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US-Rückzieher lässt russische Aktie explodieren

Archivbild: Ware des weltweit zweitgrößten Aluminiumkonzern Rusal
Archivbild: Ware des weltweit zweitgrößten Aluminiumkonzern RusalREUTERS
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Die USA machen bei den Sanktionen gegen den weltweit zweitgrößten Aluminiumkonzern kehrt. Der Schritt ist einmalig. Der Aluminiumpreis fällt auf ein 16-Monats-Tief. Die betroffenen Personen haben vielfältige Österreichbezüge.

Für einen wahren Paukenschlag sorgte das US-Finanzministerium in der Nacht auf Donnerstag. Wie die Behörde mitteilte, plane sie, in den kommenden 30 Tagen die Sanktionen gegen den russischen und weltweit zweitgrößten Aluminiumkonzern Rusal, dessen Mutterkonzern En+ sowie das Wasserkraftunternehmen JSC EuroSibEnergo aufzuheben. Sie habe den US-Kongress bereits darüber informiert.

Die Nachricht ist einzigartig, haben die USA doch bisher noch kein russisches Unternehmen von auferlegten Sanktionen befreit. Entsprechend sorgte sie für großes Aufatmen bei Investoren und auf dem Aluminiummarkt. Die Rusal-Aktie kletterte am Donnerstag um 26,8 Prozent auf ein Acht-Monat-Hoch, während der Preis für Aluminium auf ein 16-Monats-Tief sackte.

Die USA hatten zur Bedingung gemacht, dass der russische Tycoon Oleg Deripaska seine Anteile an diesen drei von ihm kontrollierten Unternehmen reduziert. Darüber war in den vergangenen Monaten verhandelt worden. Nun sinkt Deripaskas Anteil an En+ von fast 70 Prozent auf 44,95 Prozent. Der Tycoon verliert auch das Recht, seine Anteile später zu erhöhen. Anteile werden zum einen an eine Finanzgesellschaft übergeben (genannt wird die VTB-Bank), zum Teil an einen Wohltätigkeitsfonds.

USA waren von ihren eigenen Sanktionen betroffen

Auch Deripaskas Familienmitglieder, die Anteile an den Unternehmen halten, verlieren ihre Stimmrechte – konkret betrifft dies seine von ihm getrennt lebende Frau Polina (Stammurlaubsgästin in Tirol) und seinen Schwiegervater Valentin Jumaschew, Mitglieder der Familie von Ex-Präsident Boris Jelzin, wobei Jumaschew und seine Frau die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Zudem muss Matthias Warnig, Aufsichtsratvositzender von Rusal und in Personalunion auch Chef der Ostseepipeline Nord Stream, das Unternehmen verlassen. Ihm wird wie Deripaska eine zu starke Nähe zu Kremlchef Wladimir Putin angelastet. Die Sanktionen gegen Deripaska selbst bleiben denn auch aufrecht. Deripaska ist übrigens Großaktionär des österreichischen Baukonzerns Strabag, die eigenen Angaben zufolge von den Sanktionen nie in Mitleidenschaft gezogen war.

Die Sanktionen gegen die drei russischen Deripaska-Unternehmen waren am 6. April verhängt worden und galten als die schärfsten seit Beginn der Krim-Krise. Sie hatten den russischen Aktienmarkt und den Rubel schwer belastet und den Aluminiumpreis um 24 Prozent auf ein Dreijahres-Hoch schnellen lassen. Letzteres traf dann auch die US-Wirtschaft selbst, weshalb die US-Behörden mit der Umsetzung der Sanktionen zögerten und Gesprächsbereitschaft signalisierten. Dazu trug auch bei, dass Rusal aufgrund seiner Größe stark in globale und vor allem europäische Produktionsketten involviert ist und dort – etwa in Irland – auch Werke unterhält.

(APA/red.)