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Ein Live-Hörspiel mit Carnal, Rabl, Brausepulver und Spiegelei

Autor Marc Carnal und Regisseurin Klara Rabl.
Autor Marc Carnal und Regisseurin Klara Rabl.Die Presse (Carolina Frank)
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Eine Regisseurin und ein Autor nehmen sich des Live-Hörspiels an: "Der verhängnisvolle Tod des Werner Gruber" ist Science Fiction und Stilbruch.

Als die Schauspielerin Dolores Winkler der Regisseurin Klara Rabl und dem Autor Marc Carnal den Vorschlag unterbreitete, doch für das Waldviertler Theaterfestival "Hin & Weg" im Sommer diesen Jahres zusammenzuarbeiten, stimmten Rabl und Carnal zu, allerdings stellten sie Bedingungen: Theaterstück wollten sie keines kreieren, und auch keine szenische Lesung. Denn die "wird schnell fad".

Rabl und Carnal, professionell seit vergangenem Jahr durch die Schauspielhaus-Wien-Produktion "Seestadtsaga" verbunden, hatten vielmehr Lust, die beiden Elemente Theater und Hörspiel zu kombinieren: Ein Live-Hörspiel sollte es werden. Diese in Österreich verhältnismäßig rare Bühnengattung verbindet die Intimität des Hörbuchgenusses mit der Skurrilität der Tonstudioarbeit und der Aktivität der Theaterbühne. Schauspieler tragen dabei die Texte der jeweiligen Figuren vor und untermalen sie mit Geräuschen.

"Wir kannten das Genre nicht, wir haben es nicht verstanden", erzählt Rabl, die zuletzt Regisseurin und Produktionsleiterin der "Seestadtsaga" war, die Idee zum Live-Hörspiel war "eine Dummheit, eigentlich", fügt Carnal dem hinzu. Eine Dummheit, die den beiden Spaß machte: "Wir kamen aus einer naiven Position", sagt Rabl was auch mehr Spannung für ein Projekt abseits des Bekannten barg. Der Bruch zwischen optischer und akustischer Ebene machte den Reiz aus.

Sie sollten dank dieses Reizes viele Wochen mit der Suche nach Requisiten (wie "vertont" man eine Tür "live", ohne eine Tür zu benutzen?), den richtigen Mikrofonen, dem richtigen Umgang auf der Bühne verbringen, ehe "Der verhängnisvolle Tod des Werner Gruber" schließlich am "Hin & Weg" in Litschau aufgeführt wurde. Und ein Erfolg war. Ab Ende Oktober ist das Live-Hörspiel im Wiener Kabarett Niedermair zu hören und zu sehen.

Neben Dolores Winkler stehen auch Reinhold G. Moritz und Benjamin Vanyek in "Der verhängnisvolle Tod des Werner Gruber" auf der Bühne und erzählen eine Science-Fiction-Geschichte aus der Provinz: Carnal, unter anderem Autor für "Willkommen Österreich", das Online-Satiremedium "Tagespresse" und FM4, hatte den Stoff dafür in der Schublade: Seit Jahren hatte er an der Geschichte eines niederösterreichischen Landeshauptmanns aus dem Jahr 2082 geschrieben, der in die Vergangenheit reist, um die Zeugung seines sozialdemokratischen Widersachers zu verhindern denn die ÖVP-Absolute ist in Gefahr. (Der TV-Physiker Werner Gruber spielt zwar auf der Bühne nicht mit, hat aber eingewilligt, in dem Stück in einer Schlüsselrolle vorzukommen, was im Übrigen zu der herausragenden Überschrift "Dobersberger Regisseurin bringt TV-Physiker Werner Gruber um" im "Bezirksblatt" führte.)

Klangexperimente. Zukunftsstoff stellte sich dabei als ideal für ein Live-Hörspiel heraus. Mit großer Freude berichten Rabl und Carnal von den Klangexperimenten, die sie für das Stück verrichteten: Irgendwann hätten sie bemerkt, "wir können behaupten, so klingt das in der Zukunft".

Allerdings führten wesentlich alltäglichere Dinge zur Verzweiflung des gesamten Teams. Besonders die Vertonung der klassischen sich schließenden Tür wurde zur Herkulesaufgabe: "Türen in Hörspielen müssen immer quietschen", sagt Carnal, eine "Regel, die man eigentlich von den Kassetten der eigenen Kindheit kennen könnte". Rabl, er und die Schauspieler seien zuhause gesessen und hätten Türen auf- und zugemacht auf der Suche nach dem Ton.

Irgendwann, meint Carnal, sei er dann im 22. Wiener Gemeindebezirk gelandet, wo er eine alte, riesige Holzschraubzwinge erstanden habe. Quietschend, perfekt.
Trotz des ungewöhnlichen Konzepts hätten die drei Schauspieler sich "extrem offen" in die Erarbeitung geworfen, erzählt Rabl; immerhin sei man daran gegangen, die klassischen Regeln der Bühnenarbeit zu brechen. Wie sollte man sich etwa auf der Bühne bewegen, wenn man gerade noch eine Rolle gesprochen hatte dann aber eben eine quietschende Tür "vertonen" müsste? "Oft haben diese Fragen zu Ratlosigkeit geführt", meint Rabl. Ratlosigkeit, die schlussendlich mit sicherem Bauchgefühl und logischen Schlüssen der Schauspieler gelöst worden sei. "Das war eine Arbeit mit wenig Frust", sagt die Regisseurin, die während der Aufführungen übrigens selbst hinter der Tonanlage sitzt und die Geräusche abmischt.

Als tatsächliches Hörspiel also als eines, das man früher auf Kassetten und CDs, heute wahrscheinlich per Streaming-App anhören würde funktioniert "Der verhängnisvolle Tod des Werner Gruber" wohl nicht. Da sind sich Rabl und Carnal recht sicher. Dem geneigten Publikum wird das spätestens dann bewusst, wenn sich Dolores Winkler auf der Bühne zum Mikrofon hinabbeugt, den Mund aufmacht und mit blubberndem Brausepulver ein brutzelndes Spiegelei vertont. Gleich danach steht dann auch Werner Gruber vor der quietschenden Haustür und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Tipp

Live-Hörspiel "Der verhängnisvolle Tod des Werner Gruber" am 27. Oktober, 30. November, 22. Dezember, 22 Uhr, im Kabarett Niedermair, Wien. Weitere Termine: www.facebook.com/
gruberhoerspie

("Die Presse-Kulturmagazin", 19.10.2018)