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Auf Spurensuche in Salzburgs Trauerspielen

Abpfiff, der Blick ins Leere, wieder keine Champions League: Stefan Lainer war fassungslos.
Abpfiff, der Blick ins Leere, wieder keine Champions League: Stefan Lainer war fassungslos.(c) APA/DANIEL KRUG (DANIEL KRUG)
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Salzburg leckt zum elften Mal seine Champions-League-Wunden. Das Trostpflaster in der Europa League wird heute ausgelost.

Salzburg und die Champions League, es bleibt auch 2018 ein unerfüllter Wunschtraum. Wenngleich die Chance gegen Roter Stern Belgrad größer denn je war – immerhin führte Österreichs seit November 2016 daheim ungeschlagener Serienmeister bereits mit 2:0 – scheiterten die Bullen erneut an ihrer größten Schwäche: den Nerven. Den Serben genügte eine Aktion, um jede Ordnung über den Haufen zu werfen und aus dem Wirrwarr in Salzburgs Abwehr Kapital zu schlagen.

Das 2:2 ist womöglich die härteste Abfuhr, die Salzburg in seiner seit 2005 währenden RB-Ära einstecken musste. Aber, es ist „Land in Sicht“: Auf den Meister der Zwölferliga wartet 2019/2020 ein Fixplatz in der Eliteliga. Dass er nicht an Salzburg gehen könnte, ist genauso unwahrscheinlich wie elf Qualifikationspleiten in Serie.

 

Beste Ausgangslage seit 2014

Was aber sind die Lehren aus dem 77 Sekunden dauernden Blackout? „Was können wir noch mehr tun?“, suchte Sportchef Christoph Freund fassungslos nach Antworten. Aber was sollen Spieler wie Kapitän Andreas Ulmer (seit 2009 in Salzburg) oder Stefan Lainer (keine Serie A, keine CL, weil das Angebot von Napoli abgelehnt wurde) denken? Die Mannschaft wurde en gros gehalten, Trainer Marco Rose zieht die Fäden – es war gegen Belgrad die wohl beste Ausgangslage seit 2014. Damals waren Soriano, Alan, Kampl und Co. an Malmö zerbrochen.

Eine wohl essenzielle Parallele: Es fiel erneut kein Auswärtstor. Gegen Düdelingen (0), Fenerbahçe (1), Malmö I (0), Malmö II (0), Zagreb (1) oder Rijeka (0) gelang auswärts maximal ein Treffer. Die zählen im Europacup aber doppelt. Vor eigenem Publikum macht man Salzburg fast nichts mehr vor, also lag die Wurzel allen Übels beim 0:0 im Marakana.

Was alle Klubs, die Salzburg (zumeist als bessere Elf) aus dem Bewerb warfen, eint, ist der Umstand, dass Unruheherde glimmen oder ein kräftiger Veteran rund um den Strafraum aneckt, Körperkontakt sucht. So lang, bis jungen Spielern Fehler passieren. Egal, ob Rosenberg, Schildenfeld oder jetzt Pavkov: Diese Systematik irritiert Salzburg seit 2006 durchgehend.

 

Zu braver „Kinderfußball“

Untermauert wird diese These vom Begriff „Kinderfußball“. Ihn verwendete 2014 erstmals Soriano, 2015 plapperte es ihm Hinteregger nach. 2018 war es Dabbur, der diese Beschreibung für das brave, fehleranfällige Spiel mancher Kollegen anwandte. Daka und Wolf sind Teenager, beide 19. Sie belebten das Spiel, hätten aber womöglich früher getauscht werden müssen. Diesem Vorwurf muss sich Rose stellen. Spätestens dann, als die Gangart rauer wurde. Der Sambier war da schon „abgemeldet“, Wolf unterlief der fatale Fehlpass.

Salzburg spielte über eine Stunde lang schönen, aber viel zu anständigen Fußball. Warum Keeper Stanković einen Belgrad-Spieler, der nach einer Pongracić-Provokation die Fassung verlor und sicher ausgeschlossen worden wäre, hätte man ihn einfach gewähren lassen, umarmte, festhielt und beruhigte, ist vollkommen schleierhaft. Es ist Fair Play, ja. Doch mit dieser Rudelbildung erhielten die Serben die Oberhand – und der Albtraum nahm seinen 77 Sekunden währenden Lauf.

Billige Gegentore vollenden das Bild des Schreckens, das Salzburg in CL-Qualifikationsspielen abliefert. Selten gelingt eine Trendwende – und deshalb wartet wieder die Europa League. Die Auslosung startet um 13 Uhr. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2018)