Heldenreise

Das Leben, ein Film

(c) Imago/Warner Bros. Entertainment

Anlässlich der Oscar-Nacht: Wer gerne Movies und Serien schaut, der weiß, die meisten Drehbücher haben Gemeinsamkeiten. Sie folgen denselben Mustern. Einige passen besonders zu Karriere und Aufstieg.

Was haben Hollywood-Drehbücher mit der Karriere zu tun? Mehr als man glaubt. Viele zeigen Menschen an der Grenze zu einer neuen Lebensphase. Der Held wird erwachsen (das sogenannte Coming-of-Age-Szenario). Er verliebt sich. Er kämpft um einen Job. Und um seinen Platz in der Gesellschaft.

Kann Ihnen Hollywood etwas für die Karriere mitgeben? Ja, jede Menge. Als Erstes eine Grundregel: Im Leben heißt sie „Was immer Sie erleben, es wird Sie formen“. Im Film heißt das „Transformation durch Abenteuer“. Der Filmheld startet an einem bestimmten Punkt seines Lebens. Er hat Wünsche, Träume und Hoffnungen. Dann passiert etwas Unerwartetes, das ihn aus seinem alten Leben reißt. Dies zwingt ihn zu tun, was er nie zuvor getan hat. Das verändert ihn. Danach ist er nicht mehr derselbe. Er ist gewachsen und gereift. Zum Besseren – oder auch nicht.

Die Parallele zum Berufsstart - und zu jedem weiteren Karriereschritt -  ist offensichtlich.

Beispiel gefällig? Nehmen wir Bruce Wayne, den einsamen Batman. Zu Beginn von The Dark Knight ist er ein reicher Junge, von seinen Eltern geliebt, vom Leben verwöhnt. Dann werden vor seinen Augen seine Eltern ermordet und er von einer Fledermaus gebissen. Immerhin, das verleiht ihm nützliche neue Fähigkeiten. Was macht er damit? Übt er blinde Rache? Verprasst er seine Erbschaft? Oder widmet er sein Leben der Gerechtigkeit und kämpft unbeirrbar für das Gute?

Von diesen inneren Kämpfen, die in Bruce Wayne’s Identität als Batman münden, handelt The Dark Knight. Dass er sich für den Kampf gegen das Böse entscheidet, verrät schon der Titel (Der Film könnte ja auch bloß Batman heißen).

Warum Knight, also Ritter? Weil das Muster dahinter einem uralten Archetypus entspricht, dem des edlen Ritters. Archetypen sind zeitlos. Sie finden sich über die Jahrtausende immer wieder. Der des zerrissenen Helden am Scheideweg etwa von König Arthus und Beowulf bis Harry Potter und Der König der Löwen.

Was das für Sie bedeutet: Jeder Mensch muss sich seine Identität, seinen Weg ins Leben erkämpfen. Sie sind nicht allein.

Womit wir bei der zweiten unverzichtbaren Zutat jedes Films sind: dem Hindernis. Dem Problem. Dem Kampf. Wer würde sich Movies anschauen, in denen alles eitel Wonne ist? Niemand. Sie wären gähnend langweilig.

Wir lieben Filme gerade wegen der Hindernisse, des Grauens, der Gefahr. Sie helfen uns, unser eigenes Leben zu bewältigen (Wenn Bruce Wayne das übersteht, kann auch ich meinen Chef ertragen). Sie antizipieren Prüfstein-Entscheidungen, die wir treffen müssen (Die helle oder die dunkle Seite der Macht?). Sie lehren uns, Verantwortung zu übernehmen, für unsere Handlungen einzustehen (Ja, Chef, ich habe Mist gebaut).

Lassen Sie uns ein paar Filme auf ihren Karrierewert durchleuchten. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will, dem sei das äußerst kluge Buch „Quick, Where Is My Cape?“ des Hollywood-Drehbuchautors Ric Gibbs ans Herz gelegt. Es steckt voller Lebensweisheit.