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Österreichs Wirtschaft wächst wie seit einem Jahrzehnt nicht

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Das Wifo hat seine Prognosen für heuer und 2018 auf 3,0 Prozent hochgeschraubt, das IHS ihre gar auf 3,1 Prozent. .

Die heimische Wirtschaft wächst - angetrieben durch die international kräftige Konjunktur - heuer besonders stark. Wie die Nationalbank gehen nun auch Wifo und IHS von zumindest drei Prozent realem BIP-Plus 2017 aus. Der Anstieg ist so hoch wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Und erstmals seit 2012 weist Österreich heuer und 2018 wieder einen Wachstumsvorsprung gegenüber dem Euroraum auf.

Das Wifo hat seine Wachstumsprognosen für 2017 und 2018 auf je 3,0 Prozent angehoben, von davor jeweils 2,8 Prozent.Das Institut für Höhere Studien (IHS), das zuletzt ebenfalls noch verhaltener war, hat die Vorhersage für heuer von 2,8 auf 3,1 Prozent erhöht.

Wifo/IHS-Konjunkturprognose
Wifo/IHS-Konjunkturprognose(c) APA

Lebhafter Exportmarkt stützt

Gestützt wird der kräftige Aufschwung in Österreich durch eine lebhafte Exportdynamik, hohe Investitionszuwächse und die Konsumnachfrage der privaten Haushalte, so das Wifo. Auch im vierten Quartal dürfte die Wirtschaft heuer anhaltend stark zugelegt haben, und die Entwicklung dürfte sich im ersten Halbjahr 2018 mit ähnlicher Dynamik fortsetzen, heißt es.

Der Arbeitsmarkt profitiert von der Hochkonjunktur, sodass die Arbeitslosenquote bis zum Jahr 2019 auf 8 Prozent fallen sollte, erwartet das IHS. Die Arbeitslosenquote sinke zwar, bleibe aber hoch, und manche Personengruppen dürften nur zögerlich vom Aufbau der Beschäftigung profitieren, meint das Wifo; daher dürften die Lohnzuwächse vermutlich nicht allzu kräftig ausfallen.

Die Hochkonjunkturphase sollte für das Erreichen eines nachhaltigen Budgetkurses und für dringend nötige Strukturreformen genutzt werden, fordert das IHS. Durch die lebhafte Konjunktur würden die Einnahmen der öffentlichen Haushalte begünstigt, so das Wifo; der Finanzierungssaldo der öffentlichen Haushalte werde sich heuer um einen Prozentpunkt auf -0,6 Prozent des BIP verringern, 2018 voraussichtlich -0,4 Prozent des BIP betragen und 2019 weiter auf -0,1 Prozent sinken.

Hohe "Sockelarbeitslosigkeit"

Das Regierungsprogramm können Wifo und IHS wegen fehlender Konkretisierungen noch nicht im Detail bewerten. Nehme man die EU-Vorgaben und die eigendefinierte Schuldenbremse ernst, sei "der Spielraum für defizitfinanzierte Reformen sehr gering", betonte Kocher. Ja, eine große Steuerreform sei nötig, sagte Wifo-Chef Badelt, sie sollte sogar noch größer sein, nämlich den Faktor Arbeit noch stärker entlasten als angedeutet und auch eine Öko-Orientierung vornehmen. Und: "Die Regierung muss der Versuchung widerstehen, erwarteten Mehreinnahmen zu Mehrausgaben zu benützen", meinte Badelt: Trotz fehlender Details könne man schon "Problemzonen, Versuchungen und Chancen erkennen". Es könnte "problematisch sein, Menschen früher in die Mindestsicherung zu schieben", auch finanziell für die Bundesländer. Es gehe um die richtige "Mischung" aus Anreizen und Druck, erklärten beide Experten unisono.

Die Sockelarbeitslosigkeit sei "enorm" hoch, das sei trotz positiver Konjunktur ein Problem, so der Wifo-Chef. Den Sockel-Anteil bezifferte er mit 36 bis 38 Prozent insgesamt bzw. 45 Prozent bei den Menschen über 50. Der Beschäftigungsbonus sollte wegen der starken Mitnahmeeffekte nicht verlängert werden. Die "Aktion 20.000" sei es aber wert, ausprobiert zu werden.

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung dürfte laut Wifo heuer von 9,1 auf 8,5 Prozent sinken und 2018/19 weiter auf 7,9 bzw. 7,7 Prozent zurückgehen. Dazu trage auch die Verlangsamung des Anstiegs der Zahl der Erwerbspersonen bei, sodass der Beschäftigungsaufbau wieder stärker auf die Arbeitslosenquote durchschlage als in den Vorjahren. Es handle sich dabei um den ersten Rückgang der Arbeitslosenzahlen seit 2012, so Kocher. Grund: Das Arbeitskräfteangebot steigt zwar weiter, aber nicht mehr so stark.

 

 

(APA)