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Bucher: „Den Markowitz haben sie zu dritt bedroht“

(c) AP (Hans Punz)
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Parteichef Bucher im Gespräch mit der "Presse" über die Ereignisse der letzten Tage und die Zukunft des BZÖ.

„Die Presse“: Herr Bucher, Sie haben in der Pressekonferenz am Donnerstag gesagt: „Das war ein eiskalter Putsch.“ Was ist passiert?

Josef Bucher: Uwe Scheuch hat mir am Mittwoch kurz und bündig mitgeteilt, dass sich die Kärntner Freiheitlichen mit der FPÖ zusammenschließen und alle Kärntner BZÖ-Abgeordneten einen neuen Klub gründen. Und damit basta.

 

Da gab es vorher keine Anzeichen?

Bucher: Herr Scheuch hat mir gegenüber immer wieder beteuert, dass ihm nichts an einer Fusion liegt. Erst am Mittwoch hat er mir dann gestanden, dass er gleich nach dem Wahlerfolg in Kärnten zu Strache gesagt habe, es sei sein Wunsch, die Partei zu einen. Seither laufen die Verhandlungen.

 

Warum hat man Sie hintergangen?

Bucher: Ich vermute, dass das ein Ablenkungsmanöver vom Hypo-Desaster war – so schlecht vorbereitet, wie die ganze Aktion war.

 

Inwieweit haben ideologische Grabenkämpfe zwischen Ihrem rechtsliberalen und dem nationalen Kurs in Kärnten eine Rolle gespielt?

Bucher: Das war ja immer die Rezeptur: Jörg Haider hat mit seiner Politik alle Flügel abgedeckt. Doch jetzt sind die Kärntner Freiheitlichen eine rechtspopulistische Partei mit Überschriften ohne Inhalt.


Sie haben über die Vorgänge am Mittwoch im BZÖ-Klub gesagt: Da hätten nur noch die Lederstiefel gefehlt, dann wäre die Situation mit einer Epoche vergleichbar gewesen, die Sie zutiefst ablehnen. Wie darf man sich das vorstellen?

Bucher: Beide Scheuchs (Uwe und Kurt, Anm.) sind gemeinsam mit dem Harald Dobernig (Finanzlandesrat in Kärnten, Anm.) bei uns aufgekreuzt und haben reinen Tisch gemacht. Den Stefan Markowitz haben sie zu dritt bedroht und gesagt: „Wenn du nicht parierst, dann wirst du in Zukunft keine Veranstaltung mehr in Kärnten haben.“ So etwas habe ich noch nie erlebt – ich dachte, wir wären eine demokratische Partei.

 

Jetzt, wo die nationalen Kräfte weg sind, können Sie aus dem BZÖ eine österreichische FDP machen.

Bucher: Das ist einerseits mein Ziel. Aber wir können auch die Heimatbezogenheit der Österreicher nicht einfach beiseitewischen.


Martin Strutz, einer Ihrer beiden Generalsekretäre, wechselt zur FPK. Wer wird sein Nachfolger?

Bucher: Ich habe mit Stefan Petzner einen sehr guten Generalsekretär, der mir treu ist. Er hat jetzt die alleinige Vollmacht.


Sie werden in den nächsten Tagen ein BZÖ Kärnten gründen. Werden Sie selbst dessen Parteichef?

Bucher: Das strebe ich nicht an, weil ich meistens in Wien bin. Es sollte jemand sein, der vor Ort ist.


An wen denken Sie?

Bucher: Schauen Sie, es melden sich im Moment laufend Gemeinderäte, die wechseln oder bleiben wollen. Das ist völlig skurril. Wir werden das in Ruhe vorbereiten.


Wird das BZÖ 2010 in Wien und im Burgenland antreten?

Bucher: Das wird alles im Jänner entschieden – auch, was die Präsidentschaftskandidatur betrifft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2009)