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Hacker veröffentlichen private Daten Hunderter deutscher Politiker

Archivbild: Der deutsche Bundestag
Archivbild: Der deutsche BundestagREUTERS
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Mehr als 400 Politiker, 33 Journalisten der ARD und bekannte Persönlichkeiten wie Jan Böhmermann und Sido wurden Opfer eines Hacker-Angriffs. Veröffentlicht wurden die erbeuteten Informationen über Twitter.

Nach einem Hacker-Angriff auf Politiker und Privatpersonen in Deutschland ist am Freitag in der Früh das nationale deutsche Cyber-Abwehrzentrum zu einer Krisensitzung zusammengetreten. In dem Gremium würden die Maßnahmen der Bundesbehörden koordiniert, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Dazu zählten der Bundesverfassungsschutz, das Bundeskriminalamt und der Bundesnachrichtendienst. Das BSI habe kurz vor der Veröffentlichung von Medienberichten Kenntnis von dem Hackerangriff bekommen. Ein BSI-Sprecher sagte AFP, seine Behörde prüfe den Vorgang in Zusammenarbeit mit weiteren Bundesbehörden "intensiv". Das BfV sichtet derzeit das veröffentlichte Material, wie eine Sprecherin AFP sagte. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum, das die Maßnahmen der deutschen Bundesbehörden in so einem Fall koordiniert, übernahm den Sprechern zufolge die zentrale Koordination zu dem Fall. Klar sei bis jetzt nur, dass die Angriffe im Oktober 2018 endeten. Wann sie begannen, ist dagegen noch unklar.

Dem ersten Anschein nach sind die Angriffe umfassend gewesen. Auf Twitter wurden regelmäßig die erbeuteten Informationen - teils ein paar Jahre alt - verbreitet. Neben Privatpersonen betrifft der Hacker-Angriff viele namhafte Politiker. Darunter Angela Merkel und auch Frank-Walter Steinmeier. Hinzu kommen Daten der Privatzentralen des EU-Parlamentes, der Landes- und Kreisverbände von CDU, CSU, SPD, Grünen, Linke und FDP. Insgesamt sind 405 Politiker betroffen. Die AfD scheint nicht betroffen zu sein.

Laut der Deutschen Presse-Agentur ist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betroffen. In dem Datensatz tauchen demnach unter anderem eine Faxnummer, eine E-Mail-Adresse und mehrere Briefe von der und an die Regierungschefin auf.

Nicht nur Politiker betroffen

33 Journalisten der ARD sind ebenfalls Opfer des Datendiebstahls. Aber auch der Talkshow-Moderator Jan Böhmermann und Extra3-Moderator Christian Ehring ist betroffen. Letzterer sogar besonders. 3,4 Gigabyte an privaten Daten wurden veröffentlicht, sogar private Urlaubsfotos.

Die Bild-Zeitung geht davon aus, dass die Outlook-Konten gehackt wurden und die Angreifer 30 Passwörter abgreifen konnten. Damit konnten sie sich Zugriff zu Facebook, Twitter und Co. verschaffen. Es ist davon auszugehen, dass die Betroffenen die selben, oder ähnliche Passwörter wie bei Outlook verwenden. Dadurch gelangten sie in den Besitz von Telefonnummern, Anschriften, Kommunikationsverläufe mit Freunden und Parteikollegen. Neben privaten Chats, abgelichteten Personalausweisen und Briefen wurden dem RBB und der "Bild"-Zeitung zufolge auch Kreditkarteninformationen veröffentlicht. Auch fänden sich parteiinterne Dokumente wie interne Kommunikation und Adress- und Mitgliederlisten in dem Material. Diese wiederum weitere Informationen zu neuen Angriffen lieferten.

Schon vor Weihnachten begannen die Hacker damit, die erbeuteten Informationen auf Twitter zu veröffentlichen. Häppchenweise wie in einem Adventkalender wurden täglich neue Details zu bekannten Personen veröffentlicht. Mittlerweile sind die Accounts gesperrt.

Die "Heilbronner Stimme" berichtete, erste Bundestagsabgeordnete hätten wegen des Datendiebstahls Anzeige erstattet. Es gebe großen Unmut, dass die Informationen über den Angriff nicht vom BSI oder vom Bundesamt für Verfassungsschutz an die Fraktionen herangetragen worden sei, sondern sie zuerst von Bürgern und dem Chaos Computer Club darauf aufmerksam gemacht worden seien. Einige Abgeordnete hätten intern bereits in den vergangenen Wochen über Hackerangriffe berichtet, unter anderem auf Facebook-Konten.

Die massenhafte Veröffentlichung der sensiblen persönlichen Daten ist nach Einschätzung der deutschen Justizministerin Katarina Barley (SPD) ein "schwerwiegender Angriff". "Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen", erklärte Barley am Freitag. Die Täter müssten rasch ermittelt und ihre möglicherweise politischen Motive aufgeklärt werden. "Kriminelle und ihre Hintermänner dürfen keine Debatten in unserem Land bestimmen", mahnte Barley.

"Daten müssen aus dem Netz"

"Die Daten müssen aus dem Netz", sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, Armin Schuster (CDU), den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Samstagsausgaben). "Die Bundesregierung arbeitet mit den Providern daran, dass das möglichst schnell geschieht. Denn das sind ja kapitale Daten."

Schuster stellte zugleich infrage, ob die Daten tatsächlich einem Hackerangriff entstammen. "Das kann ein Hackerangriff sein, das kann aber auch eine sehr intensive Recherche sein", sagte er dem RND.

Das könnte aber noch länger dauern. Die veröffentlichten Daten, die insgesamt rund elf Gigabyte umfassen, wurden auf verschiedenen Hostern gespeichert.

(bagre/APA/Reuters/DPA/AFP)