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Spielregeln für das Krypto-Paradies

Odelia Torteman wirbt für Israel als Tech-Hub.
Odelia Torteman wirbt für Israel als Tech-Hub.Daniel Novotny
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Blockchain. Israel ist eine Hochburg der Krypto-Szene. Auch Liechtenstein und die Schweiz wollen die Branche mit klaren Regeln locken. Wien verspricht: Wir werden nicht ausgespielt.

Während der mediale Hype um die Kryptowährung Bitcoin langsam abebbt, floriert die Blockchain-Szene hinter den Kulissen wie eh und je. Kryptomillionäre, Entwickler und Berater preisen die Technologie als nächstes großes Ding nach dem Internet. Das lockt auch „Dilettanten, Spekulanten und Betrüger an“, warnt Klaus Kumpfmüller, Vorstand bei der Finanzmarktaufsicht FMA. Nur etwa ein Fünftel der Branche arbeite seriös. „Wenn das so weitergeht, besteht die Gefahr, dass eine an sich sinnvolle Entwicklung komplett implodiert.“
Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, mit deren Hilfe reale (und irreale) Werte fälschungssicher gespeichert und gehandelt werden können. Auch etablierte Banken, Versicherungen und IT-Konzerne arbeiten inzwischen daran, die Technologie für sich zu nutzen – und auch viele Staaten ringen um ihr Stück vom Krypto-Business.

Israel rollt Start-ups den Teppich aus

Vor allem Israel hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Hochburg der Branche gemausert. 7000 Start-ups sind in und rund um Tel Aviv aktiv, 500 davon in der Finanzwelt, die als Blockchain-Pionier gilt. Dazu kommen internationale Banken und Versicherungen wie Citi, Allianz, SwissRe und Axa, die das Land als Entwicklungsstandort entdeckt haben. „Israel ist ein faszinierender Technologie-Hub“, sagt Odelia Torteman, die sich für die Beratungsgesellschaft Deloitte um die Branche im Land kümmert.


Das hat zwei Gründe. Erstens: „Wir haben kaum Ressourcen, außer unser Know-how“, sagt die Israelin. Der Staat investiert viel Geld in die technologische Entwicklung für das Militär. Zweitens könnten die dort gewonnenen Erkenntnisse leicht kommerziell zweitverwertet werden. Auch den Zugang zu Venture Capital erleichtert die Regierung, so gut es geht, die steuerlichen Bedingungen sind investorenfreundlich. Und: Kein anderes Land (außer den USA) hat eine höhere Smartphone-Dichte als Israel. Gute Voraussetzungen für digitale Geschäftsmodelle.


Aber das alleine reicht nicht. Die junge Krypto-Branche leidet in vielen Weltgegenden auch an der hohen Unsicherheit darüber, unter welchen Bedingungen die Staaten ihr Geschäft künftig billigen. Israel habe sich für eine unterstützende Regulierung entschieden, sagt Torteman. Die Zusammenarbeit von Finanzmarktaufsicht und -ministerium mit der Branche sei sehr eng. Das Wachstum der Branche sei erklärtes Ziel der Regierung. Für FinTechs sei es einfach, eine Lizenz als Finanzinstitution zu bekommen. Bei Regulierungen orientiere sich die Behörde meist an den technologischen Lösungen, die die Branche biete. „Das ist innovativ und hilfreich für die Unternehmen.“


Auch in Europa bringen sich etliche Staaten im Kampf um die Krypto-Szene in Stellung. Liechtenstein hat ein eigenes Krypto-Gesetz auf den Weg gebracht, um der Branche das zu geben, was sie am meisten braucht: Rechtssicherheit, klare Regeln für virtuelle Börsegänge und verständliche Steuergesetze. Seit die Vaduzer Pläne bekannt wurden, zieht es immer mehr Start-ups in das kleine Fürstentum. Der Schweizer Kanton Zug hat diesen Schritt bereits hinter sich. Mehr als 200 Blockchain-Unternehmen haben sich angesiedelt, seit die Schweizer verkündet haben, hier das „Crypto Valley“ aufbauen zu wollen.


Auch in Österreich rufe die Branche nach klaren Regeln, sagt FMA-Chef Kumpfmüller. „Wir brauchen einen Sprung auf europäischer Ebene. Alles, was wie ein Finanzinstrument wirkt, muss auch so reguliert werden“. Im Klartext heißt das: Prospektpflicht auch für virtuelle Börsegänge (ICOs), um den Anlegern mehr Transparenz und Sicherheit zu bieten. Schon heute kommt die Hälfte aller vermeintlichen Betrugsfälle, die die FMA der Staatsanwaltschaft meldet, aus dem Krypto-Bereich. Auch Handelsplattformen und Walletbetreiber müssten stärker in die Pflicht genommen werden, um Geldwäsche mit Krypto-Währungen zu verhindern. Derzeit seien die Banken aufgefordert, größere Überweisungen von derartigen Plattformen genau zu beobachten und im Zweifelsfall zu melden.


Mit den Kollegen aus Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland sei man in Kontakt. „Wir tauschen uns aus – auch, damit wir nicht ausgespielt werden können.“

Heute, Freitag, diskutieren Odelia Torteman und Klaus Kumpfmüller mit Shikha Mehra über Krypto-Währungen (Breakfast Club, 10.30 Uhr, Alpbacherhof).