Kommentar

Der Fortschritt lässt sich also doch aufhalten

Das Uber-Urteil ist richtig, macht aber nicht froh.

Nein, so wie Uber sich das vorgestellt hat, geht es eben nicht. Gegen zu starre Regeln kämpfen, in der Politik lobbyieren, die Bürger mobilisieren: bitte, sehr gern. Aber wer glaubt, sich einfach mit der geballten Macht milliardenschwerer Investoren und smarter Anwälte über demokratisch beschlossene Gesetze hinwegsetzen zu können, den muss der Rechtsstaat in die Schranken weisen. Denn sonst landen wir in einer Gesellschaft, in der das Faustrecht des ökonomisch Stärkeren triumphiert. Der EuGH hat nichts anderes gemacht, als einen faulen Trick zu entlarven: Uber ist keine App, sondern ein Taxidienst – was denn sonst. Dennoch macht das Urteil nicht froh.

Denn so falsch das Mittel ist, so richtig ist das Ziel: bessere und billigere Leistungen in einer überregulierten, vor Wettbewerb abgeschirmten Branche – so wie in der Epoche der Pferdedroschken.

Stimmt schon: Fahrer oder Fahrradboten sind oft nicht versichert, kriegen weder Urlaub noch Pension. Aber das sind erwachsene Menschen, die wissen, worauf sie sich einlassen – weil sie flexible Zeiten schätzen, als Studenten etwas dazuverdienen oder in Ländern mit verkrusteten Arbeitsmärkten nichts Fixes finden. Nein, eine genaue Ortskenntnis brauchen Chauffeure in Navi-Zeiten nicht mehr. Aber dass Uber-Fahrer meist viel freundlicher sind als klassische Taxler, stieß auf sehnsüchtige Nachfrage. Ihr Lächeln würde uns fehlen.

karl.gaulhofer@diepresse.com