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Heldenreise

Der Teufel trägt Prada oder: Die Lebensaufgabe

(c) 20th Century Fox

Serie "Heldenreise" (4/9). Ist das, was Sie zu wollen glauben, wirklich das, was Sie zu Ihrem Glück brauchen? Sind Ihre vermeintlichen Karriereziele wirklich Ihre eigenen? Und wie erstellt man einen Karriereplan?

Das Prinzip Heldenreise (also Ausgangspunkt – neue äußere Umstände – innere Transformation – gereifter Mensch) ist nichts anderes als die Suche nach der Lebensaufgabe. Nicht nach Karriere, Geld und Ruhm, auch wenn das viele glauben. Es geht um die wirkliche, echte, wahre Lebensaufgabe.

Filmhelden finden sie innerhalb von zwei Stunden. Im richtigen Leben dauert es länger. Manchmal kommt die Lebensaufgabe in Etappen daher. Immer dreht sie sich um die Fragen: Warum bin ich hier? Wie entscheide ich mich? Später auch: Was wird nach mir sein?

Was ist denn jetzt Ihre wahre Lebensaufgabe?

Denken Sie zurück. Nicht an die tausend Dinge, die Sie jeden Tag tun. Sondern an die großen wichtigen Ereignisse Ihres Lebens, durch die Sie geworden sind, wer Sie sind. Was haben Sie daraus gelernt? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie aus Niederlagen viel mehr mitgenommen haben als aus Siegen? Und aus jenen Siegen am meisten, für die Sie sich wirklich angestrengt haben?

Der berühmteste Film zum Thema ist Casablanca. Humphrey Bogart als erfolgreicher, aber zynischer und verbitterter Barbesitzer, dem das Schicksal seine frühere Geliebte in die Bar spült. Er stellt die Stacheln auf und will sie genauso leiden lassen, wie er damals litt, als sie ohne ein Wort verschwand. Bis er den Grund erfährt: Ohne sie ist ihr damals tot geglaubter Mann, ein wichtiger Widerstandskämpfer, verloren. Er braucht sie. Der Kampf gegen das Naziregime, das übergeordnete Ziel, wiegt schwerer als das private Glück. Unser Held hat seine Berufung gefunden. Jetzt kann er verzeihen und den beiden (und vielen weiteren) zur Flucht verhelfen. Belohnt wird er mit dem guten Gefühl, seine Bestimmung, seinen Frieden und im Polizeichef von Casablanca einen Freund fürs Leben gefunden zu haben. Hier lautet die Transformation: Nicht noch mehr Geld mit der Bar scheffeln, sondern einen Beitrag zum Widerstand leisten.

Ein anderer Film, nicht ganz so wuchtig: Der Teufel trägt Prada. Heldin Andy ist zu Beginn ein nettes Mädel mit edlen Zielen. Im Laufe des Films verfällt sie zunehmend dem Irrglauben, in den Modeolymp aufsteigen zu wollen. An der Seite der eiskalten Magazinchefin Miranda Priestly klettert sie rücksichtslos die Karriereleiter hoch – wie Priestly ihr das vormacht. Dann die Erkenntnis: die Hohlheit und Bedeutungslosigkeit dieser Karriere und ihr Preis. Andy bricht aus und findet ihre echte Bestimmung: Als kleine Redakteurin bei einem anständigen Magazin – an der Seite ihres netten und modisch völlig uninteressierten Boyfriends.

Die Suche nach der Lebensaufgabe

Sie meinen, ein Job dient ohnehin nur dazu, Wohnung, Auto und Urlaub zu finanzieren? Die Lehre aus diesen Blockbustern ist, dass das, was man will (oder zu wollen meint), noch lange nicht das ist, was man auch wirklich braucht. Was man will diktiert der Verstand, die Ratio. Was man braucht kommt aus der Seele, dem Unbewussten. Es ist daher eine gute Idee, sich zu Beginn der Karriere zu fragen, ob die vermeintlichen Lebensziele wirklich Ihre eigenen sind. Oder vielleicht die erwartungsvoller Eltern?

Fragen Sie sich auch, ob die laute Stimme des Ehrgeizes nicht das zarte Stimmchen der Seele übertönt. Die will vielleicht gar nicht das große Geld, sondern ganz etwas anderes. Hören Sie genau hin. Dort finden Sie Ihre wahre Bestimmung. Und die macht glücklich.

Wie erstellt man einen Karriereplan?

Karriere passiert? Nicht, wenn man einen Plan hat. Der ist wie eine Straßenkarte. Wer weiß, wo er hinwill, ist schneller dort. Sie brauchen Zeit, einen dicken Block (hier ist Papier besser als der Laptop) und ein wenig Konzentration für die folgenden Fragen.

IST-ANALYSE (jeweils drei bis fünf Punkte aufschreiben)

  • In welchen allgemeinen Wissensgebieten weiß ich viel?
  • In welchen drei bis fünf speziellen Wissensgebieten?
  • Welche besonderen Fähigkeiten habe ich (Sprachen, Programmierkenntnisse etc.)?
  • Was kann ich sonst noch gut?
  • Was interessiert mich?
  • Wofür hätte ich gern mehr Zeit?
  • Auf welche Erfolge bin ich besonders stolz?
  • Welchen Fähigkeiten habe ich diese Erfolge zu verdanken?
  • Welche fünf bis sieben Werte sind mir wichtig (z. B. Prestige, Loyalität, Balance)?
  • Welche fünf Eigenschaften beschreiben mich am besten?
  • Welche fünf Eigenschaften hätte ich lieber nicht?
  • Was sagen Familie und Freunde?

KARRIEREOPTIONEN

  • Welche fünf Berufe oder Positionen interessieren mich am meisten? Warum gerade die?
  • In welchen Berufen, Positionen oder Rollen kann ich meine Stärken am besten nutzen?
  • An welche drei Jobs/Jobtitel will ich gelangen?

STRATEGIEN ZUM ZIEL

  • Was fehlt mir zu meinen Wunschjobs?
  • Welche Ausbildung brauche ich?
  • Wo sonst kann ich das Fehlende lernen (online, on-the-Job etc.)?
  • Welche Arbeitgeber suchen Mitarbeiter für diese Positionen?
  • Was brauche ich noch, um für sie interessant zu sein?
  • Zuletzt: Welche Meilensteine setze ich mir? In welchem Zeitrahmen?


Morgen geht es weiter mit der 5. Folge der Serie "Heldenreise": Wall Street oder: Das große Scheitern

Die Anregungen zu dieser Serie stammen aus dem Buch "Quick, where is my cape" des Hollywood-Drehbuchautors Ric Gibbs.