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Bundestheater an die Kandare

Two pedestrians pass by Burgtheater which is lit in green in celebration of St. Patrick´s day, in Vienna
Das beleuchtete Burgtheater(c) REUTERS (Leonhard Foeger / Reuters)
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Unter den Mitarbeitern von Burgtheater, Volks- und Staatsoper herrscht Panik. Bundestheater-Holding-Chef Kircher will wirtschaftliche Kompetenzen an sich ziehen.

Wien. In der Bundestheater-Holding rumort es. Christian Kircher, Geschäftsführer und Nachfolger von Georg Springer, hat im kommenden Jahr sehr viel vor. Er plant Kompetenzen, die seit der Ausgliederung 1999 in den Töchtern angesiedelt waren, wieder zurück in die Holding zu verlagern. Konkret geht es um die Buchhaltung und Personalverrechnung. Jene Mitarbeiter, die bisher in den einzelnen Häusern für diese sensiblen Bereiche verantwortlich waren, sollen – so der Plan – mit September 2017 in die Holding übersiedeln und ihre Arbeit dort machen. Doch anders als bisher werden sie nicht nur für „ihre“ Bühne zuständig sein, sondern jeder von ihnen soll in dem sogenannten „Shared Service Center“ alle Gesellschaften einsetzbar sein.

Kircher präsentierte sein Konzept schon im Herbst dem Holding-Aufsichtsrat, dem der ehemalige Sektionschef Manfred Matzka (SPÖ) vorsitzt. Dort stieß es auf große Akzeptanz. Sowohl der Aufsichtsrat als auch Kulturminister Thomas Drozda trage das Vorhaben voll mit, sagte Kircher zur „Presse“. Ganz anders sind hingegen die Reaktionen in Staats-, Volksoper und im Burgtheater. Seitdem Kircher seine Pläne vorgestellt hat, ist die Unruhe übergroß.

Warum will man den Töchtern Aufgaben wegnehmen, die dort einwandfrei erfüllt werden? Ist das womöglich der Anfang einer Rückeingliederung? Wird die Holding bald weitere Aufgaben an sich reißen? Wie viel Selbstständigkeit bleibt den Bühnen noch? Diese und viele andere Fragen erfüllen die Töchter-Mitarbeiter mit großer Sorge. All ihre Vorbehalte kann der Holding-Chef nachvollziehen: „Dass die Häuser nicht begeistert sind, ist verständlich. Jede Änderung der Strukturen und der Arbeitsverhältnisse bringen Ängste mit sich. Die werden wir auch alle adressieren“, sagt er zur „Presse“.

Kirchers Schachzug

Anders als befürchtet, sei der Zweck der geplanten Neuerungen nicht, den Mitarbeiterstand zu reduzieren. Vielmehr habe er mit dem Projekt nur ein Ziel vor Augen: Die Qualität und die Transparenz der Arbeit im Konzern zu erhöhen, so wie das schon viele Unternehmen in Wirtschaft und Industrie, aber auch zahlreiche Kultureinrichtungen mit diesem Schritt erfolgreich getan hätten.

Christian Kircher will die Zügel anziehen
Christian Kircher will die Zügel anziehen(c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Doch weshalb entscheidet sich Kircher für den Schachzug gerade jetzt? Seitdem 2013 die höchst dubiosen Finanzpraktiken am Burgtheater aufgedeckt wurden, sind drei Jahre vergangen. An der Finanzgebarung unter dem jetzigen kaufmännischen Direktor Thomas Königstorfer gibt es nichts auszusetzen. Christian Kircher nennt den Grund: „Der Rechnungshof hat das Burgtheater und die Bundestheater-Holding geprüft. In seinem Bericht über die Holding hat er empfohlen, Shared Service Center einzuführen.“ Der Vorteil liegt für ihn auf der Hand: mit einer zentralen Buchhaltung und Personalverrechnung werde nicht nur die Umsetzung vereinheitlicht, sondern auch die Vergleichbarkeit der Häuser gewährleistet. Ob noch weitere Eingriffe in die bisherigen Hoheiten der Töchter geplant sind? „Die Grenzen sind für mich ganz klar. Ich will, dass sie ihren Gestaltungsspielraum erhalten. Es wird keinerlei Einmischungen in künstlerische Belange oder die Programmgestaltung geben.“ Die Angst vor einem „Überintendanten“ ist demnach unbegründet.

Für die Umsetzung des schwierigen Vorhabens holt sich Kircher Unterstützung von außen. Ruth Pieber, die bisher die Bühne Baden und das Landestheaters Niederösterreich als kaufmännische Geschäftsführerin leitete, heuert zu diesem Zweck in der Holding an. Und eine Unternehmensberatung soll den gesamten Prozess begleiten. Ob es sich dabei um die ICG, Deloitte oder eine andere große Gesellschaft handelt, entscheidet Kircher in den nächsten Tagen.

Auf einen Blick

Bundestheater-Holding. 1999 wurden die drei Bühnen, Volks-, Staatsoper und Burgtheater ausgegliedert. Jede von ihnen ist als GmbH wirtschaftlich und künstlerisch eigenverantwortlich. Infolge des Burgtheaterskandals 2014 wurde ein neues Konzept erarbeitet und bereits rechtlich umgesetzt. Als strategische Managementholding soll sie nun mehr Zuständigkeiten haben als zuvor.


[N6OGK]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2016)