Menschenunwürdig? Streit um Kapsel-Wohnungen in Barcelona

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Viel Platz bietet eine Haibu-Kapsel nicht. Aber ein Dach über dem Kopf.APA/AFP/HAIBU Solutions/HANDOUT

Ein Unternehmen will in Barcelona günstigen Wohnraum an Niedrigverdiener vermieten. Doch die Stadtverwaltung lässt den "Bienenstock" nicht zu.

Es sollte eine Lösung für all jene Menschen sein, die im überhitzten Immobilienmarkt von Barcelona keine Bleibe mehr finden. Für 200 Euro im Monat gibt es ein Dach über den Kopf – allerdings muss man sich mit einer gerade einmal zwei Meter langen und 1,2 Meter hohen Kapsel zufrieden geben, in der nicht viel mehr Platz hat als ein Bett, etwas Stauraum und ein Fernseher. Zusätzlich gibt es Gratis-W-Lan und den Zugang zu Gemeinschaftsbad und -küche.

Nach dem Vorbild japanischer Kapselhotels wollte das Unternehmen „Haibu 4.0“ (japanisch für "Bienenstock") 15 Wohn-Kapseln in der katalanischen Hauptstadt wie Waben übereinander stapeln. Doch die Firma hat die Rechnung ohne die Stadtverwaltung gemacht. Noch bevor das Unternehmen überhaupt eine Lizenz beantragen konnte, gab es ein Veto von der Wohnbehörde. In Anbetracht der Gesetzeslage sei es unmöglich, das Okay zu geben, hieß es.

"Zum Glück ist es verboten, Menschen aufeinanderzustapeln", sagt Bürgermeisterin Ada Colau im Gespräch mit spanischen Journalisten. Podemos-Politiker Inigo Errejon empörte sich auf Twitter: "Es gibt ähnliche Unterkünfte auf Friedhöfen. Man nennt sie Särge."

Bereits 600 Interessenten

Es gibt zwar schon Kapsel-Unterkünfte in Spanien, allerdings werden diese ausschließlich für Touristen angeboten. In diesem Fall geht es aber darum, die Unterkünfte als dauerhaften Wohnraum an junge Niedrigverdiener mit einem monatlichen Einkommen von mindestens 450 Euro zu vermieten. Es gibt sogar eine Altersbeschränkung von 25 bis 45 Jahren. Firmenangaben zufolge gibt es bereits 600 Interessenten, und das obwohl das Wabengebilde noch nicht einmal bezugsfertig ist. Ende September soll es soweit sein.

"Wir wollen Menschen mit beschränken ökonomischen Mitteln die Möglichkeit geben, durch die Krise zu kommen", erklärt Haibu die Beweggründe hinter der umstrittenen Geschäftsidee. Es sei immerhin besser, als auf der Straße oder in einem Mehrbettzimmer im Hostel zu leben. Dass niemand freiwillig in so einer Kapsel-Wohnung lebt, ist Co-Gründerin Victoria Cerdan bewusst: "Aber es will auch niemand nur 500 Euro im Monat verdienen und trotzdem gibt es das."

 

>>> „Haibu 4.0.“

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