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Terror-Experte: "Genauso im Fokus wie andere Länder"

Ein Sonderkommando der Polizei.
Ein Sonderkommando der Polizei.APA/HANS PUNZ
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Die Terrorgefahr in Österreich sei heute nicht höher als vor einem Jahr, sagt Politologe Schmidinger. Es sei aber auch keine "Insel der Seligen".

Die Terrorgefahr in Österreich ist in den letzten Tagen und Wochen nicht gestiegen, europaweit sei sie freilich wegen der Schwäche des IS im Nahen Osten seit längerem größer. Die Festnahme des Terrorverdächtigen gestern in Wien zeige, dass die Behörden funktionieren, betonte der Politikwissenschafter Thomas Schmidinger am Samstag. Er mahnte zu besonnener Reaktion auf solche Vorfälle.

Pauschalverdächtigungen und Debatten wie die von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) initiierte über ein Kopftuchverbot wären "nur Wasser auf die Mühlen" radikaler dschihadistischer Organisationen, warnte der an der Uni Wien tätige Experte. Anschläge könne man nicht immer verhindern, "aber wir können verhindern, dass Terrorismus politisch erfolgreich ist". Dieser lebe auch von der Reaktion, die er auslöst - und sei nur dann wirklich erfolgreich, wenn er Angst und Schrecken verbreitet. Zudem würde man mit einer Pauschalverdächtigung aller Muslime den Terror-Organisationen weitere Anhänger in die Arme treiben.

"Verhindern, dass Dschihadisten politisch erfolgreich"

Deshalb müsse man "sehr strikt" unterscheiden zwischen gewaltbereiten Dschihadisten und dem - auch konservativ gelebten - Islam. Wie viele IS- oder Al-Kaida-Anhänger es in Österreich gibt, könne man nicht genau sagen, "einige 1000" seien es wohl, schätzt Schmidinger. Die Gruppe der Radikalisierten - die in den Nahen Osten gingen (oder gehen wollten), um sich einer Gruppe anzuschließen - sei deutlich kleiner, nämlich "einige Hundert" - und noch einmal viel geringer die Zahl derer, die bereit wären, in Österreich einen Anschlag zu begehen.

Österreich ist nicht stärker bedroht als andere europäische Länder, aber "auch keine Insel der Seligen". "Wir sind grundsätzlich genauso im Fokus wie andere Länder in Europa", konstatierte Schmidinger, das habe auch die gestrige Festnahme eines 18-Jährigen, der offenbar einen Anschlag plante, gezeigt. Mit solchen Vorfällen "werden wir wahrscheinlich in nächster Zeit noch öfter zu tun haben" - aber diese Verhaftung bedeute nicht, dass die Terrorgefahr jetzt größer ist als vor einem Jahr.

(APA)