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Abu Dhabi warnt Katar vor "endgültiger Scheidung"

Eine Reihe arabischer Staaten boykottieren Katar.APA/AFP/FAYEZ NURELDINE
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Vier arabische Staaten legen dem Emirat 13 Bedingungen vor, etwa die Schließung des Fernsehsenders Al-Jazeera. Doha hat zehn Tage Zeit, die Forderungen zu erfüllen.

In der Katar-Krise haben vier arabische Staaten ihre Bedingungen für ein Ende ihres Boykotts übermittelt. Innerhalb von zehn Tagen müsse das Emirat 13 Forderungen erfüllen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von einem Vertreter der Ländergruppe aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain. Unter anderem müsse die Regierung in Doha den Fernsehsender Al-Jazeera schließen und ihre Verbindungen zum Iran einschränken, dem Erzfeind der Boykott-Staaten. Nach der Frist ist das Verhandlungsangebot offenbar hinfällig. Katar nahm zunächst nicht Stellung.

Die arabischen Länder verlangen den Informationen zufolge von der Regierung Katars zudem, ihre Beziehungen zu Extremistenorganisationen wie der Muslimbruderschaft, dem Islamischen Staat, Al-Kaida und der Hisbollah abzubrechen. Zudem müsse das Land sämtliche bekannten Terroristen ausliefern und einen türkischen Militärstützpunkt auf seinem Territorium schließen. Es dürfe sich des Weiteren nicht länger in die innenpolitischen Angelegenheiten der Boykott-Staaten einmischen und Bürgern von dort die katarische Staatsangehörigkeit gewähren.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) riefen Katar am Freitag auf, die Liste "ernst" zu nehmen. Andernfalls sei die "Scheidung endgültig", warnte der emiratische Außenminister Anwar Gargash im Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Türkisch-katarische Achse

"Der Bruder (Katar) muss begreifen, dass die Lösung der Krise nicht in Teheran, Beirut, Ankara, westlichen Hauptstädten oder den Medien liegt, sondern darin, das Vertrauen seiner Nachbarn zurückzugewinnen", schrieb Gargash weiter. Es sei nicht hinnehmbar, dass Katar weiter als "trojanisches Pferd" unter seinen Nachbarn agiere und als Plattform und Geldgeber "einer extremistischen Agenda" diene.

Das nach Fläche und Einwohnerzahl vergleichsweise kleine Emirat hatte in den vergangenen 20 Jahren mitunter den Zorn seiner Nachbarn auf sich gezogen, indem es Verbindungen zur Regierung in Teheran unterhielt, islamistische Gruppen unterstützte und dabei die diplomatische Bühne suchte. Gerade Monarchien am Golf fürchten aber islamistische Strömungen als Bedrohung ihrer Herrschaft. Anfang Juni eskalierte der Streit zur größten Krise am Golf seit Jahren, als die vier arabischen Länder ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu Katar abbrachen und Reiseverbindungen auf die Halbinsel im Persischen Golf kappten.

Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani hatte am Montag Verhandlungen so lange ausgeschlossen, wie die Isolation aufrechterhalten werde. Unterstützt wird Katar nicht nur vom Iran, der mit Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region buhlt. Auch die Türkei steht auf der Seite des Emirats. Unlängst schickte das Nato-Land ein Schiff mit Hilfslieferungen sowie einige weitere Soldaten nach Katar.

Erdogan will vermitteln

Die Forderung der vier arabischen Länder, die türkische Militärbasis in Katar zu schließen, stieß in Ankara umgehend auf Widerstand. Verteidigungsminister Fikri Isik erklärte im Fernsehen, der Stützpunkt stehe nicht infrage. Die Einrichtung diene nicht nur der der Sicherheit Katars, sondern der gesamten Region. Jede Forderung, die Anlage zu schließen, sei eine Einmischung in die bilateralen Beziehungen der Türkei mit Katar.

Andererseits strebt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan selbst eine Vermittlerrolle in der Region in der Katar-Krise an: Nach Informationen aus seinem Präsidialamt will er beim G20-Gipfel in Hamburg mit König Salman aus Saudi-Arabien über den Streit beraten.

Wirtschaftlich profitiert die Türkei von der Blockade Katars. So verdreifachten sich seit Beginn des Boykotts am 5. Juni die türkischen Exporte in das Emirat auf ein Volumen von knapp 33 Millionen Dollar, wie der türkische Handelsminister Bülent Tüfenkci mitteilte. Gut ein Drittel davon seien Lebensmittelausfuhren.

(APA/Reuters)