Tonnen-Züge zerbrechen doe Straßen wie ein Hammer. Die Eingänge aus der Automobilsteuer seien für die Ausbesserung der Straßen von den Ländern nicht zu erhalten. Auch bei noch so großer Besteuerung der Automobile könne die Instandsetzung der Straßen auf diesem Wege nicht erfolgen, zumal die Frage heute vielfach auch eine politische geworden ist, und die Länder unter keinen Umständen auf die Automobilsteuer zugunsten des Bundes zu verzichten geneigt sind. Nur im Wege der Einhebung einer allgemeinen Verkehrssteuer wäre es möglich, die Mittel aufzubringen, um der Straßenmisere abzuhelfen. Ingenieur Graf regt die Schaffung eines Propagandafonds an, um die Aufmerksamkeit der gesamten Öffentlichkeit auf den trostlosen Zustand der österreichischen Bundesstraßen, die von allen ausländischen Automobilisten bereits gemieden werden, zu lenken.

 

Welchen Hut soll Mann im Sommer tragen?

In einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde gemessen, wie sich Männerhüte in der Sonne aufheizen.

Neue Freie Presse am 12. August 1906

Die Engländer haben hintereinander ein paar heiße Sommer gehabt und befassen sich seither in ihrer gründlichen Art mit der Reform der Sommerkleidung für Männer, bei denen das Angenehme, Nützliche und Praktische den Ausschlag gibt und das von den Damen ausschließlich ins Auge gefaßte Schöne und Vorteilhafte keine Rolle spielt. Die Kopfbedeckung war es hauptsächlich, welche in Beratung gezogen und über die im vorigen Sommer ein geradezu vernichtendes Urteil abgegeben wurde, indem sowohl Ärzte als durch Erfahrung klug gemachte Leute erklärten, es wäre am besten, wenn man im Sommer überhaupt mit bloßem Kopf herumginge, wobei Haarwuchs, Augenlicht und Hirn gewiß profitieren würden. Da heuer wieder eine große Hitzeperiode eingesetzt hat, beschäftigt man sich noch eingehender mit der Frage: Welchem Hut soll der Mann den Vorzug geben? In der Augustnummer des “Windsor Magazine” veröffentlicht H. J. Holmes das Resultat einer eingehenden Untersuchung, bei welcher er die am Kopf entwickelten Hitzegrade der verschiedenen von Männern getragenen Hüte wissenschaftlich genau abgemessen hat. Ein kleines Thermometer wurde im Hutfutter jedes Hutes immer in gleicher Höhe vom innern Hutrand befestigt. Die Messungen wurden alle an einem Tag während der heißesten Zeit in der Sonne vorgenommen, und derselbe Mann behielt jeden der Hüte fünfzehn Minuten lang auf dem Kopf. Die Hüte wurden in bunter Reihe probiert und wurden erst nachträglich nach ihrem Werte als kühle Kopfbedeckungen zusammengestellt.

Es sei gleich von vornherein gesagt, daß als wirksamsten, leichtesten Schutz gegen die Sonne an heißen Sommertagen nichts den echten Panama übertrifft. Seine Leichtigkeit und die Fähigkeit, die Sonnenstrahlen abzuwehren, stellen ihn obenauf unter den sommerlichen Kopfbedeckungen der Männer. Das Thermometer im Panama zeigte nach einer Viertelstunde Aufenthalt in der Sonne 77 Grad Fahrenheit, also 25 Grad Celsius. Der nächstbeste Hut ist der Strohhut von der Form, welche König Eduard als “Homburg” aus Marienbad nach England eingeführt hat; bei diesem zeigte das Thermometer 80 Grad Fahrenheit. Weit ungünstiger fielen die Messungen beim “Girardi”- oder Matrosenhut aus, der doch jahrelang als der Sommerhut par excellence galt.

 

Italiener erobern Görz

Die “Presse” kalmiert: Der Verlust von Görz gehöre zu den “unvermeidlichen Wechselfällen des Krieges”.

Neue Freie Presse am 11. August 1916

Görz ist im Besitze der Italiener. Die Tatsache greift jedem Österreicher ans Herz, und dieser Schmerz erhöht sich bei denjenigen, die den seit fünfzehn Monaten tobenden Heldenkampf um die italienische Stadt miterlebt haben. Diese Stadt hätte ein besseres Schicksal verdient. Und doch muß sich der kühl abwägende Verstand sagen, daß der Verlust von Görz zu jenen unvermeidlichen Wechselfällen des Krieges gehört, die uns schon größere Verluste haben ertragen lassen, ohne daß unsere Hoffnungen auf ein glückliches und siegreiches Ende des Krieges erschüttert worden wären.

Anm: Im Frontbogen vor Görz fand zwischen 6. und 15. August 1916 die Sechste Isonzoschlacht zwischen den Streitkräften Österreich-Ungarns und Italiens statt. Der Befehl zum Räumen der Stadt wurde am 8. August 1916 gegeben.

 

Der englische König inkognito in Salzburg

Eduard VIII. hielt sich auf der Durchreise nach Dalmatien zwei Stunden in der Festspielstadt auf.

Neue Freie Presse am 10. August 1936

König Eduard VIII. von England hat sich gestern auf der Durchreise nach Dalmatien nahezu zwei Stunden inkognito in Salzburg aufgehalten. Er traf wenige Minuten nach 10.30 Uhr mit dem Orientexpreß ein und begab sich, nachdem er die Meldung des Bahnhofdienst tuenden Polizeirates Dr. Mauer entgegengenommen hatte - der Expreßzugperron war streng abgesperrt - zu Fuß ins Hotel. Als der König das Hotel betrat, leisteten die als Ehrenposten für den italienischen Kronprinzen Wache haltenden zwei Mann des Gardebataillons aus Wien die Ehrenbezeigung, und eine riesige englische Flagge wurde auf dem Dach des Hotels gehißt. Das internationale Publikum beobachtete in der Halle deb völlig unerwarteten Besuch mit achtungsvoller Anteilnahme.

Nach einem kleinen Imbiß trug der König seinen Namen in das Gästebuch ein. Sodann hielt sich der König mit seiner Begleitung auch noch kurze Zeit in einem Cafe auf. Dann fuhr er auf den Bahnhof, wo er kurz vor 12.15 Uhr eintraf. Auf dem Hauptperron war jener Teil, den der König betreten mußte, von der Polizei abgesperrt. Der König, der einen grauen Anzug und weißen Girardihut trug, schritt, wiederholt grüßend, an der entblößten Hauptes harrenden Menge vorbei und bestieg seinen mittlerweile in den Tauernschnellzug einrangierten Salonwagen. Kurz nach 1 Uhr fuhr der Zug aus der Halle.

Der König, der bekanntlich unter dem Namen eines Herzogs von Lancaster reist, wollte sein Inkognito unbedingt gewahrt wissen und hatte seinem Wunsche Ausdruck gegeben, von jeder offiziellen Begrüßung Abstand zu nehmen. Bei seinem Rundgang durch die Stadt, der ihn unter anderem auch in das Festspielhaus, auf den Peters-Friedhof, in den Dom und auf die Feste Hohensalzburg geführt hatte, wurde der König vom Publikum stets herzlich akklamiert.

 

Entwurf für ein neues sozialdemokratisches Parteiprogramm

Ziel ist die Überwindung der kapitalistischen und der Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Neue Freie Presse am 9. August 1926

Die sonntägige “Arbeiterzeitung” veröffentlicht den Entwurf eines neuen Parteiprogramms, zu dem, wie sie meldet, der Salzburger Parteitag von 1924 den Parteivorstand beauftragt hat, der auch eine Kommission zur Ausarbeitung des neuen Parteiprogramms einsetzte. Bereits das im Vorjahre beschlossene Agrarprogramm war ein Teil dieses neuen Entwurfes, der nun zur Veröffentlichung gelangt. Er unterscheidet sich schon durch seine Länge von dem letzten sozialdemokratischen Parteiprogramm, das im Jahre 1901 auf dem Wiener Parteitag aufgestellt wurde. Indem es auf die Erfahrungen der Revolutionsjahre bezug nimmt, erörtert es die Beziehungen der Arbeiterklasse zu den anderen werktätigen Volksklassen, den geistigen Arbeitern, zu Kleinbürgern und Bauern. Mit dem Wachstum der Partei ist auch das Parteiprogramm viel ausführlicher und mannigfaltiger geworden und umschreibt auch die Richtlinien der internationalen Politik des Sozialismus. Zum Schlusse betont die “Arbeiterzeitung”, daß dieser Entwurf nun zur Diskussion gestellt wurde, bis der nächste Parteitag ihm die endgültige Fassung geben wird.

In den einleitenden Sätzen des Entwurfes heißt es, daß die sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs, eng verbunden mit den sozialistischen Arbeiterparteien aller Nationen, den Befreiungskampf der arbeitenden Volksklassen führt und ihm als Ziel die Überwindung der kapitalistischen und den Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung gesetzt hat.

 

Der Kampf gegen die Geldfälscher

Gegossene Groschen, geschnittene Scheine, radierte Zahlen: Die Arbeit der Beamten der Wiener internationalen Falschgeldzentrale ist facettenreich.

Neue Freie Presse vom 8. August 1926

Auch wenn die Falschgeldzentrale der Wiener Polizeidirektion nicht dadurch plötzlich bekannt geworden wäre, daß sie demnächst zu einer Einrichtung des Völkerbundes avancieren soll, würde es sich verlohnen, einen Blick in dieses interessante Ressort der Polizeibehörde zu werfen. Denn die Geldfälscher, die mit besonderen Mitteln arbeiten, können natürlich durch besonders geschickte Strategie eingekreist und zur Strecke gebracht werden.

Die über die ganze Welt verbreitete Gilde der Falschmünzer hatte ihre große Zeit in den Jahren der Inflation. Besonders in Wien konnte man zu jener Zeit Studien machen, wie den Erzeugern falscher Geldsorten ihr Handwerk durch die Sorglosigkeit der Bevölkerung erleichtert worden ist. In der Zeit, da sich jeder Wiener glücklich schätzt, wenn er für seinen Kronennoten Auslandsvaluten, gleichviel welcher Provenienz, erhalten konnte, war das Wiener Pflaster für die Geldfälscher ein Dorado. Die fundamentale Regel für alle, die sich gegen Falsifikate wappnen wollen, ist, daß sie die entsprechende Geldnote in ihrer wahren Gestalt kennen. Davon war bei den Wiener Inflationsgeschäften nur in den seltensten Fällen die Rede. (…) Je unvorsichtiger aber die Abnehmer wurden, desto verwegener arbeiteten die Verbreiter falscher Geldscheine, die übrigens in den seltensten Fällen auch ihre Erzeuger sind.

Wenn es trotzdem zu verhältnismäßig wenigen Kronenfalsifikaten gekommen ist, so ist das einfach darauf zurückzuführen, daß der Fälscher seine Mühe und sein Risiko lieber dazu verwendet, hochvalutarische Noten nachzuahmen. Und da erfreut sich der amerikanische Dollar besonderer Beliebtheit. Hier kommen neben den sogenannten Ganzfälschungen vielfach die sogenannten „Hinaufnummerierungen“ vor. Immer und immer wieder traf man auf ursprünglich echte Dollarscheine im Werte von einem, zwei oder zehn Dollar, die auf Fünfzig- und Hundert-Dollar-Noten verfälscht waren. Hiezu brauchte man nur die Wertbezeichnungen in Worten und Ziffern auszuradieren und durch die höhere mit Tusche gezeichnete Zahl zu ersetzen und eine Dollarnote war fertig, die solange ihr repräsentables Aussehen besitzt, als man sie nicht gegen das Licht hält. Dann freilich wird das dünnere Papier der radierten Stellen sehr leicht kenntlich. Um den Fälschern das Handwerk zu erschweren, hat das Schatzamt der Vereinigten Staaten eine Liste herausgegeben und in die ganze Welt verschickt, aus der man entnehmen kann, welches Medaillonbild auf der Vorderseite der Banknote zu den einzelnen Dollarnoten paßt. (…)

Bescheidenere Fälscher haben sich auf das sogenannte Streifenschneiden verlegt, das heißt, sie schnitten von etwa zehn Banknoten Streifen heraus, und kamen dadurch unentgeltlich zu einer elften Noten. Eine besondere Spezialität war auch das Fälschen der verschiedenen Stempel, mit denen nach Kriegsende die alten Banknoten der Monarchie von den verschiedenen Nachfolgestaaten versehen worden sind. Dieses Abstempeln machte sich auf originelle Weise ein junger Gauner zunutze, der polnische Zwanzigmarknoten mit einem Stempel „Tzechoslowakische Republik“ versah, und diese Noten als Tzechokronen mit der faustdicken Lüge in Verkehr brachte, sie hätten im Grenzgebiet Gültigkeit gehabt. (…)

Der österreichische Schilling erfreut sich glücklicherweise bisher keiner großen Beliebtheit unter den Geldfälschern. Zur Kenntnis der Behörde sind bisher zwei Versuche von Fälschungen der Hundertschillingnoten gelangt. Überdies gibt es etwa acht Typen gefälschter Schillingmünzen, die natürlich nicht geprägt, sondern gegossen sind. Recht bescheiden scheint eine Fälscherbande zu sein, die sich auf die Herstellung von Zehngroschenstücken verlegt hat.

 

Das Kriegsschiff der Zukunft

Gelingt das kühne Experiment „Orlando“?

Neue Freie Presse vom 7. August 1886

Gestern wurde in Palmer's Schiffswerfte in Jarrow das neue britische Kriegsschiff „Orlando“ vom Stapel gelassen. Bei dem dem Stapellauf vorangegangenen Festmale bemerkte der Vorsitzende, Parlamentsmitglied Sir Charles Mark Palmer, daß der „Orlando“ eine neue Gattung von Schiff sei, welches das Problem lösen würde, welche Art von Kriegsschiffen in Zukunft gebaut werden solle. Der „Orlando“ vereinige in sich große Stärke, große Ausrüstung und große Fahrgeschwindigkeit und sei im Stande, auf lange Zeit auf offener See zu bleiben. Der „Orlando“ sei ein Experiment. Das neue Kriegsschiff ist das erste dieser Gattungen von sieben, die für die britische Marine gebaut werden sollen. Dasselbe ist 300 Fuß lang, 56 Fuß breit und 37 Fuß tief, bei einem Tiefgange von 21 Fuß und einem Gehalte von 5000 Tonnen. Die veranschlagte Fahrgeschwindigkeit beträgt etwa 19 Knoten per Stunde. Der Panzer trägt einen Stahlüberzug und besteht aus einem Gürtel von 200 Fuß Länge, der sich von 1 Fuß 6 Zoll oberhalb der Wasserlinie bis 4 Fuß unterhalb derselben ausdehnt. Der Gürtel hat eine Dichte von 10 Zoll und ruht auf einer Unterlage von Teakholz, welche mit einzölligen Stahlplatten befestigt ist.

 

Finnische Matrosen üben den Aufruhr

Soldaten und Matrosen rebellierten in Sveaborg und beeindruckten mit Hartnäckigkeit.

Neue Freie Presse am 6. August 1906

Die endgiltig niedergeschlagene Sveaborger Militär- und Matrosenrevolte, die zwei Tage lang das Küstengebiet des finnischen Meerbusen, einschließlich der Stadt Petersburg, in atemloser Spannung gehalten hat, zeigt einige bemerkenswerte, in der Geschichte der russischen Revolution neuen Symptome.  (...) Ob sämtliche, die Festung bildende Felseninseln abfielen oder einige treu blieben, ist bei der unsäglich konfusen russischen Berichterstattung noch nicht klargestellt, es scheint aber letzteres der Fall gewesen zu sein. Darauf deuten die Berichte von verlustreich abgeschlagenen Infanterieangriffen, welche nur unter dem Schutz von loyal gebliebenen Forts ausgeführt werden konnten. So war von 31. Juli bis 2. August eine regelrechte Land- und Seeschlacht im Gange; die Meuterer, im Besitze der schweren Festungsartillerie waren den an Zahl überlegenen Land- und Seestreitkräften der Angreifer völlig gewachsen. Endlich erschien, was von der russischen Schlachtflotte noch existiert – bei Ausbruch der Revolte lagen nur kleine Kriegsschiffe im Hafen, welche scheinbar treu geblieben waren – die machtvolle neue „Slawa“ von über 13.000 Tonnen Wasserverdrängung und der nicht viel kleinere „Zarewitsch“, ein Veteran von Port Arthur, und ließen ihre 30-Zentimeter-Geschütze sprechen. Aber mit einer für eine führerlose Truppe erstaunlichen Hartnäckigkeit erwiderten die Rebellen das Feuer der Panzerschiffe, und erst am 2. August vormittags wurde die rote Flagge niedergeholt und die weiße gehißt.

Sucht man die Ursache dieser so ganz unrussischen, zielbewussten Hartnäckigkeit, so stößt man auf die zweite bemerkenswerte Erscheinung in der Sveaborger Revolte: das Zusammenarbeiten der Finnen mit den Russen. In der Haltung der Sveaborger Rebellen ist die Hand des Finnen zu erkennen, dessen strohgelbes Haar einen eisernen Schädel und eine asiatische Verschlagenheit bedeckt.

Anmerkung: Im 18. Jahrhundert entstand auf mehreren miteinander verbundenen Inseln die Festung Sveaborg (so der schwedische Name, im Finnischen spricht man von der Suomenlinna). Im März 1808 besetzten russische Truppen Helsinki, konnten aber Sveaborg militärisch nicht einnehmen. Erst nach Verhandlungen kam es zur Kapitulation und die Festung ging an die Russen. Bald darauf fiel ganz Finnland in russische Hand – und beendete die 600-jährige Periode schwedischer Herrschaft. Die oben beschriebene Meuterei von 1906 konnte daran nichts ändern. Erst mit der „Russischen Revolution“ konnten die Finnen die Festung endgültig selbst übernehmen, nachdem sie die Unabhängigkeit erreicht hatten. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel.

 

Ein Weltkongress in Wien

Welche Stadt wäre aber berufener, das internationale Verständnis, die lebhafteste Anteilnahme für das verheißungsvolle Werk aufzubringen, als Wien.

Neue Freie Presse am 5. August 1926

Die Männer, die sich in Wien versammelt haben, um an dem heute beginnenden Kongreß der International Law Association teilzunehmen, sind herzlich willkommen. Unsere Stadt ist stolz darauf, zum Sitze der diesjährigen Tagung einer Vereinigung auserwählt zu sein, die seit mehr als einem halben Jahrhundert unermüdlich und segensreich für die Ausgestaltung des internationalen Rechtes wirkt und die in ihrer Mitte Persönlichkeiten von Weltruf, rechtsgelehrte von unbestrittener Autorität aufweist. Steht doch niemand geringerer als der Marquis of Reading als Ehrenpräsident an der Spitze der Gesellschaft, die auf eine Vergangenheit voll reicher Erfolge, voll fruchtbringender Tätigkeit zurückblickt. Sie will nicht in die Machtsphäre der einzelnen Staaten eingreifen und die Gesetzgebungshoheit keineswegs schmälern. Die International Law Association wird vielmehr von dem dankenswerten Bestreben geleitet, durch nützliche Anregungen, durch sachliche Leistungen, durch wegweisende Vorarbeiten nach allen Seiten hin Einfluß zu nehmen und in einer Zeit, die so wenig Eignung zu bedeutsamen gesetzgeberischen Schaffen offenbart, das legislative Wirken zum Wohle der Menschheit zu befördern. Für die Vereinigung gibt es keine politischen und nationalen Trennungsmauern, keine engherzigen Absonderungen und kleinlichen Zersplitterungen. Sie bemüht sich, die Kräfte aus aller Herren Länder zu sammeln, die Gedankenarbeit der besten Köpfe zu konzentrieren und den Ausbau des überstaatlichen Rechtes unverdrossen vorwärts zu bringen. Diese Tätigkeit erklärt nicht zuletzt das besondere Ansehen, das die International Law Association allerorten genießt, und sie begründet die Freude, die Genugtuung, die man überall empfand, wo sie ihre Versammlungen abhielt.

Welche Stadt wäre aber berufener, das internationale Verständnis, die lebhafteste Anteilnahme für das verheißungsvolle Werk aufzubringen, als Wien, als unser Gemeinwesen, in dem von altes her der Sinn für die internationalen Zusammenhänge rege war, in dem man bei aller Liebe zum angestammten Volkstum niemals die Welt und ihre gewaltigen Probleme vergaß!

 

Hinrichtung eines irischen Freiheitskämpfers

Roger Casement wurde von England des Hochverrats beschuldigt.

Neue Freie Presse am 4. August 1916

Die alte irische Wunde ist wieder aufgebrochen. Schmerzen werden lebendig, die längst gemildert schienen, die heilende Kraft, die schon am Werke war, um den Körper vom Gifte zu befreien, versagt, und die Schuld vieler Jahrhunderte steigt drohend wie ein Gespenst vor England auf. Sir Roger Casement wurde heute hingerichtet; trotz der starken Volksbewegung zu seinen Gunsten, trotz der Bemühungen des Papstes und trotzdem die Machthaber in London wissen mußten, daß der Tod Casements in Amerika einen Aufschrei des Zornes und der Erbitterung hervorrufen müsse. Was hat die englische Regierung zu dieser Gewaltsamkeit veranlaßt? Casement ist nicht mit den Waffen in der Hand festgenommen worden. Er war kein niedrig Denkender, kein vom Feinde des Landes Gekaufter, kein Verräter im verächtlichen Sinne des Wortes. Was ihn beseelte, war nichts anderes als der zermalmende Gedanke an alles Unrecht, das Irland von England erlitten hat; an die Herabwürdigung dieses Königtums, dem die Selbstregierung, die es sich durch die Drohung der Freiwilligen erstritten hatte, verweigert wird und das am ganzen Leibe noch immer die Streimen spürt, welche die englische Peitsche ihm geschlagen hat. Das Leid des alten Erin, des traurigsten Landes, wo Männer und Frauen gehängt wurden, weil sie sich in Grün kleideten, dieses Urgefühl, das kaum jemals gänzlich aus dem irischen Herzen verschwinden kann, es hat auch Sir Roger Casement hingegriffen und zu Gesinnungen verleitet, für die er mit dem Tode bestraft wurde.

 

Neue Befehlsverhältnisse an der russischen Front

Feldmarschall von Hindenburg befehligt nun auch österreichisch-ungarische Einheiten.

Neue Freie Presse am 3. August 1916

Mehrere Gruppen der verbündeten Armeen sind zu einheitlicher Verwendung an der Ostfront unter Feldmarschall v. Hindenburg zusammengefaßt worden. Die allgemeine russische Offensive hat, wie die amtliche Mitteilung sagt, zu diesem Beschlusse der verbündeten Monarchen und Heeresleitungen geführt. Die Feinde werden in dieser Nachricht den festen Willen erkennen, nicht bloß durch die Einheit der Front, sondern auch durch die Einheit der bis zum Äußersten gesteigerten Kräfte und durch mögliche Einheit der Befehlsgebung die Siege zu behaupten, welche die Monarchie und Deutschland über die russische Streitmacht im zweiten Kriegsjahre errungen haben und die eine der entscheidenden Tatsachen für die Sicherung des künftigen Friedens bleiben müssen. Die Zusammenfassung österreichisch-ungarischer und deutscher Heeresgruppen ist schon lange ein Merkmal des Krieges.

 

Olympische Goldmedaille - aber nicht im Sport

Den Österreichern liegt die Architektur.

Neue Freie Presse am 2. August 1936

Ein guter Anfang: Die ersten Ergebnisse, die von den Sommer-Olympischen Spielen mitgeteilt wurden, enthielten eine Goldmedaille für Österreich. Nicht im Sport selbst gegeben, sondern in der Architektur, die sich dem Sport dienstbar gezeigt hat. In Wien, im Künstlerhaus, fiel gelegentlich der Vorschau bereits jenes Modell eines Skistadions auf, das sich zu steiler Höhe hob und von abgerundeten Tribünen umgeben war. Ein Entwurf von Hermann Kutschera, der damit nach Karl Schäfer die zweite Olympische Goldmedaille dieses Jahres errungen hat. Fast gleichwertig ist die silberne Medaille Hermann Eisenmengers für sein Bild eines Läufers knapp vor dem Ziel. Hier wurde nämlich kein erster Preis vergeben, so daß der Österreicher an erster Stelle steht. Und dann gibt es noch zwei bronzene Medaillen: Für die Architekten Hermann Stiegholzer und Herbert Kastinger, die eine Autorennbahn  mit kühn geschwungener Tribüne entworfen haben, sowie für Hans Helmut Stoiber für sein Sonett “Der Diskus”.

Anm.: Von 1912 bis 1948 wurden bei Olympischen Spielen Kunstwettbewerbe ausgetragen. Die Bewerbe fanden in den Bereichen Architektur, Literatur, Musik, Malerei und Bildhauerei statt. Die Arbeiten mussten vom Sport inspiriert sein.

 

Eine indische Frauenuniversität

Das Vorhaben: Alle indischen Frauen, die die Zeit, das Geld und die Neigung haben, sollen studieren können.

Neue Freie Presse am 1. August 1916

Unvermittelbar an die Gründung der Universität für indische Männer in Benares schließt sich jetzt die Gründung einer Universität für indische Frauen in Poona. Der Begründer dieser Frauenuniversität, Professor Karvé, hat bereits, wie die in Madras erscheinende „New India“ erzählt, seit zwei Jahrzehnten ein Heim für indische Witwen geleitet, in dem Witwen aller Klassen und jeden Alters mit ein oder mehreren Kindern Aufnahme fanden. Sie wurden hier gut ernährt, gut gekleidet und vor allem gut erzogen, indem man ihnen möglichst eine höhere Bildung zugänglich machte. Alle hier im Internat lebenden Frauen und Kinder lernten auch Haushaltungsführung und eine Kunst oder ein Handwerk wie Nähen, Sticken, Stricken oder Weben. Dieses segensreiche Unternehmen wuchs sich unter seinem verständnisvollen Leiter immer mehr aus, und die in ihrem Zusammenhang unterhaltene, etwa unserer höheren Töchterschule entsprechende Erziehungsanstalt wird den Uebergang zu der indischen Frauenuniversität darstellen.

Professor Karvés Bestreben geht vor allem dahin, durch private Unterstützungen die für die Universität notwendigen Geldmittel zu erlangen, damit er sich freie Hand der Regierung gegenüber bewahren kann. Die Unterrichtssprache an dieser Frau dem Grundsatze aus, daß der Plan der Frauenuniversität durchaus auf die Eigenart der Frau zugesenuniversität soll eben die indische und nicht die englische sein, wie sie natürlich in einem von der Regierung unterstützten Unternehmen gefordert würde. Alle indischen Frauen, die die Zeit, das Geld und die Neigung haben, sollen dem Studium obliegen können, ohne ihre Muttersprache zu verleugnen. Professor Karvé geht vonchnitten sein und nicht sklavisch das Vorbild der Männeruniversitäten nachahmen soll.

Anm.: Zum Vergleich: 1897 wurden Frauen erstmals zum Studium an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien zugelassen. Den Beginn machten drei Studentinnen.