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Noch mehr Konkurrenz für Taxis in Wien

Der 2013 in Estland gegründete Fahrtenvermittler Taxify startet am Donnerstag in Wien.
Der 2013 in Estland gegründete Fahrtenvermittler Taxify startet am Donnerstag in Wien.(c) REUTERS (Ints Kalnins)
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Mit Taxify geht ein Uber-Konkurrent am Donnerstag in Wien auf den Markt. Die Taxi-Innung ist alarmiert und will wie bei Uber jeden Missstand zur Anzeige bringen.

Wien. Die Digitalisierung ist auch auf Rädern unterwegs. Per Smartphone bestellt man heute Transportmöglichkeiten, die früher noch telefonisch angefordert oder per Handzeichen an den Straßenrand gewinkt wurden. Längst haben die Taxis, die früher quasi das Monopol hatten, dadurch Konkurrenz bekommen. Neben der Vermittlungsplattform Uber, die seit 2014 in Wien unterwegs ist, kommt am Donnerstag ein weiterer Player ins Spiel. Taxify, ein in Estland gegründetes Start-up, startet mit 350 bis 400 Fahrzeugen. Wobei weder Taxify noch Uber selbst Autos betreiben – sie schließen lediglich per App Kunden und Fahrer, die mit Mietwagen unterwegs sind, zusammen. Der größte Vorteil für die Kunden im Vergleich zum Taxi: Eine so gebuchte Fahrt ist, da man nicht an die vorgegebenen Taxitarife gebunden ist, teilweise um ein Drittel billiger.

In dem ohnehin umkämpften Markt will der neue Anbieter mit noch niedrigeren Preisen bestehen. So wie bei Uber hängt der Preis bei Taxify von Entfernung und Fahrzeit ab, doch will man die Provision, die Fahrer für die Vermittlung zahlen müssen, niedriger halten als bei Uber. Ansonsten sind die Unterschiede überschaubar. Gebucht wird über eine App, Fahrer und Kunde können sich nach der Fahrt gegenseitig bewerten und am Ende wird der Fahrpreis per Kreditkarte abgebucht. Wobei, noch ein kleiner Unterschied, Taxify will den Kunden auch Barzahlung möglich machen. Und, so ein Sprecher des Unternehmens: Während Uber das Auto vermittelt, das per Luftlinie am nächsten zum Standort ist, kann man bei Taxify selbst bestimmen, welches Fahrzeug in der Nähe man buchen möchte.

Der Wiener Taxi-Innung ist der neue Anbieter am Markt freilich genauso ein Dorn im Auge wie bereits Konkurrent Uber. Dem Unternehmen wirft man – wie in vielen europäischen Städten auch – Wettbewerbsverzerrung, Preis- und Lohndumping vor. Den Start von Taxify will man in der Innung daher genau beobachten. „Wenn es ein Vergehen gibt, dann werden wir das zur Anzeige bringen“, sagt Gökhan Keskin, Obmann der Sparte Beförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer Wien. Gespräche mit Taxify habe es im Vorfeld nicht gegeben. „Sie haben sich weder gemeldet, noch sonst irgendwie Kontakt gesucht.“

Der Widerstand gegen Firmen wie Uber und Taxify ist groß. Bei der Innung wartet man bereits auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshof, das noch in diesem Jahr fallen soll. Ein spanischer Taxiverband hat das Unternehmen in seinem Land verklagt. Geht das Urteil im Sinne der Taxifahrer aus, müsste Uber in Zukunft in jedem Land, in dem es tätig ist, die gleichen Lizenzen und Genehmigung vorweisen wie Taxifahrer. Laut Innung würde die Behörden dadurch vor allem einen besseren Zugriff auf die Daten der Uber-Fahrer haben. „Es geht ja auch um Lohndumping und Sozialbetrug“, sagt Keskin. In einer parlamentarischen Anfrage an Arbeitsminister Alois Stöger (SPÖ) im März 2017 heißt es dazu: „Bei den Kontrollen angetroffene Personen, die für den Fahrservice Uber tätig sind, verfügen weder über Arbeitsverträge mit Uber noch besitzen sie einen Gewerbeschein.“ Laut Keskin werden rund 150 Mietwagen-Betriebe, die für Uber arbeiten sollen, von den Behörden überprüft.

 

Einstweilige Verfügung

Auch die Taxifirmen selbst wehren sich. Einen ersten Teilerfolg gegen Uber haben in Österreich die Taxirufzentralen kürzlich erreicht – das Oberlandesgericht Wien hat eine einstweilige Verfügung gegen zwei Mietwagenunternehmen erlassen, die für Uber unterwegs waren. Hintergrund ist, dass Mietwagen laut Gewerbeordnung nach jeder Fahrt wieder in die Betriebsstätte zurückkehren müssen – diese Rückkehrpflicht werde aber durch die Nutzung der App umgangen. Uber selbst ist nicht Teil des Gerichtsverfahrens – und das Service ist weiter zugänglich. Auch bei Taxify sieht man kein Hindernis für das Geschäftsmodell. Und, so heißt es aus dem Unternehmen, man gehe nicht wie Uber mit einem starren Modell in jeden Markt hinein, sondern passe sich an den jeweiligen Markt an. „Und wenn es rechtliche Änderungen gibt“, so der Sprecher, „werden wir uns den Gesetzen anpassen.“

Dass die Gesetze angepasst werden, daran arbeitet man auch in der Wiener Taxi-Innung. Denn neue Technologien lassen sich – so viel ist klar – nicht aufhalten. Derzeit arbeitet man österreichweit an einer Neuaufstellung des Gewerbes: Taxi- und Mietwagen sollen in Zukunft in einem Gewerbe zusammengefasst werden. Auch mit der Stadt Wien verhandelt man – und will den Tarif-Index neu aufstellen, quasi das System für zukünftige Tariferhöhungen.

 

Registrierkassa: 500 Taxis weniger

Die Wiener Taxi-Szene wird also noch weiterhin unruhige Zeiten vor sich haben. Die Einführung der Registrierkassa im Vorjahr hat jedenfalls den Markt bereinigt – seither gibt es am ohnehin eher dichten Taximarkt rund 500 Fahrzeuge weniger – in absoluten Zahlen sind das 4400. „Wir sind heute“, sagt Keskin, „wieder auf dem Stand von 1993.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2017)